Der Westernreiter



Die Fäährdeprofis sind vorerst vorbei, weiter geht es mit den Reitweisen.

Als nächstes aus dem Hut kommt…

…der Westernreiter

Westernreiter sind im allgemeinen furchtbar coole Gesellen. Sie haben als Kind schon eine gewisse Affinität zu John Wayne Filmen gezeigt und möchten in ihrer reiterlichen Freizeit auch wie ihr Held ganz lässig über die Weiten der Prärie galoppieren. Weil es hier bei uns bekanntermaßen nur recht wenig Prärie gibt, haben die Westernreiter sich organisiert und jede Menge lustige Sachen erfunden, die dem Westernpferd im Kopf eine Illusion von den Aufgaben geben sollen, die es andsonsten in der Prärie zu erledigen gehabt hätte. Westernreiter können viele verschiedene Disziplinen ausprobieren, bis sie diejenige gefunden haben, die ihnen am meisten liegt.

Westernpferde werden häufig als solche geboren und sogar gezüchtet. Ursprünglich in Amerika verbreitet, lag ihr Fokus darin, möglichst schnell eine recht kurze Strecke überwinden zu können, deswegen sind die Tierchen auch oftmals gebaut wie Nicky Minage. Da der Motor beim Pferd bekanntlich hinten sitzt, haben die richtigen Westernpferde einen richtig dicken Hintern, von dem aus der Rest des Körperbaus unterrepräsentiert nach vorne abfällt. Richtige Westernpferde haben oft hochtrabende Namen wie Doc O’Bar Lenas Pride oder Jim Jack Johnny Walker. Manche Westernpferde verfügen über eine besondere Färbung ihres Fellmäntelchens, mit hübschen Flecken und Tupfen gehören sie sogleich einer eigenen Rasse an. Westernpferde werden im Alter von 2 bis 3 Jahren an die auf sie wartenden Aufgaben herangeführt und verfügen über ein beneidenswert entspanntes Grundnaturell, welches nur bei Ausübung ihres Sports ins Gegenteil umschlägt. Man hat schon von Westernpferden gehört, die waren schon seit 14 Tagen tot und nur zu faul um umzufallen. Trotzdem haben die noch eine Kuh aus der Herde gefischt, als es darauf ankam.
Westernpferde werden auch direkt für die Ausübung der jeweiligen Westerndisziplinen gezüchtet, wenn diese Spezialisten aber nichts so richtig können oder nur von allem ein bisschen, können sie immer noch als Allrounder angepriesen werden. Bei letzterer Sorte dürfen manchmal auch Pferde mit europäischen oder arabischen Wurzeln mitmachen, fallen aber durch ihrer Modelfigur mit langen Beinen und kleinem Hintern auf wie ein Leuchtturm im Wattenmeer.
Die Königsklasse beim Reiten mit Horn am Sattel ist das Reining. Hier werden die Westernpferde zu affenartigen Geschwindigkeiten angescheucht um aus dem Nichts heraus wahnwitzige Manöver zu vollführen. Reiningpferde können schon mal stoppen oder spinnen, bei denen ist das aber nicht schlimm, nein, es gehört sogar zu ihrer Arbeitsplatzbeschreibung.
Manche Westernpferde verfügen von Natur aus über die Fähigkeit, bewegliche Dinge zu jagen, dann dürfen sie beim Cutting mitmachen. Diese Terrier unter den Pferden haben einen sogenannten Kuh-Sinn, der sich auch als Gänse-Sinn, Hunde-Sinn, Menschen-Sinn oder Pappkuh-Sinn äußern kann. Diese Pferde werden darauf trainiert, ohne allzugroße Einwirkung des Reiters ein Herdentier von der Herde zu separieren und es auf unbestimmte Zeit davon fernzuhalten. Für die Cowboys von damals war das sehr praktisch, ersparte es ihnen doch eine Menge Rennerei, heute ist es vor allem lustig anzuschauen.
Wenn Westernpferde weder zum Reining noch zum Cutting geeignet sind, kann man versuchen, sie in der Pleasure einzusetzen. Sehr zur Freude des Reiters wird hier vor allem Wert auf die möglichst hübsch und langsam gewählte Ausführung bestimmter vom Richter vorgegebener Kringel gelegt. Diese Art des Reitens bietet sich vor allem an für naturfaule Pferde mit Reitern, die sehr viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres legen.
Wem Pleasure zu langweilig ist, der kann sein Geschick und das seines Pferdes durch die Ausführung von bestimmten Geschicklichkeitsaufgaben testen und beim sogenannten Trail mitmachen. Hierfür werden komplette Aufgaben eines stundenlangen Ausrittes in eine Reithalle verfrachtet und der Reiter hat das Ziel in definiertzer Geschwindigkeit und Gangart auf einem festgelegten Weg über, unter, neben durch Bäume, Brücken, Tore, Irrgärten und Flatterbänder zu kraxeln.
Der Westernreiter kann sich in allen Disziplinen auch auf Wettkämpfen bis hin zu internationalen Meisterschaften messen, beim Reining werden die Weltmeisterschaften sogar parallel zu den klassischen Disziplinen ausgerichtet. Durch ein hübsches Durcheinander an turnierausrichtenden Organisationen kann man sich überlegen ob man gegen alle anderen Pferde und Reiter antreten möchte, oder nur gegen Vertreter der Pferderasse, die man selber unter dem Hintern hat.




Westernreiter konkurrieren im Allgemeinen ganz gerne, durch fehlen von lästigen Traditionen, können sie sich sowohl Zuhause als auch beim Turnier mit den wildesten Farbkombinationen von Stifeln, Chaps und Blusen schmücken. Da Westernreiter sehr selten auf den Kopf fallen, tragen sie keine Reitkappen, sondern Cowboyhüte, die in Form, Farbe und Verzierungen mindestens genauso viel Interpretationsspielraum bieten, wie die riesigen Sättel, die mit einem praktischen Horn zum Festhalten versehen sind.
Ein anderer Wettkampf der Kreativität läuft in der Frage der Bewaffnung. Gebisse mit Hebelwirkung mit extra langen Anzügen und Sporen, die so lang sind, dass der Reiter am Boden einen halben Meter Individualdistanz beansprucht, sind keine Seltenheit. Beides ist aber so hübsch verziert, dass man es auch als Kunst betrachten kann. Ein guter Westernreiter hat nämlich sowohl Gebiss als auch Sporen nur zur Zierde dabei.
Westernreiter sind generell ein recht geselliges Volk, verbleiben aber gerne unter Ihresgleichen.
Dann lästern sie gerne, über andere Westernreiter , andere Reiter im Allgemeinen oder auch über die Welt an sich. Allerdings behaupten sie stets, sie würden nicht lästern, sondern lediglich etwas feststellen.

Was sie feststellen? –Richtig, das allein Westernreiten etwas taugt, und alle anderen Reitweisen definitiv schädlich, dumm und höchst verwerflich sind.

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