Der Tragödie fünfter Teil



Vorab: In dieser Sendung haben beide Fäährdeprofis ihren Auftrag zur vollen Zufriedenheit erfüllt. Beide ‚therapierten‘ Pferde machten nachher das, was sie vorher anscheinend nicht konnten oder wollten. Naja, zumindest fast, aber dazu später. Auch die Lösungsansätze waren meistens absolut nachvollziehbar und logisch gewählt.
Ebenfalls möchte ich darauf hinweisen, dass ich keinerlei Problem mit der Western-Reitweise habe. Im Gegenteil, ich bewundere diese hochspezialisierten Pferde und die Reiter, die selbige dazu bringen, absolut faszinierende Bewegungsabläufe in den Sand zu zaubern.
Man möge mir trotzdessen verzeihen, dass sich trotz allem ab und an der ein oder andere gehässige Beisatz über Cowboys einschleicht, erstens bin ich von Haus aus ein Vertreter der klassisch „englischen“ Reitweise, zweitens hat VOX sich für dieses Format nunmal zwei Westerntrainer ausgesucht, hätten sie einen Stangenfetischisten, würde ich schlecht über Springreiter schreiben, hätten sie einen Sandkastenakrobaten, gelte meine Häme den Dressurreitern, würde ein Gangschaltungsprofi auftauchen, wäre ich gerne auch gemein zu den Gangpferdereitern…
Trotz allem hat VOX es geschafft, sämtliche sinnvollen Ansätze der Fäährdeprofis zunichte zu machen, und die ganze Sendung mal wieder von einem gut gemeinten HELP-Format in absolut lächerliche Samstagabendunterhaltung á la Hartz4-TV umzubasteln…
Und hier mein Beitrag zu den Quoten, gemein, fies, niveaulos und unter der Gürtellinie, also alles wie immer…

Der Tragödie fünfter Teil
Der beingestörte Spaniockel-Hängst
Frau Prüüma, die inzwischen eher Frauu prüüma ist (Man beachte das kleine „p“ am Anfang des Wortes, sie sagt es immer noch, aber sie röhrt nicht mehr wie ein brünftiger Elch und auch die Dezibel-Zahl hat sich deutlich verringert…) hat einen neuen Fall. Unterwegs irgendwo ins rheinische erklärt sie dem wissbegierigen Zuschauer, dass sie sich heute einen wilden spanichen Häängst anguckt, der ein Problem hat, seine Füße zu sortieren.
VOX hat im Zusammenhang mit der Pferdefilmerei die Vorteile der High-Speed Kamera entdeckt, aus der man nachher eine Super-Slow-Mo á la Hackl Knock.out machen kann somit konnten wir im Vorfeld den guten alten Babilonio schon ausgiebig bewundern. Ein Spaniockel wie er im Buche steht, schlohweiss, alle sekundären Geschlechtsmerkmale bestens ausgeprägt und, wie böse Zungen behaupten würden, vorne trommeln, hinten keine Soldaten. Der wilde Häängst, der tatsächlich manchmal zum Wildpferd mutiert, wie uns der kluge Kommentator erzählt, macht alles, nur die Gangschaltung funzt nicht so richtig. Schritt ist voll toll, quasi vom allerfeinsten, Aber Trab und Galopp sind nicht ganz abgegrenzt und ausgeprägt, vielmehr bekommen wir eine Auswahl von „Schrab“ Schralopp“ Schrölt“ „Tralopp“ „Trölopp“ „Galotrab“ und „LeckMichAmArschIchHampelHierHaltSoRum“ zu sehen. Laut Kommentator ist Babilonios Besitzerin eine erfahrene Reiterin, Gottseidank, sonst wäre der Spaniockel nicht nur wild sondern auch gefährlich. Erfahrene Reiterinnen können das Rumgehopse aber sitzen und brauchen dementsprechend auch mal wieder keine Kappe (Ich bin es leid, darüber zu lamentieren, liebe Kinder, macht es einfach nicht nach, wer was im Kopf hat, sollte es schützen, das ist aber nur meine unbedeutende, vollkommen subjektive Meinung.)
Beruhigend, dass die Reiterin voll erfahren ist, denn sie klemmt nur minimal im Oberschenkel, fällt permanent vorn über und ruppt ihrem allerliebsten Schimmel auch nur bei jedem zweiten Schritt, sprung oder wie auch immer man das heissen möchte, in der Schnauze. Man stelle sich vor, den sollte ein Anfänger reiten, MannohMann…
Prüma macht sich auf dem Hinweg schon so ihre Gedanken. Das Problem ist ja, dass es sich bei Babilonio um einen „Purra Rassa Espaniola“ handelt, und die sind halt bekanntlich darauf gezüchtet, dass sie sich spektakulär bewegen. Komisch, ich dachte bisher immer, die wären darauf gezüchtet, nett auszusehen, bequem zu sitzen zu sein, sich leicht versammeln zu lassen und nebenbei in Spanien auch noch Stiere zu bekämpfen, aber ich hab ja auch keine Ahnung…
Deswegen weiss sie halt auch noch nicht, ob das bei dem Babilonio vielleicht genetisch bedingt ist mit dem Schrabbelgang, oder sie doch was dagegen unternehmen kann.
Am Ort des Geschehens angekommen, latscht der schimmelige Spaniockel ganz gechillt auf dem Reitplatz rum. Sandra stellt ein paar kurze Fragen zum Hintergrund; ganz nebenbei erfahren wir, dass die Besitzerin sich schon seit zehn Jahren mit dem Zwockel plagt.
Fünfjährig hat sie ihren Traum in weiß gekauft, der Verkäufer teilte ihr damals schon mit, dass der imposante Testosteronprotz nicht so ganz einfach sei.
Hmmmm. Ganz ehrlich, liebes Fäährdeprofi-Team? Ihr wollt mir weismachen, dass die Tante zehn (In großen Lettern: ZEHN!!!) Jahre lang auf dem Hotti ohne Gangschaltung und Bremse rumgeholpert ist und jetzt erst auf die Idee kommt, sich Hilfe zu holen??? Glaub ich kein Stück, aber egal, ich in meiner Funktion als guter Chronist sollte nur das beschreiben, was ich zu sehen bekomme, oder in diesem Falle in mundgerechten Häppchen serviert…
Auf jeden Fall wird der Babilonio jetzt unter dem Reiter begutachtet. Im Schritt hat er schon keinen Bock, er zieht die Lippen kraus. Untrügliches Zeichen für Unzufriedenheit, findet auch Frau prüma. Dann trabt es an, oder zumindest sowas in der Art. Die Dame im Sattel gibt durch unrhytmisches Ziehen einen leicht verwirrenden Takt am Gebiss vor, Babilonio versucht den Kompromiss zwischen den durch undeutliche Hilfengebung vorgegebenen Lektionen: „Traben“ „Passage“ „Levade“ und „Galopprenvers“ zu finden. Das gelingt ihm eigentlich recht gut, er hampelt einfach mit allen vier Beinen, teilweise nacheinander, teilweise parallel, möglichst hoch.
Gottseidank erlaubt ihm die unruhige Hand der Reiterin nicht, den Kopf zu senken, ansonsten hätte er sich wohl mit den Karpalgelenken gegen die Vorderzähne geschlagen.
Dumme Nachfragen nach dem Gesundheitszustand des Therapieobjektes (Ich hätte unter Umständen die Zähne nachschauen lassen, Rücken röntgen war ja in den letzten Folgen auch nicht immer SOO eine schlechte Idee…) werden rausgeschnitten, ist ja auch wirklich uninteressant.
Das kann Frau prüma nicht gut sehen, deswegen schwingt sie sich selber in den Sattel (MIT HELM liebe Kinder, es geschehen noch Zeichen und Wunder!!!) Sie hofft, dass sie es nicht schlimmer macht, wir hoffen alle mit ihr…
Allerdings wäre die einfache Demonstration von Ursache und Wirkung definitiv mal wieder zu unspektakulär für die Flimmerkiste, deswegen wird die ganze Reitweise aufs Korn genommen und inklusive Equipment umgestellt vom pöööhsen klassischen Fäährdequälen auf viel fäährdegerechteres Westerngehopse mit Knotenhalfter. Denn wie inzwischen jeder weiss: Gewichtshilfen sind nur beim Westernreiten wichtig.
Gesagt, getan, am Anfang weiß der Spaniockel auch nicht so richtig was das soll und hält permanent an oder dreht sich wie ein Brummkreisel. Als er aber verstanden hat, dass die neue Tante in seiner Mittelpositur ihm keine widersprüchlichen Befehle erteilt, trabt er brav mit weiterhin schlurfender Hinterhand seine Runden. Jetzt schlurft auch das Vorderbein, aber immerhin, es gibt irgendwas, das man als Takt bezeichnen könnte.
Jetzt muss die Besitzerin selber ran, die neue Erkenntnis: Wenn man vorne nachgibt, entspannt sich das Pferd!!!! Wahnsinn!!! Da klassisches Reiten nun mal nur aus Ziehen und Stechen besteht, hatte Frau SpaniockelZähmerin diese Option noch nie in Betracht gezogen und ist dementsprechend minimal überfordert mit der Gesamtsituation…
Aber dank Sandras Unterwiesung wirft sie dem weissen Riesen die Leinen auf den Hals und ist begeistert, Babilonio nicht minder, denn nach nur zehn Jahren lässt die Alte ihn endlich in Frieden, und er kann gemächlich dahintraben und einfach nur seinen Job erledigen.
Frau prüma ist glücklich und verabschiedet sich, dreimal die Woche soll der Spaniockel von nun an am langen Zügel im Kreis laufen, dann wird’s schon werden. Ebenfalls gibt sie zu bedenken, dass Geduld und Spucke durchaus benötigt werden, denn den Scheiss, den Tante HängstBesitzerin in den letzten Zehn Jahren verzapft hat, kann man wohl leider nicht in einer Woche ausradieren.
Ghostrider Blondie ist not amused und ergänzt, dass die fünf Jahre vor ihrer Besitzerschaft auch kein Zuckerschlecken für den armen Babilonio waren und eben diese Jahre noch schwieriger zu radieren sind. Ganz ehrlich, wo kämen wir denn hin, wenn Pferde tatsächlich Probleme hätten, die durch erfahrene und durch und durch professionelle Reiter mit DEM Plan von der Materie bedingt sind?
Sechs Wochen später nun die Zwischenprüfung. Leider fallen nicht nur der wilde Spaniockelhängst als vielmehr die SpaniockelHängstZähmerin VOLL durch! Die Tante schafft es tatsächlich, auch ohne Gebiss derart am Zügel zu hängen, dass der Silberstreif an Babilonios Horizont schon lange verblasst ist, und er sich wiederum darauf verlegt, durch die Gegend zu hopsen, wie eine Mischung aus afrikanischem Springbock und verliebtem Stinktier…
Eine passende Ausrede ist schnell gefunden. Hat sich doch ein wirklich unmöglicher Haferschlinger durch unlauteren Wettbewerb Zutritt zur Spaniockelschen Homebase verschafft. Diesen sieht der Babilonio als Revierkonkurrenten und ist seitdem vollkommen von der Rolle und in seiner Eigenschaft als Platzhirsch nicht mehr in der Lage, den Befehlen seiner Reiterin zu folgen.
Der Kommentator sieht das ein, einem Hängst macht man nun mal nicht das Revier streitig, Frau prüma lässt die windige Ausrede aber nicht gelten und versucht, den Streit zu schlichten.
Sämtliche Mahnungen von Seiten Sandras, dem armen Tier doch endlich mehr Luft am Kopf zu lassen verpuffen wirkungslos. Deswegen wird nun ein neuer Ansatz gewählt: Die blonde SpaniockelZähmerin soll auf einem ausgebildeten Westernpony lernen, was die Konsequenzen von harter Handarbeit sind. In prümas heimischen Gefilden wird kurz demonstriert, wie der brave gefleckte Pepper rein auf Gewichtshilfe und ohne Gedöns am Kopp fast immer das tut, was sein Frauli von ihm möchte.
Dann ist die SpaniockelTante dran. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, deswegen reisst sie auch beim braven gefleckten Pepper an dem zur Sicherheit draufgeschnallten Kopfstück. Dieser ist minimal angepisst und drückt seine innere Haltung auch deutlich durch Ohrenanlegen aus. Trotzdem bemüht er sich, den unkoordinierten Hilfen der neuen Pilotin zu folgen und watschelt so koordiniert durch die Halle, wie ein Gewohnheitstrinker nach dem siebzehnten Whiskey. Frau prüma empfiehlt, die Leinen mal komlett wegzulassen, dem Rat wird Folge geleistet und SpaniockelMutti wickelt die Zügel um sen Sattelknauf. Das gefleckte CowboyPony atmet innerlich auf und zeigt sein wahres Gemüt: In Echt ist er schon seit drei Jahren tot und nur zu faul um umzufallen. SpaniockelTante fällt es wie Schuppen von den Augen: Druck erzeugt Gegendruck, das Pferd ist ein Spiegel der Reiterin, geht auch alles ganz lässig…
Weiter vier Wochen weiter trifft man sich an einem traumhaften Herbstnachmittag an der spaniockelschen Homebase, um die nachhaltigen Ausbildungserfolge zu begutachten.
Babilonio hat inzwischen kein Knotenhalfter mehr um den Kopp, sondern ein Sidepull. Kundige Zuschauer finden das beruhigend, ist es doch die deutlich freundliche Variante, sollte die blonde Gefahr mal wieder in Verlegenheit kommen, ihrem SchatziMausiPutzi durch deutlichen Frontkontakt aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Zügel lang, ausbalancierterer Sitz, alles tutti, Babilonio schnurrt dahin, dass es eine Freude ist.
Sandra hält es für vertretbar, den wilden Hängst im Gelände zu reiten, inzwischen ist selbiger ja voll entspannt und gechillt und verbindet Reiten mit absoluter Relaxation!Um eingreiden zu können, sattelt Frau prüma einen knuffigen Isi in toller Farbe (Immer noch mit Helm, ich ziehe meinen (vielgebrauchten) Helm vor dir, Frau prüma!!!!) und begleitet das spanische DreamTeam in die Rheinische Wildnis.
An den Stuten auf der Koppel wird der weiße Wildling vorbeigeführt 8Ist auch besser so, schon am Boden hat der blonde Gaucho Mühe, die Hormone des Hängstes zu kontrollieren…)
Danach geht es aber flotten Schrittes zwischen Wiesen und Wäldern in die freie Natur. Super Schritt zeigt der Spaniockel, taktrein wie selten… Seine todesmutige Pilotin freut sich wie ein Meerschweinchen auf Extasy, weil das wilde Wildfährd nun janz jechillt und ohne Stress seine Runden zieht. Die Sandra findets auch klasse, Problem gelöst, einmal die Reitweide umgebastelt, schon sind Spaniockel und Blondie glücklich.
Der aufmerksame Betrachter mag sich nun fragen, wo der eigentliche Trainigserfolg lag… Im SCHRITT konnte der Weiße Hängst doch schon immer wunderbar laufen, haben sie uns zumindest am Anfang der Sendung weismachen wollen… Beruhigend, dass er das immer noch kann, aber da wollen wir mal nicht so kleinlich sein…
Alle sind glücklich mit dem Resultat, Spaniockel hat keine Schmerzen mehr in der Schnüss, Tante SchimmelBändiger hat gelernt, dass Handbremse und Gas gleichzeitig zu betätigen keine gute Idee ist und Frau prüma hat Geld verdient und gleichzeitig die Welt ein kleines bisschen besser gemacht.
Was haben wir daraus gelernt?
Hängste sind auch nur Fäährde, und auch in den inkompetentesten Händen durchaus zu halten. Wenn du einen schneeweißen südländischen heißblütigen Hängst kriegst, der fünf Jahre nur vermurkst wurde, und du es nicht besser kannst, probier dich ruhig zehn Jahre an ihm aus und bring ihm bitte keine anständigen Verhaltensweisen bei. Ebenfalls wird nicht empfohlen, sich kompetenten Beistand zu holen. Reitlehrern zum Beispiel sollte man grundsätzlich gar nichts glauben und per sé eher aus dem Weg gehen… Sonst lohnt es sich ja nicht im Mindesten, dass ein Guru kommt und dir in fünf Minuten zeigt, dass auch ein SpaniockelHängst Lust und vor allem Anspruch auf eine fäährdegerechte Behandlung unter dem Sattel hat.
Außerdem: Hast du Probleme mit deinem Pferd? Könnte es sein, dass du klassisch „englisch“ reitest? Hallo! Dann erklärt es sich laut VOX doch von ganz alleine!!!! Du miesofieser Fäähdrequäler solltest lieber mal die Reitweise wechseln, anstatt dir einen guten Reitlehrer zu suchen! Das also ist des Pudels Kern. Und ich quäl mich schon seit sieben Jahren damit rum, meiner roten Gefahr beizubringen, dass eine feine Anlehnung das Ah und Oh auch der englischen Reitweise ist. Ich Stümper… Muss ich mir jetzt eigentlich einen Westernsattel anschaffen, damit wir weiterhin auch mal ohne Kopfstück rumhoppeln dürfen? Oder mach ich einfach die Bügel länger und streck zum Anhalten die Füße in Richtung Maul und röhre “Whow“…? Fragen über Fragen, vielleicht sollte Frau Prüma mir und meiner Elsbeth die immensen Unterschiede zwischen „klassischer“ und „Signal“-Reitweise mal tiefgreifender erklären. Eins weiß ich sicher, hätte meine herzallerliebste Elsbeth einmal so einen Insterburger bekommen wie der Spaniockel, hätte sie Blondie erklärt wo sie hingehört: Nämlich auf den Boden der Tatsachen, respektive des Reitplatzes…

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