Der Gangpferdreiter



The show must go on…

… Pferdeprofis an der Bande proudly present…
… Der Gangpferdereiter…

Gangpferdereiter sind ein recht wildes Volk. Ihre reiterischen Wurzeln finden sie in der Mehrheit im hohen Norden, genauer gesagt auf der Insel Island. Dort werden seit Jahrhunderten keine Pferde Im- oder Exportiert, deswegen hat sich da nach bester Darwinscher Evolutionsbiologie eine widerstandsfähige kleine Tierart entwickelt, die sich zur Abhebung von den gemeinen Pferderassen noch ein bis zwei zusätzliche Gangarten zugelegt hat.
Da diese Tiere durch den dauerhaften Windzug auf der klimatisch recht rauhen Insel ziemlich kleinwüchsig sind, die Menschen in diesem Punkt der Evolution durch wettergeschützte Behausungen aber trotzen konnten, ist es in der Gangpferdereiterei aus Tradition vollkommen legitim, ja sogar opportun, dass riesengroße Menschen auf winzig kleinen Ponys Platz nehmen.
Das fällt aber gar nicht so wahnsinnig auf, da die Gangpferde oder –Ponys an sich zur Ausübung ihrer zusätzlichen Gänge gerne den Kopf inklusive anhängigem Hals so hoch tragen, dass es bei schlechtem Wetter in die Nüstern regnet. Außerdem bewegen sie ihre Beine so schnell, dass es im Seitenbild gar nicht auffällt, dass die Füße des Reiters obenauf sich in der Gegend des pferdischen Karpalgelenks bewegen. Neben den langweiligen Grundgangarten, also Schritt, Trab und Galopp, beherrschen Gangpferde noch eine Menge weiterer lustiger Fortbewegungsmöglichkeiten. Zunächst wäre da der Tölt zu nennen, eine Art Schritt, der in derart affenartiger Geschwindigkeit ausgeführt wird, dass der Betrachter Angst bekommt, dass das Gangpferd einen Knoten in die kurzen Beinchen bekommt.
Anders als alle anderen Pferde darf das Gangpferd durchaus auch Pass gehen, jene Kamelartige Gangart, bei der jeder Dressurreiter seinen Blick verschämt abwendet. Im Gangpferdebereich wird das Passgehen noch auf die Spitze getrieben und sogar in Rennen gegeneinander ausgetragen.
Vom Gangpferd existieren weltweit diverse Abwandlungen, die aber nicht auf Island erfunden wurden, sondern in andern Ländern dieser Erde. In Quasi jeder Ecke der Welt hat sich unter unseren Vorvätern jemand befunden, dem das Überwinden von Langstrecken zu Pferde in den Grundgangarten sehr mühselig und nerven- sowie allerwertestenaufreibend fand. Deswegen wurden in Südamerika die Mangalarga Marchadors und die Paso Peruanos, in Nordamerika die Tennesee Walker, die Saddlebreds und noch andere Ausführungen in unaussprechlichen Namensgebungen und in Europa zusätzlich zum obligatorischen Isi die töltenden Traber gezüchtet. Diese können in mannigfaltigen Varianten tölt- oder passähnlich ihre Beinchen schmeißen und sorgen so für einen hämorrhoidenfreundlichen Sitz des Reiters. Früher einmal gab es in hiesigen westlichen Breiten auch Zelter, die sind aber vermutlich aufgrund ihres dämlichen Rassenamens ausgestorben.




Ein schlauer Europäer ist durch den Blick in den Spiegel auf die Idee gekommen, die größeren südamerikanischen Gangpferde mit den kleineren nordeuropäischen Gangkleinpferden zu kreuzen. Heraus kam der osgennante Leonberger, nein falsch, Aegidienberger, der aufgrund seiner Eigenschaften als Hybrid zwar nicht immer zusätzliche Gänge parat hat, aber in der Weiterzucht eine lustige Wundertüte an Große Form und Farbe.
Gangpferdereiter können sich mit Ihresgleichen auf vielerlei Wettkämpfen messen, hierzulande besonders eingeschworen zeigt sich aufgrund räumlicher Nähe die Liga derer, die auf isländischen Tieren durch die Gegend rasen. Diese treffen sich allwochenendlich bewaffnet mit einer Menge Pferde, Elektrozaun zum Abstecken von Paddocks und einer guten Prise Humor um sich in vielerlei Prüfungsarten mit der Konkurrenz zu vergleichen.
Isländer werden im Allgemeinen im Alter von vier bis fünf Jahren angeritten und an die wartenden Aufgaben herangeführt. Im Ausgleich zu diesem späten Arbeitsbeginn werden sie recht alt und hängen ihren Besitzern oft bis zu einem Alter weit jenseits der zwanzig Lenze auf der Tasche. Wenn ein Isländer schließlich unter dem Gangpferdesattel einen zusätzlichen Gang zeigt, ist er schon nicht schlecht, aber nur als Fünfgänger wird ein echtes Prestigeobjekt aus ihm. Aber auch, wenn der Isi mit drei Gängen nicht mehr mitbringt als ein gewöhnliches Pony, ist er immer noch ein Gangpferd und darf auch an den artspezifischen Turnieren teilnehmen. Isländer erkennt man nämlich immer an der Mähne, entweder selbige fällt in einem wilden Haarwust links und rechts am Hals herunter, oder sie ist nicht vorhanden, weil der Mähnenträger unter starkem Sommerekzem leidet.
Der Stammbaum von Islandpferden reicht naturgemäß bis auf die Insel und bis ins drölfte Jahrhundert, sie tragen zudem unaussprechliche Namen wie Alfaðir frá Efri-Þverá oder Eyjafjallajökull oder auch IchHabKeineAhnungWasDasHeißenSoll.
Wenn der Gangpferdereiter nicht auf Turnieren reitet, schrubbt er im Allgemeinen mit seinem reitbaren Untersatz durchs Gelände. Viele Vertreter der anderen Reitweisen munkeln, er würde das am liebsten in den Zusatzgangarten und auf Pflaster tun, damit die Pferde der Vertreter der anderen Reitweisen, an denen sie vorbeittölpasswalken, durchdrehen, und deren Besitzer als absolute Volldeppen bloßgestellt werden. Andere böse Zungen behaupten, die pferdischen Vertreter dieser Reitweise seien durch den hohen Kopf und den auf die Nierenpartie des Reittieres geschnallten Sattel quasi unlenk- und bremsbar. Diese Theorie erhält in ihren Augen Nahrung dadurch, dass dich der gemeine Islandpferdereiter selten in einer normalen Reitbahn aufhält, sondern seine Version des bereitbaren Grundes die Form eines Ovales mit 200 bzw. 250 Metern Länge einnimmt. Hier wird dann Rund um Runde getöltet und gepasst, dass es eine wahre Freude ist.
Islandpferdereiter sind im Gegensatz zu ihren vierbeinigen Untersätzen häufig im traditionellen festländischen Schwarz-Weißen Turnieroutfit anzutreffen. Ihre Pferde sind manchmal auch schwarzweiß, jedoch auch braun, fuchsig, blond oder auch in der Farbe des Windes und wildesten Kombinationen der ganzen Varianten anzutreffen.
Islandpferdereiter tragen in der weiblichen Variante gerne langes Langhaar im Pferdeschwanz, in der männlichen Variante gerne Bart, um ihre mentale Zugehörigkeit zum Ursprungsland ihres Pferdes zu Unterstreichen. Die Besitzer von Vertretern anderer Gangpferderassen gewanden sich am liebsten in landes- und artentypische Kostüme um Solidarität mit ihrem Vierbeiner zu bekunden. Lediglich den Besitzern von töltenden Trabern bleibt nichts anderes übrig, als sich nach eigenem Gusto zu kleiden, weil ihre reitbaren Untersätze eigentlich keine Gang- sondern Rennpferde werden sollten und deswegen auf keine große Tradition verweisen können.
Gangpferdereiter verbleiben recht gerne unter Ihresgleichen.
Dann lästern sie gerne, über andere Gangpferdereiter , andere Reiter im Allgemeinen oder auch über die Welt an sich. Allerdings behaupten sie stets, sie würden nicht lästern, sondern lediglich etwas feststellen.

Was sie feststellen? –Richtig, das allein Gangpferdereiten etwas taugt, und alle anderen Reitweisen definitiv schädlich, dumm und höchst verwerflich sind.

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