Another Saturday, another Problemfäährd



Oder Problempony, egal, haluptsache irgendein Vierbeiner mit mehr oder weniger Problemen. Selten hat mich ein Vorab so sehr vergnügt wie dieses hier. Denn selten wurde so klar, dass die Sendung auf dem Kanal mit der roten Kugel es mit dem Realitätsbezug nicht ganz so genau nimmt. Ich darf über das schreiben was ich sehe, weil ich nichts anderes zu sehen kriege, so einfach ist das. Dass in vorliegendem Fall die Netzgemeinde schier überkocht vor lustigen Hintergrundinformationen ist eine nette Variante, die irgendwie zeigt, das das Problembiest gar nicht so viele Probleme hatte und hoffentlich inzwischen auch immer noch nicht hat. Wer weiß, vielleicht sind auch einige andere rührseelige Geschichten schlicht der Feder der Regie entsprungen? Na das wäre ja glatt ein Skandal. Nicht. Der Tragödie dritter Teil, dessen fünfter Akt: Der Schokoriegel hat Rücken, oder: Wer sein Pony liebt, der schiebt. Sandra hat es nach Krefeld verschlagen, zu der zehnjährigen Marlene um genau zu sein, bzw. zu deren 20jähriger Ponystute Snyckers, ausgesprochen wie der lustige Riegel, der mit den Nüssen und dem Karamell (Gott, ich krieg Appetit) Appetit hatte wohl auch einer der verschiedensten windigen Vorbesitzer des augenscheinlich mit Araber- bzw. Welshanteil recht hoch im Blut stehenden rotbunten Ungewitters. Der oder diejenige war nämlich erstens nicht nett, sondern hat den Riegel auch zum Schlachter verfrachtet, lässt uns der kluge Kommentator wissen. Da kleine Mädchen generell und Marlene im Speziellen aber ein Herz für arme Ponies haben, wurde letzteres dem bösen Henker noch so eben unter dem Hackebeil wegorganisiert und fristet seitdem ein Leben als fast reitbarer Untersatz in Krefeld. Fast reitbar deswegen, weil der Rotschopf sich shconmal beharrlich weigert, den Putzplatz mit angehörigen Anbinderingen zu betreten. Wenn sie dann doch mal gesattelt ist und ihr kleines Reiterlein es wagt, die Zügel aufzunehmen, drückt der Wildling in bester Erinnerung an ihre arabischen Ahnen den Unterhals raus und rattert vorwärts aufwärts gegen das Gebiss, in jeder Gangart mit Endgeschwindigkeit. Am langen Zügel könne man die Rotbunte schon durch die Gegend eiern, erklärt uns Marlenes Mutter, aber im Gelände sei das zu gefährlich, da jedes Annehmen der Zügel eine Geschwindigkeitserhöhung nach sich zieht. Sandra stellt schon vor ihrer Erstbegegnung mit dem Schokotier klar, dass das Pö definitiv über Jahre fürchterschrecklich geritten worden sein und ausserdem furchtbare Dinge erfahren haben muss unnd bricht daraufhin in eine Lobeshymne auf Marlene und alle Tierretter dieser Welt im Allgemeinen aus. Marlene und ihre Mutter stehen in freudiger Erwartg des ProViehs dekorativ mit einem fetten Schimmelpony auf der ebenfalls fetten Weide rum. Sandra möchte aber lieber ihren Patienten kennenlernen und bitttet darum, selbigen mal anzuschleppen. Da der Warab sich mit Erwachsenen und dem Vertrauensverhältnis zu letzteren ein wenig schwer tut, muss Sandra aber erst mal vor Mitleid überquellen, zeigt das doch mal wieder ganz deutlcih, wie furchtbar das bisherige Leben des Vierbeiners gewesen sein muss.




Nach Ankuft von Marlene und Pony kriegt das Biest deswegen auch erst Mal ne ordentliche Rückenmassage. Wenn das Tier nämlich Fangen mit Wellness verknüpft, dann ist das von der Wiese holen ab sofort total positiv belegt, erklärt der Profi. Positivität würde Frau Schneider sich auch beim nächsten Problempunkt wünschen, nämlich beim Anbindeplatz. Marlene steht nämlich drei Meter davon entfernt geradewegs vor ihrem Pony und zerrt am Halfter, um das sture kleine Ding endlich zum Putzplatz zu bewegen. Frau Prüma schaffts in Quasimodostyle dann tatsächlich bis zur Wand und zieht das Strick auch durch den Eisenring, um danach mit einem Frontalangriff auf die Stute letztere zu einem flotten Rückwärtssprint zu animieren. Da der „aaarme Schaaatz“ so natürlich nicht zum bleiben animiert werden kann und Sandra durch eine göttliche Fügung keine Körperteile fehlen, wird der Strick nun durch eine Longe ersetzt. Da kann der Schokoriegel ziehen wie er will, die Longe bleibt dran. Nur das Halfter mit elastischen Einsätzen gibt trotzdem nach und weitet sich derart, dass der geneigte Zuschauer Kopfkino von einem zurückschnellenden Nylonangriff auf die rothaarige Pferdetherapeutin bekommt. Zum Glück kann Sandra mit freundlichem Gewedel des Longenendes die rote Gefahr dazu bringen, zwar nicht nach vorne aber immerhin zur Seite auszuweichen du kriegt sich auch gleich gar nicht wieder ein vor Freude. Wennigstens erklärt sie dem geneigten Zuschauer, dass man so Etwas auf keinen Fall zuhause nachmachen sollte. Die Untertitelregie von Vox erklärt uns, dass Longenarbeit unbedingt in Profihände gehört, das nennt man Situationskomik, denke ich. Danach ist das Pony reitfertig gemacht, oder sowas in der Art. Das etwas zu große Gebiss hängt windschief in Snyckers Schnüss, der Nasenriemen verläuft direkt an der Jochbeinkante und ein wunderhübscher veganer Lederersatzsattel (im 21ten Jahrhundert sagen wir nicht mehr Plastik…) liegt sowohl auf der Ponyschulter als auch auf der Lendenwirbelsäule. Marlenchen wird, vorschriftsmäßig gekleidet mit Helm und Schutzweste, aufs Reittier bugsiert und zeigt sich als durchaus begabtes Reitkind. Sitz und Einwirkung von dieser Zehnjährigen sind ungefähr 239 Trillionen mal besser als die von den ganzen Schrottvögeln, die uns Vox in den letzten Sendungen als ERFAHRENE ReiterInnen präsentieren wollte… Sandra wertet es als Zeichen, dass der Warab beim Aufsteigen nicht stehen bleiben will und findet es auch gar nicht gut, dass beim flotten Getrabe die Ponyschneidezähne stets den höchsten Punkt bilden. Es hilft mal wieder nichts, dem Ponackel muss in stationärer Therapie geholfen werden. Gott sei Dank hat das Bildungsministerium den Kindern die Sommerferien gegeben, deswegen können Kind und Pony gemeinsam Ferien auf dem Pony- Oh, Verzeihung, Rosenhof machen. Auch Marlenes Mutter zeigt sich über diese Entwicklung mehr als erfreut, möchte sie sich doch gerne weniger Sorgen um das Leben ihres Kindes machen als derzeit (Kleiner Tipp an alle Mamas: kauft eurem Kind ein Kinderpony, nicht irgendeinen Niedlichgucker, der beim Händler grad im Sommershclussverkauf ist, den finanziellen Mehraufwand kriegt ihr in Nerven und nicht ergrauten Haaren zurückgezahlt…) Gerade angekommen wird die rote Gefahr erneut fast angebunden und lässt sich sogar putzen. Weil das mit dem Anbinden somit zumindest in fremder Umgebung fast funktioniert, wird als nächstes der Wasserschlauch ausgepackt. Hier wird der Riegel zwar nicht angehängt, dafür aber seine Füße mit Wasser nassgemacht. All das erzeugt keine Gegenwehr, deswegen darf die Rotbunte nun zum Zentrifugieren auf den Platz. Während der inzwischen gewählte Kappzaum mal wieder den Augeninnedruck des Therapiepatienten in gefährliche Höhen quetscht, stellt der geneigte Zuschauer fest, dass die alte Ponystute humpelt. Sandra diagnostiziert eine fiese Festigkeit im Rücken und bricht das Training erstmal ab, damit die nette Knochenbrecherfrau vom letzten Samstag sich die alte Dame mal anschauen kann. Einen Tag später kommt sie auch sogleich und erklärt uns und Marlene, dass das Pony einen Axthieb hat (Crazy Shit, noch dazu einen alten Satteldruck und nullkomma null Rückenmuskulatur, das sehe ich sogar auf meinem MiniFernseher) und Axthiebe erstens vom Nackenband kommen und zweitens für Wegrennen beim Reiten sorgen (Manchmal kommen die auch von den Genen, z.B. bei Arabern und manchmal machen die auch absolut überhaupt nicht schneller, aber was weiß ich schon, bin ja weder ProVieh noch OtheoChirobumsdings) Deswegen wird der Wackel wieder ordentlich in Richtung geknackt und Marlene ein Reitverbot ausgesprochen. Die niedliche Maus sieht auch ein, dass man einem Pferdchen, dass Schmerzen hat, nicht unbedingt zusätzlich noch ein Reiterlein aufpacken sollte. Deswegen wird weiter mit dem beschissen angepassten Kappzaum zentrifugiert, über Stangen und Schaumstoffgedöns, ohne Peitsche, dafür aber mit deutlichen Taktunreinheiten. Marlene soll ihr Pony auch mal in der Runde jagen und schafft eine Premiere in dieser Sendung: Sie hat die Longe ganz vorbildlich aufgerollt in der Hand. Sandra ist trotzdem mit der kleinen Schülerin nicht zufrieden, weil Timing nämlich alles ist, soll sie gefälligst lernen, nachzugeben, bevor ihr Pony etwas richtig macht, damit das Tierchen ein gutes Gefühl bekommt. Soweit so gut, als nächstes wird das Thema Reiten nochmal aufgegriffen. Aber nicht mit Marlene, die kann Frau Prüma nämlich reiterlich überhaupt nicht einschätzen (Ich schon, das Kind machte das wirklich ordentlich) sondern mit einer Mitarbeiterin des Rosenhofes, die Sandra kennt wie ihre Westentasche. Da diese mit komisch verdrehten Katzenpfötchen die Zügel direkt mal ordentlich auf Anschlag zieht, ist Snyckers so bei minus 17 auf der Entspannungsskala und bleckt mal wieder die Zähne gen Beregnungsanlage. Zusätzlich geht sie inzwischen auch im Schritt hinten deutlich kurz-lang. Sandra freut sich wie ein Kullerkeks, dass ihre Therapie schon derart durchschlagenden Erfolg hatte. Deswegen ist die Rotbunte nach der nächsten Maus auch wieder zuhause und Sandra zum Hausbesuch da. Sie betrachtet ganz fasziniert, dass der Ponackel sich anbinden und fertigmachen lässt und mit einem riesigen Gelpad unter dem Satteldings auch beim Aufsteigen stehen bleibt. Marlene kann am langen Zügel Schritt und Trab reiten, Snyckers geht hinten immer noch ungleich. Mal wieder alle unfassbar glücklich, Patientin von allerlei Ungemach geheilt, Marlene glücklich mit Reitpony, Sandra wie immer bestens gelaunt, vielleicht auch, weil sie von der süßen Marlene ein Geschenk überreicht bekommt. Nur ich hab nicht so richtig gute Laune (Ich bin aber auch ein echter Miesepeter), denn das einzige, was so wirklich kuriert wurde, war die Weigerung des Tierchens, sich anbinden zu lassen und auch da enthielt uns die Regie leider jeglichen Einblick in die Trainingsschritte vor. Am langen Zügel konnte sie doch auch schon vor Beginn der Therapie laufen, ob es nachher auch mit Verbindung zum Ponymaul ging, wurde uns leider nicht gezeigt. Zusätzlich wurden für mein Dafürhalten einige essentielle Dinge zugunsten der tränenrührigen „wir haben ein Pony gerettet“ Story unter den Teppich gekehrt. Die Bemuskelung des Ponies hat sich trotz lobenswerter Vorstellung bei der Chiro-Lady nicht um ein Mikrogramm verändert oder gar verbessert, auch die, ääh, Taktunreinheiten waren von Anfang bis Ende zu sehen und wurden nicht einmal angesprochen. Das schlecht sitzende Equipment einfach durch anderes schlecht sitzendes Equipment auszutauschen und nachher unterstützt durch kaschierende Unterlagen wieder aus Pony zu basteln ist auch eher so die medium professionelle Variante. Ganz innovativ hätte ja auch mal jemand das alte Ponytantchen glorreich in Rente schicken können. Nicht jedes Pferdchen will und muss geritten werden um glücklich zu sein, und mit 20 dürfen so Wackel auch mal gerne Sodapferdchen werden. Die sind dann einfach nur so da und machen ein bisschen Bodenarbeit oder sonstigen Unfug und lassen den Rest der Zeit die Seele mit den Kumpels auf der Weide baumeln. Und zu guter Letzt: Ja, es ist ein ganz feiner Zug, wenn Menschen arme gequälte, meinetwegen auch missverstandene Pferde vor wem oder was auch immer retten wollen. Aber bitte, bitte, liebe Leute aus der rosaroten Wendy-Zuckerwattenwelt: Schaut doch bitte vorher kurz ein bisschen selbstkritisch an euch herunter. Habt ihr Know-How und Erfahrung um ein Pferd, welches möglicherweise einen Sack von Problemen mitbringt, soweit zurechtzubasteln, dass es euren Erwartungen vom eigenen Pferd entsprechen kann? Wenn das nicht der Fall ist, ist dann euer Portemonnaie dick genug, dass ihr andere Leute bezahlen könnt, genau das zu tun und zwar möglicherweise über einen längeren Zeitraum? Könnt ihr keine der beiden Fragen mir Ja beantworten, dann lasst es einfach bleiben, auch wenn ihr damit auf ewig einen Platz im Herzen von Frau Prüma ergattern könntet. Das schimpft sich dann nämlich falsch verstandene Tierliebe und Egoismus und hilft keinem Pferd in irgendeiner Art und Weise.

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