Bei allen Anderen ist heute Valentinstag, bei mir ist Samstag…



Samstag ist Fäährdeprofitag, nach der Sendung ist vor der Sendung bzw. während der Sendung, heute gab’s eine Wiederholung ein Teil von letzter Woche fehlt aber noch. Das Volk wünscht Brot und Spiele, geben wir dem blutdurstigen Pöbel was, um die Mundwinkel hämisch nach oben verziehen zu können.

Wie immer handelt es sich beim vorliegenden Text um eine satirische und ironische Zusammenfassung eines sogenannten HELP-Formates. In der Hauptsache geht es mir darum, die Sendung als solches zu verballhornen, dass die Hauptdarsteller ab und an einen Seitenhieb abbekommen, ist nicht zu vermeiden. Allerdings liegt mir nichts ferner, als beiden so genannten Pferdeprofis im realen Leben ihre Fachkompetenz abzusprechen, beschreiben und damit auch beurteilen kann ich als absoluter Nicht-Fäährdeprofi aber nur das, was ich allwöchentlich auf der Mattscheibe präsentiert bekomme. Ich erhebe bei meinem Gedächtnisprotokoll keinen Anspruch auf Vollständigkeit, manch zu- oder weggedichtetes Detail ist einzig meinem löchrigen Gehirn geschuldet.

Der Tragödie zehnter Teil:
Das Lotta-Leben, oder: Warum Weide für Pferde schädlich ist.

Frau Prüma hat eine neue Patientin: Die mittelalte Warmblödlerin Lotta hat sich vor einiger Zeit aufgrund nicht näher definierter Umstände bei einem Unfall die Sehne angedötscht. Daraufhin wurde sie mit einigen pferdigen Kameraden ausgewildert und genoss ein Leben fernab jeglicher Zivilisation. Nach Willen von Lottas Besitzerin soll das nun der Vergangenheit angehören und Lotta wieder ein vernünftiges Reitpferd werden. Sandra will schauen, ob das klappen kann und deswegen fährt sie Lotta besuchen.
Im Einspieler erfahren wir, dass die blondgelockte Dorothea das Tierchen vor zwei Jahren als Familienpferd erwarb, was bedeutet, dass derzeit sechs Reiter (Dorothea nebst Mann und vier Kindern) untersatzlos und ungeduldig darauf warten, dass aus dem Weide- wieder ein Reitpferd wird. Sie betont aber, dass nicht alle zusammen darauf reiten (beruhigend, die Tante ist zwar lang, aber selbst wenn die sechs Personen alle so beneidenswert schlank sind wie Dorothea, wird das zu sechs etwas eng.)

Nach Ankunft von Sandra fragt letztere erstere zunächst nach dem Verwendungszweck der blöden Warmen. Ob sie Dressurpferd gewesen sei, also vor dem gelben Schein, ist die Frage. Dorothea beeilt sich, das zu verneinen, bei der Vorbesitzerin habe das Tier mal Dressur gehen müssen, bei ihr würde sie ausschließlich zu Freizeitzwecken genutzt. (Ich reite ja in meiner Freizeit auch Dressur, warum hat mich bitte bisher niemand darauf hingewiesen, dass sich beides kategorisch ausschliesst????) Dann wird die dicke braune Warmblöddame auch von der Koppel gepflückt und besitzt direkt die Freundlichkeit ihrer Besitzerin bei einem kleinen Abstecher zum Misthaufen einmal anständig auf den Fuß zu latschen. Laut klugem Kommentator tut sie das, weil sie in dem halben Weidejahr vergessen hat, wie man sich als ordentliches Pferd benimmt, Sandra sieht das anders. Sie hat Verständnis dafür, dass die Tante nicht gewillt ist, ihr Leben als Rasenmäher kampflos aufzugeben; hat die Lotta doch tatsächlich teilweise 24 Stunden am Tag auf der Weide gestanden, geradezu wie ein Wildpferd! (Schockschwerenot, das ist ein Ding!!!) Ganz klar, sieht man auch an der spitzen Lippe, die Lotta glaubt, ihr Schwein pfeift und zeigt uns rotzenfrech den Stinkehuf!!! (Gut, dass sich der Huf bei Pferden aus den Anlagen der mittleren Fingerknochen entwickelt hat, permanent die Kastanie zeigen zu müssen, wäre vermutlich selbst Lotta zu anstrengend)
Damit die Arbeit am Pferd nicht ganz so gefährlich ist, legt Sandra der Lotta ein Dually-Halfter an. Das ist besser als ein Stallhalfter, weil es Druck aufs Nasenbein erzeugt (Stallhalfter liegen wo? Ach ja, an der Stirn ich Dummerchen…) und im Gegensatz zur Trense bei einem ordentlichen Ruck dem sensiblen Pferdemäulchen keine Schmerzen zufügt. Generell sei das Führen von Pferden mit Stallhalfter und Strick (vor allem solchen mit Panikhaken) deutliche abzulehnen, damit könne man 600 kg Pferd wohl kaum halten, wenn die mal losgehen (Ich halte übrigens meistens mit Halfter und Strick ganz gut, keine Frage der Kraft, sondern der Technik, bei den Panikhaken gebe ich allerdings vollkommen Recht…) Auf dem Reitplatz wird dann sogleich einmal das Führen geübt, back to the roots. Am Dually-Halfter befindet sich inzwischen ein langes Seil und an den Prümaschen Händen Handschuhe (Hui, ich bin baff erstaunt) Durch das Laufen von lustigen Schlangenlinien erkennt Sandra, dass Lotta durch die ganze Wiesensteherei furchtbar steif im Hals geworden ist, sie kann ihn kaum nach links und rechts bewegen! (Könnte es nicht sein, dass sie das einfach nicht will…?)
Nachdem das mit dem Führen auf dem Reitplatz noch nicht richtig klappt, geht es zur besseren Übung erst mal in den Wald. Lotta läuft, wohin sie will, als sie stehen bleiben soll, umkreiselt sie Frau Prüma wie ein Satellit die Erde. Das wird zunächst tapfer weggelächelt, dann gibt es aber doch einen kleinen Klaps mit dem Strickende vor den Lotta-Latz. Ruck-Zuck entsinnt sich die gute Stute ihrer Kinderstube und steht wie eine Marmorstatue. Damit kann der Staffelstab, pardon, das Seil an Dorothea übergeben werden. Auch die rast ein paarmal auf dem Waldweg hin und her, die Führigkeit ist wiederhergestellt. Da sich die Festigkeit im Hals aber noch nicht verflüchtigt hat und ein Waldspaziergang ja auch noch kein Reitpferd macht, wird erstmal aus dem Schneiderschen Profinetzwerk die Physiotherapeutin aktiviert. Die lässt sich das Lotterlieschen einmal vortraben um sich einen Gesamteindruck zu verschaffen. Nach zehn Metern Gewzwockel fragt Frau Prüüma ob sie etwas gesehen habe, Frau Physio verneint das prompt, also sie habe schon etwas gesehen, also normalen Trab, aber keine Lahmheit. Beruhigend, wäre das Pferd noch lahm, müsse man schließlich woanders ansetzen als ohne Gehumpel. Frau Physio empfiehlt, die blöde Warme anzupflocken, den Job übernimmt Sandra höchstprofessionell (Schön frontal mit Ein-Meter-Seil am Holm, damit mal etwas Bewegung in das Trauerspiel kommt, sollte Lottas Kopf unters Strick geraten…). Frau Physio findet Lotta zu fett, den Rücken zu unbemuskelt und den Hals ganz falsch bemuskelt, also oben zu wenig und unten zu viel. Alles bekannte Risiken und Nebenwirkung von Weideaufenthalten. Um sämtliche Symptome der nachhaltigen Faulheit in den Griff zu kriegen, wird das nahegelegene Rehazentrum mit Aquatrainer empfohlen.




Dementsprechend wird die dicke Puntz genau dahin verschifft und vom fachkundigen Personal (Feiglinge, tragen nur fürs Führen Schutzkleidung!!!) ans fröhliche Wassertreten gewöhnt. Frau Prüma hat keine Zeit, händchen zu halten, das übernimmt aber Frau Physio. Alles läuft glatt, Lotta tritt Wasser, Dorothea ist begeistert, macht das Tier doch im Gelände gerne große Bögen um selbst kleinste Wasserpfützen.

Diverse Wochen später ist das Wasser bis zum Karpalgelenk gestiegen und die Laufbandgeschwindigkeit bis zum traben gesteigert. Das bedeutet für Sandra, dass nun das Heimtraining für den Patienten auch eine Schwierigkeitsstufe höher gestellt werden kann. Dorothea soll mit ihrer Lotta durch den Wald joggen. Dorothea ist schwer bemüht, Lotta hat aber keinen Bock auf Ausdauersport. Deswegen übernimmt Sandra das wilde Pferd und zwigt, dass man mit leichtem Seilgeklatsche um den Führenden herum mit Trefferfläche hinter der gedachten Mittellinie des faulen Pferdes selbiges zu flotterem Tempo ermuntern kann. Den Trick guckt sich Dorothea ab und somit joggt sie bald mit ihrer Lotta durch den Busch. Gut für die Figur.

Weil ein Pferd ohne Reiter immer noch ein Pferd, ein Reiter ohne Pferd aber einfach nur ein Fußgänger ist, beschließt Sandra alsbald, das Lotta nun wieder erklommen werden soll, damit Dorothea nicht Fußgänger bleibt und vielleicht in Zukunft auch wieder ohne Pferd joggen kann.

Nach einem dreiviertel Jahr Reitabstinenz sollte die Erstbesteigung aber unbedingt von einem Profi vorgenommen werden, es soll ja Pferde geben, die sind so hohl, dass sie die einfachsten Sachen einfach so vergessen! Der Profi ist ja Gottseidank vor Ort und hat sogar einen Helm auf (PRÜÜÜMA). Um dem Ganzen eine gewisse Brisanz zu verleihen, steigt man allerdings mitten in Mutter Natur (Reithallen sind ja für Anfänger) und ohne Hilfsperson am Kopf des Pferdes nach einigen Versuchen auf. Danach wird eine unsichere Runde im Schritt gedreht, das soll es dann aber auch gewesen sein. Prüüma, brav, super gemacht.
Weil Lotta aber nicht Sandras sondern Dorotheas Reitpferd ist, muss letztere ja auch noch druff. Das passiert in der Reithalle, die laut Frau Schneider zwar schön ist, weil sie recht offen ist, aber ein Dach hat (eine gute Eigenschaft von Reithallen, wie ich finde) aber durch die extrem hohe Bande dazu führt, dass Lotta zwar alles hört, aber nix sieht.
Nachdem Dorothea beim ersten Aufsteigen mit ihrem rechten Fuß hinter dem Sattel eine deutliche Hilfe zum loslaufen gegeben hat, reagiert Lottilein prompt. Das findet Sandra doof, so ein Pferd hat gefälligst zu warten, bis sich auch der Ungelenkeste in den Sitz gequält hat. Also auf ein neues, Dorothea landet erneut einen Treffer, Lotta hat aber ein Einsehen und bleibt artig stehen. Damit kann es losgehen, Dorothea findet Lotta etwas angespannt und ist selbiges dementsprechend auch. Trotzdem zuckeln beide artig ihre Runden um Frau Prüma. Die würde sich wünschen, dass die Reiterin dem Pferd noch mehr Sicherheit vermittelt(das verrät sie aber nur der Kamera und nicht Dorothea), aber wir sind ja hier nicht bei Wünsch dir Was, sondern bei den Fäährdeprofies.

Einen Tag später soll auch die Tochter des Hauses ihre Lotta wieder als reitbaren Untersatz erklimmen (Die kriegt zusätzlich zu mHelm übrigens noch eine Sicherheitsweste verpasst. Gut so!!!!). Das Kind ist entspannt und grinst im Kreis, Lotta zieht brav ihre Bahnen auf dem Reitplatz. Auch als die Pferde auf dem benachbarten Paddock eine Runde durchdrehen, bleibt Lotta gelassen, sie ist sich ihrer wertvollen Fracht bewusst. Sandra freut sich wieder mal in bester Grinsekeksmanier, sieht man doch deutlich, dass es für ein braves Pferd nichts anderes benötigt, als einen Reiter mit positiver Grundeinstellung. Deswegen lässt sie Das Kind ihre Lotte auch einen Gang höher schalten. Ein erneuter Ausbruch eklatanter Freude, das prümasche Gesicht mäandert zwischen höchster Ekstase und himmlischer Verzückung, weil Lotta in ‚total entspannter Haltung‘ mit der Nase im Sand durch die Gegend schlurft (Ich hätte vielleicht gesagt: auf der Vorhand, aber ich bin auch anders, das weiß ich jetzt ja GottseiDank…).
Ende der Geschichte, alle sind glücklich, vor allem Frau Prüma, weil Lotta brav ist und keine Sehnenprobleme mehr hat. Dorothea und Großfamilie, weil sie nicht mehr Fußgänger sein müssen, Lotta, weil sie trotz Trainings- und Rehaprogramm sogar noch fetter geworden ist und kein Gramm Muskeln zulegen musste.

Was haben wir heute gelernt?
Frau Prüma und ihre Physio haben einen absolut totsicheren Röntgen und Ultraschallblick. Ich glaube, ich spar mir demnächst diese unsittlich teuren Veterinärmediziner mit ihren Teufelsgeräten, fünf Meter Trab vor Frau Physios Augen und ein bisschen Training mit Sandra, dann kann ich mir sicher sein, ob mein Pferd geheilt ist, oder nicht. (Apropos, ich hätte da noch einen Fesselträgerursprung, da ist nächste Woche Nachkontrolltermin, vielleicht frag ich mal an, ob sie Zeit hat…)
Außerdem habe ich gelernt, dass ich dumm bin. Also ich meine wirklich dumm. Stellt euch drauf ein, liebe Freunde, die ihr mich auch im realen Leben kennt, ab heute gibt’s bei mir nichts mehr umsonst. Mal eben auf einen draufsetzen? Einen Tip für einen guten Tierarzt, Osteo, Physio? Meinung zur Ausrüstung, Reiterei, Fütterung, Haltung, Umgang?
Gibt’s ab heute nicht mehr zum Nulltarif! Wenn ich mein gewaltiges Amateurnetzwerk anwerfe, dann kostet euch das was, für einen schlechten Rat ne Flasche Bier, für einen Guten eine ganze Kist und für einen richtig guten Hinweis hätt ich gerne eine Flasche Champagner.
Da haben dann alle was von, ich bin permanent blau, ihr habt einen Rat und mein Netzwerk mehr zahlende Kunden. Denn wenn das der Job eines Pferdeprofis ist, dann wechsel ich den Beruf, da stellt euch schon mal drauf ein!

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