Auf eine Neues



Auch die weibliche Vertretung der ProViehs soll hier ja nicht untergehen, deswegen folgt die ausführliche Nachbesprechung auf dem Fuße.

Und wiedermal, weil es so schön ist: Mein Geschreibsel spiegelt ausschließlich meine subjektive Wahrnehmung wieder und ist somit einfach nur eine Nacherzählung einer Fernsehsendung. Wer damit ein Problem hat, kann es gerne behalten, es ist ja seins. Alternativ kann derjenige auch einen Kopfstand machen und mit den Füßen klatschen, dann muss er oder sie mir aber bitte bitte ein Video davon senden.

Der Tragödie dritter Teil, dessen vierter Akt:

Die schöne Bella mit den angeknabberten Fingernägeln, oder: Wie man kein Problem löst.

Frau Prüma soll ja nicht arbeitslos werden, deswegen hat die hübsche Nadine sich vor sechs Jahren aufgrund einer jugendlichen Schwärmerei ohne Verstand, dafür aber mit Herzchen in den Augen, ein Shire-Horse-Fohlen zugelegt. Weil Nadinsche nach Erwerb aber durch so unwägbare Zufälle wie die Reproduktion und allgemein dem Broterwerb nur höchst unregelmäßig Zeit für den inzwischen überdimensional gewachsenen Zossen hatte, hat letzterer nicht so richtig was gelernt. Also eigentlich gar nichts. Bella, so heißt das Riesenross, hat fünfeinhalb Jahre locker flockig auf ostfriesischen Koppeln vor sich hin gestanden und beherrscht nicht einmal das Fohlen ABC, so sagt Nadine. Explizit anbinden würde sie das Tierchen gerne mal können, oder führen. Auch der Hufschmied würde sich über eine kleine Erziehungskur freuen, denn aufgrund der Unfähigkeit der großen Kalten, die Füße in die Luft zu halten, weigert dieser sich vehement, die tellergroßen Füße zu berunden. Und wenn man schon mal bei den großen Wünschen ist, dann wäre ein bisschen Reiten eigentlich auch ganz geil, so lässt uns Naddel wissen.

Frau Prüma findet es höchst bedenklich, wenn ein sechsjähriges Pferd noch nicht einmal das Fohlen ABC beherrscht, denn einfach so rumstehen sollten Pferde eher so bis vierjährig. Deswegen kommt Bella auch zum Rosenhof in stationäre Therapie, jedenfalls grinst sie uns von der dortigen Wiese aus an. Shire Horses sind die größten Pferde auf der ganzen Welt, lässt uns Sandra wissen, die spontan gewachsen sein muss, denn als der kluge Kommentator uns wissen lässt, dass Bella 190 Stockmaß hat, legt Frau Prüma ihr lässig den Arm über den Rücken. Diese überdimensionierte Pferdegestalt gilt es nun zu zähmen, denn, so korrigiert sich Sandra dann auch, das Hufe geben ist eine Schlüssel Qualifikation für Pferde jeglicher Gestalt und Couleur und sollte am besten schon im Fohlenalter erlernt werden. Und weil man von den befiederten Riesenfüßen niemals nicht getroffen werden will, auch wenn sie ziemlich zerfleddert sind, übt Sandra jetzt erst mal andere Sachen. Dazu kraucht sie in gebeugter Haltung über den Rosenhof und lockt das Riesenbaby mit gluckenden Lauten hinter sich her. Bella missversteht die Körpersprache der erfahrenen Pferdetrainerin minimal und rempelt sie über den Haufen bzw. läuft einfach irgendwo hin. Weil genau da Sandra aber auch hinwollte, ist sie super zufrieden mit dem großen Schaaaatz, herzt den Ponackel kräftig und freut sich, dass sich beide Parteien jeweils noch an einem Ende des Strickes befinden. Daraufhin wird erst mal anbinden geübt. Also nicht richtig anbinden. Eher so die Durchlaufvariante von Anbinden. Dafür wird Bella frontal vor einen windschiefen Holzbalken geparkt und der am Halfter anhängige Strick durch den dort montierten Eisenring gezogen. Das andere Ende soll der Mensch je nach Reaktion vom Pferd entweder festhalten (Wenn Pferd zieht) oder nachgeben (Wenn Pferd nicht zieht) Alleine Bellas Gutmütigkeit ist zu verdanken, dass sie nach einer Prüüma Korrektur ungebührlich vorwärtstretenden Verhaltens nicht rückwärtsfliegt und dabei ihre Besitzerin mit Finger und Arm voran durch den Eisenring zerrt. Nachdem die Große eine Zehntelsekunde das Gehüpfe und Gequieke nebst allerhand Getüddel über sich hat ergehen lassen, ist Sandra zufrieden. Der Schwierigkeitsgrad kann gesteigert werden.




Dementsprechend geht es für Bella auf ins nächste Level, nun wird zentrifugiert. Am Stallhalfter in der großen Halle natürlich, weil‘s so schön ist, und man da dem Tier so richtig mit Action hinterherfliegen kann. In gewohnter Manier schleift das Longenende auf der Erde, und das nicht ganz so longengewöhnte Untier kriegt die Füße nicht sortiert. Da aber die roten Haare wirklich hübsch im Fahrtwind flattern, ist es beinahe nicht erwähnenswert, dass auch das Shiretier nicht so richtig rund läuft. Hinten rechts knirscht es ein wenig im Getriebe (Und wenn jetzt jemand kommentiert, dass das bei einem Shire so muss, dann schrei ich. Müssen eigentlich nur Warblödler taktmäßig laufen? Für humpelnde Quarter, Traber, Araber und Gangpferde jeder Art habe ich schon die innovativsten Erklärungen gehört…)

Sandra ist mit dem Erfolg der Zentrifuge total zufrieden und freut sich einen Keks. Vielleicht ist ihr aber auch nur schwindelig. Nach der nächsten Maus wird es doch wohl nochmal Zeit, sich des eigentlichen Problems anzunehmen, hat der Wuschelfuß doch Füße, die aussehen, als hätte ein Rudel Ratten dran genagt. Sandra betont noch einmal, wie überaus unangenehm es wäre, eines der naturbelassenen Pfötchen in die Visage montiert zu kriegen und stellt sich deswegen rein präventiv mitten unter das große Pferd und hält ihre hübsche Haarpracht immer genau auf passender Schlagdistanz zu Bellas Hinterhuf während sie mit beiden Händen an letzterem zerrt. Da das Gezerre die große Schönheit irgendwann nervt, wackelt sie dann auch kurz mit dem Flunken nach hinten weg, um die rothaarige Unterbodenkontrolle abzuschütteln. Da das dank Zeitlupe und dramatischer Musik auch fast ein kleines bisschen gefährlich aussieht, wird die Übung auch lieber unterbrochen.

In der nächsten Einstellung hat sich eine Menge verändert. Bellas schöne Besitzerin Nadine hat sich bei Frau Prüümas Merchandising Produkten bedient und ein auf die beneidenswerte Figur geschossenes T-Shirt übergestreift, welches ein komplett verkehrter Schriftzug ziert; Bella hat inzwischen keine Mähne mehr, dafür aber Sommerekzem und wurde mit Regenschirmen, Poolnudeln und sonstigem Gerümpel beseiert, deswegen darf sie jetzt einen Westernsattel tragen. Sandra will den großen Humpel nämlich heute mal besteigen, hat sie sich gedacht, und Nadine soll live dabei sein. Dazu wird das auf ein Micklem Reithalfter gezäumtes Ritterross vom Bodenpersonal beidseitig an eine Aufstieghilfe ran geführt, von der aus Sandra sich über den Rücken der Schönen lehnt. Schließlich und endlich gleitet Frau Prüma elfengleich in den Sattel und weist ihr Helferlein an, Bella bloß stehenbleiben zu lassen, damit sie sich das mit dem Loslaufen nach dem Aufsteigen nicht angewöhnt. Damit Pferde reiten beim ersten Mal gleich toll finden schmeißt man im Übrigen die Zügel auf den Hals und kratzt an letzterem rum, so lässt uns die Chefbereiterin wissen, das finden Pferde nämlich Prüüüma. Als Bella vor lauter Verzückung doch noch losstolpert, hat Frau Prüma zwar weder Lenkung noch Bremse, kann aber dank natürlicher Reflexe des Pferdes durch eine Verlagerung des Eigengewichtes ganz einfach anhalten. Nadine zeigt sich an der Bande schier entzückt, ist doch ihr Kindheitstraum vom reitbaren Riesenross ein gutes Stückchen näher gerückt.

Weil das oben auf der Bella ja schon ganz vorzüglich funktioniert, wird nun ein erneuter Angriff von unten gestartet. Frau Prüma hat sich mit Raspel und Zange bewaffnet und rödelt fleißig am Vorderhuf drauflos. Egal wo, teilt sie uns mit, während ihr Langhaar in den Strahlfurchen baumelt. Da man Bellas Hinterpfoten inzwischen drei bis sieben Sekunden nach vorne oben unter den Bauch halten kann, kann Sandra nun endlich mit der Zange die eine Kante abknipsen, die ihr schon so lange ein Dorn im Auge ist. Unter Aufbietung ihrer gesammelten Muskelkraft gelingt ihr das schließlich auch und alle rasten mal wieder aus vor Freude.

Zum krönenden Abschluss sehen wir Sandra auf Bella mit irgendwem anders auf irgendeinem roten Ponackel zusammen einen Feldweg langtrotten. Da die arme Nadine den beiden auf Schusters Rappen folgen muss, erbarmt sich Sandra und räumt ihren Platz auf Bellas hohem Rücken. Nadine darf auch mal fühlen und findet die Aussicht von ihrem Hottemax schlichtweg genial, während sie hölpen im Schritt voreinander ruckelt. Das war’s dann auch mit Bella, Problem gelöst…

Moment mal, welches Problem? Bella konnte oder wollte keine Hufe geben, soweit so schick, aber das hat sie ja bei Frau Prüma auch nicht so richtig gelernt? Ansonsten war das ein supernettes, kreuzbraves simpel rohes Pferd ohne Flausen im Kopf, was diverse Möglichkeiten, Blödsinn zu machen, aus reiner Nächstenliebe nicht genutzt hat.

Womit wir mal wieder bei meinem erhobenen Zeigefinger währen: Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen!!!!! Gesichter gehören nicht in Schlagdistanz von Pferdefüßen, generell gehören Menschen nicht unter Pferde. Hinterhufe geben kann man im Übrigen vortrefflich mit einem Seil relativ gefahrlos üben, aber das ist fürs Fernsehen vermutlich zu martialisch…

Man longiert auch kein rohes Tier in einer großen Halle ohne Absperrung am Stallhalfter. Da übt ein weniger braver Kandidat nämlich gleich mal das Weglaufen und mit ein bisschen Pech noch den doppelten Rittberger mit Genickbruch.

Genauso wenig reicht es, beim ersten Aufsteigen ein Pferd ein bisschen am Hals zu kraulen und auf Gott zu vertrauen, damit alle vier Füße am Platz bleiben. Ein Ekzemer wie Bella freut sich sicherlich über die Kratzerei, wenn man Pech hat, kommt man aber gar nicht erst mit der Hand an den Widerrist, sondern findet sich kopfüber in der nächsten Hecke wieder. Zum Anreiten braucht man vernünftiges Bodenpersonal, das erstens weiß was es tut und zweitens eine Leine am Pferd hat, um dieses dirigieren zu können. Es ist nämlich definitiv nicht so, dass Pferde intuitiv auf Gewichtshilfen des Reiters reagieren.

Und zu guter Letzt: Ich hätte mir gewünscht, dass man Bellas Besitzerin anstelle einer Möglichkeit, ihr hübsches Gesichtchen im Fernsehen zu zeigen und ihr Pferd kostengünstig angeritten zu bekommen, alternativ ein Grundlagenseminar über Pferde im Allgemeinen spendiert. Wenn man es sechs Jahre lang nicht schafft, seinem Pferd irgendwas beizubringen, dann sollte man doch einfach keines haben. (Ja krass, man kann Pferde verkaufen…) Oder zumindest angemessenes Schmerzensgeld für die Aufholung der mangelnden Sorgfalt abbüßen. Ich kenne nämlich Frauen, die haben Jobs, Kinder und sogar auch noch Hunde und schaffen es, sich wie ein vernünftiger Pferdemensch aufzuführen…

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