Advent, Advent,



Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann stehn‘ die Pferdeprofis vor der Tür!

Mannigfaltig wurde ich darauf hingewiesen, ab 6. Januar können wir sie wieder ansehen, nicht ganz live aber dafür in Farbe. Der Sender mit der roten Kugel preist ihr Comeback bereits an, wie frisch gebackene Brötchen: The Pferdeprofis are back! Sie stehen uns unwiederbringlich ins Haus, Zöpfchen- Bernd und Frau Prüüma. Zur besten Sendezeit am Samstagabend können wir wieder gemeinschaftlich die Hände vors Gesicht schlagen und schockiert quieken: ‚Das tut sie doch nicht wirklich???‘ ‚Hat er das jetzt ernsthaft???? Oh Gott er hat!!!!‘
Und dann, ja dann, kann ich endlich wieder im wöchentlichen Rhythmus fiese und gemeine Sachen vom Stapel lassen, ganz wie es meinem zutiefst bösartigen Naturell entspricht.

Um die Wartezeit ein wenig zu verkürzen, habe ich mir gedacht, dass ich mal etwas über jemanden schreibe, der garantiert kein Pferdeprofi ist.

Über mich selbst.

Ich bin Amateur, Dilettant, gnadenlos untalentiert und absolut ungeeignet. Und trotzdem seit einer Fantastrillion Jahre den Vierhufern verbunden. Ab heute gibt es in losen Abständen bis zum neuen Jahr meine TOP 5 der dämlichsten Aktionen der Autorin. Gottdeidank hat mich dabei niemand gefilmt, das wäre nämlich zum Klassiker für die Gesichtsbuchschreiber geworden…

5: Verletzungspech
Das erste Pony in meinem Reiterleben musste wirklich leiden. Dressur(OK, Kringelreiten), Springen, Vielseitigkeit, Jagden, Ponyspiele, Distanzen und diverse selbstausgedachten Spielarten des Reitsportes wurden mit ihm bis zur Verausgabung geübt und verfeinert. Durch das mangelnde Talent des Oberteils der Reiter-Pony-Paarung trennte sich selbiges des Öfteren, was der Begeisterung aber keinen Abbruch tat. Eines schönen Tages wollte ich Slalom üben. In der Wiese, nur mit Halfter und Strick um die dort ansässigen Obstbäume. Da praktischerweise kein Erziehungsberechtigter anwesend war, wurde selbstverständlich auf Helm oder sonstige Fissematenten volkommen verzichtet.

Das Pony hat das Spiel verstanden. Schnell, sehr schnell, zu schnell… Es flitzte nur so um die Bäume, Haken schlagend, wie ein Jack Russel auf Red Bull.
Fünf Haken habe ich ausgesessen (OK, vielleicht auch nur drei, na gut, zwei aber mindestens!), danach kam die schnöde Physik. Die Trägheit der Masse in Zusammenhang mit einem übermotivierten Pony führten dazu, dass ich mit dem Oberkörper aus einer rasanten Linksskurve flog, während der Rest von mir (Ergo die Beine) , der sich mit den Hacken verzweifelt an das Pony klammerte, in rasantem Jagdgalopp gegen einen wundervollen Quittenbaum steuerte. Das linke Knie nahm auch sogleich Kontakt zur Rinde auf, was das Pony indes nicht im Mindesten störte. Es hetzte in unvermindertem Tempo weiter zum Apfelbaum, so hatten wir es ja auch geübt.
Durch eine geringfügige Rotation im Oberkörper habe ich es geschafft, mich nach Verlassen des Ponyrückens einmal wie eine Gogo-Tänzerin um die Stange um den Baumstamm zu drehen, nur um hinterher, vor Schmerzen paralysiert, kopfüber in einen frischen Haufen Ponyäppel zu kippen.

Muss ich erwähnen, dass mein allerliebstes Pony wirklich Spaß an dem neuen Spiel gefunden hatte und fröhlich buckelnd über die Weide gen Ausgang galoppierte, den ich in weiser Vorraussicht selbstverständlich sperrangelweit offen gelassen hatte?




Ich bin heute noch wirklich fasziniert von meinem jugendlichen Ich, hopste ich doch quasi einbeinig in gefühlter Formel Eins Geschwindigkeit in Richtung Weidetor, um dafür zu sorgen, dass der wilde Wallach nicht das Weite sucht. Vor ihm anzukommen habe ich natürlich nicht geschafft, war ja auch von Anfang an ein aussichtsloses Unterfangen. Rennpony gegen schwer lädiertes dickes Kind… Heute bin ich klüger, wenn ich sicher verloren habe, nehme ich kein Rennen mehr auf.

Die nächste Stunde habe ich dann damit zugebracht, heulend hinter meinem ehemaligen Reittier hinterherzuhüpfen, welches sich grasend am Wegesrand befand und immer wenn ich in Beinahe-Reichweite kam, locker flockig zehn Meter weiter trabte. Irgendwann wurde es dem kluigen Pony aber zu dumm, ich konnte es fangen, in den Straßengraben bugsieren und unter Schmerzegeheul auf seinen Rücken rutschen. Soweit, so gut, erschien es mir doch als deutlich bessere Variante, den Weg zurück nach Hause einfach das Pony laufen zu lassen. Der Kollege hatte ja schließlich doppelt so viele Beine wie ich.

Allerdings hatte ich über die ganze Aktion irgendwie die Zeit vergessen, sodass justamente im Moment des Rückwegs meine Eltern wieder zu Hause eintrudelten. Der Anblick eines vollkommen verheulten Görs ohne Helm und ohne Zubehör auf dem Pony muss ihnen kurz einen Schreck versetzt haben. Aber wirklich nur ganz kurz. Danach brach das Donnerwetter los.

Trotz wortreicher Ausreden und intensiver Erklärungsbemühungen meinerseits hat mein Slalomspielchen ein paar Folgen gehabt: Eine fiese Leistenzerrung, eine großflächige Schürfwunde am linken Knie, ein schaler Nachgeschmack von Pferdemist und, am schlimmsten von allem, vier Wochen Reitverbot.

Der Tag war dennoch sehr lehrreich. Danach habe ich mich nie wieder erwischen lassen!
… to be continued

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