Dann wollen wir mal…



…Weiterlästern.

Am letzten Samstag gab es ja noch einen zweiten Fall, ebenfalls SPEKTAKULÄÄÄR und höchstschwierig, nur von einem ausgemachten Fäährdeprofie zu therapieren.
Aus alter Gewohnheit und damit es auch wirklich jeder versteht (Ich schließe aus Kommentaren wie ’machs doch selber besser‘ inzwischen einfach nur noch, dass nicht bis zur fünften Zeile gelesen wurde; auch nicht schlimm, meine Texte sind sowieso furchtbar lang und verschachtelt.)
Vorab:
Ich weiß, dass es sich bei den ‚Pferdeprofis‘ um eine Fernsehsendung handelt. Garantiert und zu hundertsiebenundfünfzigprozentig kann ich nicht ausschließen und will dieses auch gar nicht, dass die beiden in der Sendung dargestellten Pferdetrainer, Therapeuten, Gurus oder wie auch immer man sie schimpfen mag, im echten Leben wirklich viel am und mit dem Pferd zustande bringen. Bestimmt sind beides echte Horse(wo)men, die auf ihrem jeweiligen Sektor eine hohe Reputation genießen (Und wie ich inzwischen persönlich erfahren durfte, einige frenetische Fans haben, die +mit harten Bandagen für sie kämpfen).
Mit Verlaub – das ist mir Wurst. Samstagabends auf VOX kommen sie durch Drehbuch, Schnitt und Regie nämlich für mich (KEIN Pferdeprofi, lupenreinster Amateur mit mittelmäßigem Erfolg) rüber wie selbstmörderisch veranlagte Stümper, denen man allenfalls noch ein Etikett mit der Aufschrift ‚Stuntman‘ ans Revers heften möchte, das würde zumindest einige der gezeigten Aktionen erklären. Es ist mir ein Anliegen, das Gezeigte in meinen Worten als Gedächtnisprotokoll wiederzugeben, ich lasse weg, ich füge zu, ich forme um, ich überspitze und ich dramatisiere. Die unten zu lesenden Worte sind meine rein subjektive Wahrnehmung der samstäglichen Sendereihe und Wahrnehmung ist nun mal bekanntlich bei jedem menschlichen Wesen verschieden und hat dementsprechend nicht den geringsten Anspruch auf irgendeine Form von Wahrheit. Ebenfalls möchte ich keinesfalls Diskussionen über Pferdefreundlichkeit der verschiedenen Reitweisen anstoßen bzw. eine Wertung derselbigen vornehmen. Ich beschreibe, was ich sehe, nicht mehr und nicht weniger
Wer meine Meinung teilt möge applaudieren, wer anderer Meinung ist, möge das ebenfalls sehr gerne kundtun und wer Rechtschreib- und Grammatikfehler findet, darf diese nach wie vor gerne behalten.
Das wäre geklärt, dann legen wir mal los:
Der Tragödie Minus zweiter Teil (Wiederholungsfolge von 2013, da tue ich mich schwer, fortlaufende Nummern zu vergeben)
Shelby, das Monster-Pony mit dem Kreislaufproblem
Frau Prüma ist mal wieder im Auftrag der Pferdetherapie unterwegs; heute erwartet sie ein ganz besonderer Fall. Zwei überaus sympathisch wirkende Brünette im besten Alter haben sich vor einiger Zeit vermutlich aus übersteigertem Helfersyndrom (das Tier war bestimmt verhungert oder sollte zum Schlachter, etc.) oder gnadenloser Selbstüberschätzung oder einfach nur Dusseligkeit ein junges Pony aufschwatzen lassen. Shelby heißt das struppige Braunvieh mit Charakterkopf, dass schon aus der Box derart listig unter dem dicken Schopf hervorlugt, dass dem kundigen Zuschauer bereits übles schwant. Richtig genug, der kluge Sprecher klärt uns darüber auf, dass Shelby nach Ankunft in ihrem neuen Zuhause erst mal das Traumpony verkörperte, dass sich ihre Besitzerin Marliese gewünscht hatte, aber bereits nach kurzer Zeit von Dr. Jekyll zu Mrs. Hyde mutierte. Die meisten Sachen, die man sich so von einem gemeinen Pony wünscht würde selbiges auch zur allgemeinen Zufriedenheit erledigen, aber wenn es ans longieren geht(Pferd an langer Leine im Kreis um sich rumjagen, nur für die fachfremden), mutiert Shelby vom braven Zwockel zum absoluten Untier. Ebenso sind Spaziergänge in die nähere und fernere Umgebung der Reitanlage zur Zerreissprobe für die Nerven der Shelby-mutti und des zwischen ihr und ihrem Pony gespannten Strickes geworden, weil das kleine Fusseltier dazu neigt, bei Verlassen des Hofes ein wenig durchzudrehen.
Wie gut das es die Sandra gibt, die kommt nämlich vorbei und guckt sich das Elend persönlich an. Angsterfüllt fragt Fussel-Mutti ob sie ihr Pony denn an der Longe präsentieren soll, Sandra bejaht das selbstverständlich, denn sonst können weder sie noch wir Zuschauer uns ein Bild von der spontanen Punktmutation des braunen Mopseponies zum wildesten Mustang diesseits des Weisswurstäquators machen.
Gestagt getan, die Besitzerin stiefelt todesmutig, aber, wie uns ihre Körperhaltung und das zementierte Grinsen verraten, schon relativ nah am mentalen Zusammenbruch im Anbetracht der nun nahenden Aufgabe mit dem dicken Fussel auf eine Art großen Reitplatz, auf dem allerhand Büsche, Bäume, Grasinseln und Bodenarbeitsgedöns die Weitläufigkeit des Geläufes brechen. Bewaffnet mit dem bereits obligatorischen Knotenhalfter (Ich weiß es ja nicht genau (Ich Amateur), ich besitze sowas ja auch, aber hinten im Schrank für die ganz hartnäckigen Kandidaten. So als Patentlösung für alles incl. Longieren und Reiten tu ich mich ja minimal schwer…) und einer handelsüblichen Schweppe tut die Fusselbesitzerin Marliese auch ihr bestes um das bauchbetonte Pony von sich weg und eben in der Runde zu jagen. Das Pony hustet seiner Jägerin und deren Peitsche aber nicht nur was, sondern denkt sich anscheinend: „Angriff ist die beste Verteidigung“ und geht frontal auf die Tante mit der Longe los. Ansteigen, Ohren in den Nacken, Zähnefletschen, das ganze Programm eben, was auch früher die Zweibeiner schon so nett beeindruckt hatte, dass diese sich endlich dazu bequemten, sie wieder in ihren Stall zum Futter zu lassen. Auch heute denkt Shelby, dass sie mit ihrem wehrhaften Betragen Erfolg gehabt zu haben, den Sandra unterbricht das ganze Gewese, bevor hier noch jemand ernsthaften Schaden nimmt.
Sie analysiert eiskalt, das Shelby ein Dominanzproblem hat, denn der Fussel bewegt den Zweibeiner. In der Pferdewelt sei es ja so, dass der Ranghöhere den Rangniedrigen bewegt. Gut; mir hätten die gebleckten gelben Ponybeisserchen unter Umständen als Dominanzproblemindikator gereicht, aber schön, dass wir auch über bewegende und bewegte Pferde gesprochen haben, Frau Prüma.
Um die Kette der Unterwerfung zu durchbrechen nimmt Sandra die Sache bzw. Longe nun selber in die Hand. Aber nur in die linke, die rechte braucht sie für die mitgebrachte Geheimwaffe: Der selbstgemachte, mit handelsüblichen Plastik-(Pfui, geht das nicht mit Umweltbeuteln..?)tüten eines Kleidungsdiscounters und einer großen Supermarktkette(was die wohl für diese Werbung lockermachen, hmmm?) bestückte, ominöse, großartige, lebensrettende TÜTENSTOCK!
Wie der immer noch sehr kluge Sprecher uns sogleich erzählt ist der Tütenstock per se der größte natürliche Feind des Pferdes und alle Vertreter der Gattung Equus haben einen Heidenrespekt davor. Hmm. Ich kenne den Tütenstock als Raschelpeitsche, gerne eingesetzt um Pferden zu effektvollerem Anheben ihrer Beinchen zu verhelfen, davor weggerannt ist bei uns aber noch keiner, könnte daran liegen, dass Tüten oft Brötchen enthalten…
Egal, Sandra nimmt den KIKDEKA-Patent-Prügel und haut damit wahnewild in Fusselshelbys Richtung. Die merkt gleich, dass der neue Zweibeiner am Longenende irgendwie entschlossener wirkt, als die vorandgegangenen Exemplare und lässt die Nummer mit dem Wildpony lieber sein. Alternativ sucht sie ihr Heil in der Flucht und schleift Frau Prüüma ganz prüüma über den großen Platz. Das interessiert Sandra aber herzlich wenig, sie holt den Fussel ein und schafft es mit (O-Ton Sprecher) „mit viel Tütenstockeinsatz nach fast einer Stunde.“ (Wow, eine Stunde Longenarbeit mit nem 3,5-jährigen, wenn das PETA sieht…) das Rüpelpony in der Runde laufen zu lassen. Da das aber die Profiversion vom Tütenscheuchen ist, und das auch auf Amateure übertragen werden soll, muss die arme Marliese das Heft respektive die Longe wieder in die Hand nehmen. Nach drei Runden GEDEKAraschel hat das Fusseltier sofort wieder spitz, dass der bekannte Leckerlispender wieder die Hand am Ruder hat und zieht Leine und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Da ihr der dusselige Kameramann von VOX dabei im Weg steht, gibt es auch noch spektakuläre Fluchtponyaufnahmen für den dramatischen Anstrich der Sendung. Das Pony ist weg, alle anderen Beteiligten verfallen in hysterische Lachanfälle. Sandra erklärt, dass man das Pony damit nicht durchkommen lassen kann und drückt der überforderten Marliese noch mal in die Hand. Diesmal ist das dicke Pony noch eine Idee gewitzter und spielt mit ihrer Sacköffnerin Verstecken hinter zwei gemeinerweise auf dem Reitplatz aufgebauten Pollern. Das Ergebnis ist wiederum das gleiche: Pony rennt, Longe fliegt hinterher. Jetzt sieht selbst die optimistischste Frau Prüüma ein, dass es so nicht ganz viel Sinn hat, übernimmt zum Schluss noch einmal Longe und Tütenstock für zwei Runden kunstvolles Gejage und erklärt den Aufmerksamen Schülern, dass sie die ganze Aktion bitte nicht ohne die fachkundigen Augen eines Profis zuhause üben sollen, weil wegen gefährlich und so.
Deswegen will Sandra aber wieder kommen. Zwei Wochen später zieht der Profi härterte Bandagen an: Der am shclechtesten angepasste Kappzaum der Welt wird auf das Pony geschnallt und nebst selbigem in das Round-Pen verfrachtet. Da kann das Pony nicht weg und hat als positiven Nebeneffekt auch kein Halfter mehr im Auge, wenn es das wegrennen doch noch mal eine Option im flusigen Ponyhirn sein sollte. Da das Pony laut Sandra durch die Tüten voll viel Energie aufnimmt, steht sie selber in der Mitte des Zirkels mit dem Elan eines durchschnittlichen toten Fisches. Als sie versucht das Tierchen ohne tüten in der Runde zu schicken, will Shelby sich einen Moment entspannen, das ist ihr aber nicht vergönnt. Die kurze Ruhepause wird als Ignoranz und Boshaftigkeit gedeutet und Sandra diagnostiziert die unabdingbare Anwesenheit des raschelnden Helferleins.
Daraufhin werden Tütenfreund und lila Leine an Marliese übergeben, die im Roundpen und mit Kappzaum tatsächlich in der Lage ist, dem Mopsefussel ein paar Runden müden Trabens zu entlocken. Auch ein Handwechsel klappt, trotz wildester Regieanweisung von Tante Prüüma („Nimm die Hand über den Kopf, nicht Rascheln, blockier sie“) sogar einfach mal so aus dem Trab. Der helle Wahnsinn, alle grinsen im Kreis, das Mopsepony achtet tatsächlich auch mal auf die Gesundheit von allen anderen Anwesenden!
Aber was ein echter Pferdeprofi ist, begnügt sich nicht mit der Kreisrennerei im eingezäunten Zirkel! Das Tier gehört ausgewildert und durchs Dorf geschlört. Der erste entgegenkommende Trecker löst noch leichte Fluchtinstinkte aus, die aber ganz entspannt weggelächelt werden, der Rest der Hauptstraße wird aber unfallfrei gemeistert. Also setzen wir noch einen drauf und zeigen der Menschheit mal, wie es richtig geht mit der Longiererei in der freien Prärie:
Man nehme ein Pony an der Longe, eine Peitsche und mache alles Falsch, was die alten Meister in mühevoller und jahrelanger Schreibarbeit mit Tinte und Feder so ausgearbeitet haben.
Merke gut!!!!:
1. Nimm bloß nicht die Longe ordentlich auf, es ist vollkommen legitim, die Leine um deine Füße schlören zu lassen. Dein Leben ist im Vergleich zu dem von deinem Muränenpony eh nur ein Fliegenschiss.
2. Schaff dir bitte bitte keine vernünftige Ausrüstung an. Sachen wie Kappzäume (inzwischen wieder ersetzt durch ein Monty-Roberts-Halfter), Trensen, Ausbinder und Longiergurte sind von der Pferdequälermafia erfunden worden, FINGER WEG!
3. Versuch bloß nicht, dem Vieh vernünftige Kommandos beizubringen, alle drei Runden ein PRÜÜMAA reicht vollkommen
4. Wenn das fette Pony doch noch mal auf dich losgeht, fuchtel wild mit deiner Peitsche rum und lass es einfach in die Richtung rennen, in die es gerade will.
5. Wenn du nicht mehr weiter weißt, nimm den Tütenstock; natürlicher Feind und so; weisste jetzt ja…
6. Longiert, vor allem auch am Anfang, wird gerade mit jungen Pferden bitte nicht in geschlossenen Räumlichkeiten. Die lernen ja sonst das Weglaufen gar nicht und Frau Prüüma ist arbeitslos!!!

Da Marliese diese sechs epischen Punkte des erfolgreichen Longierens jetzt kennt, darf sie ihr Fusseltier auch noch mal drei Runden im Kreis laufen lassen und alles ist in Butter. Das freut alle Beteiligten und natürlich uns Zuschauer außerordentlich!
Wenn ich noch etwas anmerken dürfte…: Sollten die Ponybesitzerinnen jemals in Erwägung ziehen, dieses dicke braune Wildbahnpony reiten zu wollen, BITTTE!!!!! Sucht euch Hilfe; und zwar kompetente! Wer es schafft, dass ein Tier an der Longe derart aggressiv auf Menschen losgeht, der sollte eigentlich gar kein junges Pferd halten dürfen, aber in diesem Fall ist dieses Kind ja schon mal in den Brunnen gefallen. Sollten die Leckerlispender aber tatsächlich versuchen, sich eigenständig auf den Rücken des Fussels zu schwingen, empfehle ich für diesen Tag im nächstgelegenen Krankenhaus jetzt schon mal eine Verstärkung der Chirurgenbereitschaft…
Wenn sie möchten, können sie ja auch gerne Frau Prüüma und VOX wieder rufen, ist vielleicht ein bisschen unkonventionell und dauert minimal länger als anderer Beritt, dafür hat man aber eine Menge Unterhaltung. Alternativ wäre da ja noch der Zöpfchenbernd, der macht aus dem bissigen Pony bestimmt einen feinen Kälbchenbeißer. Meinem fünf Jahre jüngeren Ego hätte die kleine Kanalratte auch eine Menge Freude bereitet, aber aus diesem Alter bin ich raus. Inzwischen schreibe ich lieber gemeine Dinge über die Leute, die sich mit so einem Bullshit ins Fernsehen trauen…
Frau Prüüma würde ich einen Longierlehrgang empfehlen, auch ein Profi lernt schließlich nie aus, und wenn man etwas beibringen will, sollte man es vielleicht vorher selber können.
Ansonsten träum ich jetzt weiter von freilebenden Tütenstöcken, die in losen Herdenverbänden auf der Suche nach Wildponies locker über die Weiten der Prärie traben… Hachja…

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