Der Tragödie drölfter Teil



VOX hat es doch tatsächlich geschafft, mich ein wenig zu schocken. Gestern nach unser aller Lieblingssendung kam die Ankündigung für nächsten Samstag: 19:05: Drei Tierengel für Schaalie, oder so ähnlich. Wie jetzt, keine Fäährdeproofies mehr? Der Sinn meines virtuellen Daseins ist vorbei? Vorerst sieht es zumindest so aus.
Es bleibt bei mir ein lachendes und ein weinendes Auge. Traurig bin ich ein wenig, weil die Sendung in letzter Zeit tatsächlich nicht schlimmer wurde, sondern sogar einige Tipps parat hatte, deren Umetzung Lieschen Müller von nebenan nicht nur nicht das Leben kosten kann, sondern im Umgang mit ihrem Zampel zu Hause das Leben sogar erleichtern könnte.
Glücklich bin ich, weil dieses sogenannte Help- Format bislang einer großen Anzahl ihrer Therapiepatienten nicht so wahnsinnig geholfen hat (selbstverständlich meiner sehr subjektiven Meinung nach) und so viel Schwachsinn über die Pferdewelt verbreitet hat, dass es eigentlich wirklich gut ist, dass diese Anleitung zum pferdetherapeutischen Selbstmord nicht mehr über den Äther flimmert…
Man hört allerdings aus gut unterrichteten Kreisen, dass neue Folgen der Säärie in der Mache sind. Nun gut, lassen wir uns überraschen.

Das Vorab kennt ihr schon:
Sandra und Bernd kenn ich nicht persönlich, ich weiß nicht wie sie arbeiten und kann es bestimmt nicht besser. Zuhause machen sie bestimmt einen tollen Job, im Fernsehen sieht das für mich Laien im Pferdetherapiebereich irgendwie anders aus. Kann (und wird hoffentlich) alles an Drehbuch, Schnitt und Regie liegen. Ich finds gelinde gesagt semioptimal, wie die gesamte Pferdebranche hier dargestellt wird und halte es für mein Recht, auf deutliche Missstände hinzuweisen. Das tue ich auf meine Art, bitterböse, anmaßend, übertreibend und zutiefst verwerflich.

Der Tragödie drölfter Teil

Das Monsterfohlen mit der Halfterphobie

Frau Prümas heutiger Patient ist ein ganz kleiner. Also nicht körperlich, sondern eher von der Anzahl an Lebensmonaten aus betrachtet. Drei oder vier Monate ist das Tierchen alt (Der kluge Kommentator changiert da in den ersten zehn Minuten gleich drei Mal), dessen Besitzerin ihm den überaus freundlichen Namen Chaotic Crumble gegeben hat. Das passe aber ganz gut, sei er soch ein ‚kleiner Rabauke‘ grinst sie entschuldigend in die Kamera.(Manchmal haben Namen ja Einfluss auf die Träger. Schon mal was vom Kevinismus gehört?) Letztere hat auch schon eingefangen, wie ein halbstarkes Fohlen auf der Weide die durchweg älteren Kameraden in hengstiger Manier bespielt und piesackt. Das Problem von Katja und dem Streuselfohlen ist aber nicht die grundsätzliche Rabaukigkeit, sondern Crumbles Abneigung gegen Halfter. Immer, wenn sie ein Halfter in der Hand habe, würde ihr Baby den Rückwärtsgang einlegen und ihr die Kehrseite im Galopp zeigen, lässt uns Katja wissen. Der kluge Kommentator findet das sehr logisch, weil das Halfter ja nach Mensch riecht (Hä? Bei Menschen zieht er anscheinend auch nicht Leine, die riechen wonach genau? Nach rosa BlütenblätterPupsen?) Sandra findet das auch logisch, weil kleine Fohlen durch ihre Niedlichkeit erst immer sehr betüdelt werden und dann auf einmal etwas tun sollen, was sie nicht wollen. Also Halfter anziehen zum Beispiel. Durch Rumprobieren würden die kleinen Racker dann schnell darauf kommen, dass man mit ein wenig Gegenwehr der allgemeinen Kleiderordnung entkommen kann und schon hätte man sich ein kleines Problempferdchen herangezüchtet (ich behaupte ja, Problempferde werden nicht gezüchtet, sondern gemacht, aber was weiß ich schon…). Allerdings will sie mehr so am Vertrauen arbeiten, man könnte sich natürlich auch mit drei großen Männern auf das Fohlen stürzen um es zu verknasten, selbiges würde sich dann aber eher vergewaltigt fühlen (Also ich fang Fohlen auch mit einer normalgroßen Frau(also mir), das liegt ja mehr an der Technik als an Kraft und Körpergröße, aber ich bin ja auch kein Profi).

Deswegen will sie sich mit Katja dem Streuselschen Halfterproblem in Ruhe nähern. Das Fohli ist mit Mutter Kentucky schon mal auf ein Sandpaddock verbracht worden, Katja erzählt Frau Prüma, dass sie sich weder auf der Weide noch in der Box in der Lage sieht, ihr Baby mit dem notwendigsten aller Ausrüstungsgegenstände zu versehen. In der Box ist der kleine Streusel schon einmal hinten über gefallen, als sie versucht hat, ihm das Halfter über die Ohren zu ziehen. Sandra will den kleinen Racker erst mal persönlich kennen lernen und macht sich laut klugem Kommentator dadurch für ihn interessant, dass sie ihn krault und dann weggeht. Weil sich dem Prümaschen Charme kein Pferd und schon gar kein Fohlen entziehen kann, muss der kleine Frechsack auf jeden Fall hinterher um sich weiter von Sandra betatschen zu lassen.




Der Plan geht auf, Crumble orientiert sich in Ermangelung anderer Drangsalierungsobjekte auf Frau Prüma, die im Paddock hockt. Die freut sich wie Bolle, als das Fohlen direkt vor ihr steht und krault das Fohli in der von ihr eingenommenen Froschposition an der Brust (Sehr zu empfehlen, besonders bei hengstigen kleinen Sausäcken, kennt hier jemand das Beinebeissen- und Vorderfüßewinkspiel?) Der nächste Schritt soll sein, dem Streuseltier die Angst und Skepsis vor Gegenständen abzugewöhnen. Dafür räumt Frau Prüma ihr Auto leer und kehrt mit einem Lederhandschuh, einer leeren Plastikflasche, allerhand Beutelgedöns, Leckerchen und dem beinahe obligatorischen Knotenhalfter auf den Reitplatz zurück. Mit diesen Gegenständen wird das Fohli von oben bis unten abgetätschelt, um Berührung von Menschen mit Sachen in der Hand positiv zu synapsieren. Abgebeutelt und mit Möhrchen vollgestopft wird die Lektion für den Streusel heute beendet, mit jungen Pferden soll man schließlich immer nur ganz kurz arbeiten, für mehr Konzentration reicht das wachsende Hirn noch nicht aus. Als Hausaufgabe soll Katja ihr renitentes Minipferd jeden Tag zehn Minuten mit allem begrabbeln, was ihr so in die Hände fällt. Mission fürs erste erfolgreich abgeschlossen.

Acht Wochen später (Ich schieb das jetzt mal auf den überfüllten Terminplan der Promitherapeutin, kann doch nicht deren Ernst sein, dass der nächste Schritt zwei Monate dauert, oder???) ist Frau Prüma wieder zur Stelle und freut sich auf das Aufhalftern und Führen von Chaos-Krümel. Das soll Katja nämlich nicht alleine machen, nicht, dass das mühsam erarbeitete Fohlenvertrauen direkt in die Wicken geht. Katja war aber fleißig und hat den Streusel sogar mit dem Halfter begrabbelt, sodass heute keinerlei Berührungsängste mehr zu erkennen sind. Dementsprechend kann Sandra sogleich damit beginnen, dem Fohlen ein schön enges Halfter über den Kopf zu ziehen (Die Dinger haben ja so witzige Schnallen am Genickstück, die kann man eigentlich auch öffnen für den ersten Kopfkontakt, aber was tut man nicht alles fürs Drehbuch) Obwohl sie dabei frontal vor dem Therapieobjekt steht und ein Ohr nicht so richtig will, bekommt sie das Halfter endlich auf den ihm angedachten Platz gefummelt. Zur Belohnung bekommt Chaos-Krümel einen Knutscher und das Halfter sogleich wieder abgebastelt. Denn jetzt soll Katja ran. Bei ihr klappt’s sogar noch besser als bei Sandra, alle freuen sich mal wieder. Danach geht’s einen Schritt weiter, das ehemalige Rabaukenkind soll nun lernen, dass man Druck weichen muss und nicht gegenziehen und daraus schlussfolgern, dass man einem Strick in Menschenhand am besten Folge leistet. Dafür geht Sandra schrittweise los, schön von Mutti weg, damit sie sogleich demonstrieren kann, was man tut, wenn Fohli doch mal aufmüpft und gegenzieht. Dann hält man nämlich gegen, lobt aber sofort, wenn Fohli aufhört, zu müpfen(Oder schon währenddessen, der kundige Zuschauer ist sich da nicht ganz so sicher). Sogar Katja kann den Krümel nun am Seil neben sich herschlören und alle strahlen mit der Sonne um die Wette, vor allem, da Katja inzwischen Stute und Fohlen in Händen hält. Stute links, Fohlen rechts, Sandra sagt, es könne nichts passieren, schließlich bleibt der Profi in der Nähe (Wie der Profi von drei Meter hinter der Troika eingreift, während ein Pferd nach rechts rennt und eins nach links, hätte ich ja gerne mal gesehen…). Das finden alle wirklich klasse, schließlich braucht man dafür ein gewisses Maß an Führungsqualität und vor allem ruhige Pferde, sagt der Kommentator.

Mal wieder hat Frau Prüma ein Pferd erfolgreich therapiert, Fall gelöst, die Welt ist wieder ein Stück sonniger.

Jetzt mal im Ernst: So wahnsinnig viel Falsches konnte ich bei Sandra diesmal nicht entdecken, manches war semioptimal (vor Fohli knien, Halfter frontal über die Ohren, etc.), das ist aber wirklich kleinkariert. Der therapiebedürftige Rabauke war einfach nur ein antiautoritär verzogenes Bürschchen, der leicht von der Notwendigkeit der Sache zu überzeugen war.

Was mich aber sehr wohl gestört hat:

Es wurde kein Ton verlaut darüber, dass das Tierchen unter Umständen seine Marotten daher hat, dass seine Besitzerin die ganze Geschichte mit ‚Halfter auf Fohlen‘ eventuell vollkommen falsch angegangen ist! Noch dazu könnte der Ursprung der Frechheiten vielleicht auch in mangelnder Fohlengesellschaft für den halbstarken Hengsterich liegen?
Sauer aufgestoßen ist mir zum wiederholten Male die ‚Wir Profis machen alles alleine‘ Botschaft der Sendung. Um ein Fohlen aufzuhalftern und zum ersten Mal zu führen sollte grundsätzlich eine Hilfsperson dabei sein, die den Rückwärtsgang unterbindet. Der kleine Krümel stieg ja putzig bei Sandras Führversuchen, aber wenn die Kiste mal richtig hoch geht, gibt es ohne nachtreibende Hilfsperson genau zwei Möglichkeiten: Fohli überschlägt sich, oder Profi lässt los und Fohli rennt mit Strick über Wiese. Beides sind sowohl Gesundheit als auch Vertrauen von Fohli nicht unbedingt zuträglich, glaube ich.

Das zur Fohlenschule mehr gehört als nur halftern und Führen (mein Schmied freut sich ja immer, wenn wir mit den Fohlen das Füße geben schon mal geübt haben, auch verladen will gelernt sein, etc.) wurde glaube ich rausgeschnitten, weil der wilde TinkaWinka Andy so viel Sendezeit in Anspruch nahm. Und der war wirklich spektakulär.
Aber das lest ihr nach der nächsten Maus.

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