Die Obertrulla hat noch eine Pflicht zu erfüllen…



Die Obertrulla hat noch eine Pflicht zu erfüllen…

…Der letzte Samstag ist noch nicht gewürdigt worden!

Wiederum ein Vorab:
Herr Hackl hat in dieser Sendung seinen Auftrag wieder einmal zur allseitigen Zufriedenheit gelöst. Das ‚therapiebedürftige‘ Tier hat seine Lektion gelernt, Ziel erreicht… Worüber sich allerdings sehr wohl trefflich streiten lässt, ist der Weg, der zum Ziel führt. Diesen möchte ich erneut an dieser Stelle plakativ und naiv nacherzählen. Einige Zwischenschüsse mit subjektiv gefärbter Meinungsäußerung kann ich mir leider nicht verkneifen. Der Hauptadressat meiner so zu verstehenden Kritik ist und bleibt das Sendeformat, das durch Drehbuch, schnitt und Redaktion die gute fachliche Praxis eines Jeden, der mit der Arbeit mit und am Pferd sein Geld verdient, ad absurdum führt.
Der Tragödie minus dritter Teil (wieder mal eine Wiederholung, VOX streckt die neuen Folgen)

Wer hat Angst vorm Buckelpony?
Bernd ist heute an der Grenze zum schönen Österreich im Einsatz. Dort wartet eine vierjährige Araber-Trakehner Mischlingsdame mit dem schönen Namen Shiva auf den Einsatz des Horseman. Die Besitzerin Nadine berichtet im Einspieler, dass es sich erstens um eine Wielkopolskistute (polnisches Warmblut, Anm. der Chronistin) handelt und diese zweitens ihre Pflichten als Hausfrauentransporter sträflich vernachlässigt. Schlimmer noch, sie transportiert überhaupt nichts mehr, nicht einmal einen Sattel ohne zu murren. Selbst die sonst so selbstbewusste Nadine hat sie bereits mehrfach in den Sand gesetzt, durch Buckeln gefolgt von schnellem zur Seite treten, was wirklich kein Reiter mehr aussitzen kann (das weiss der kluge Kommentator). Dem Bernd erzählt Nadine auch direktr nach dessen Eintreffen im sonnigen Süden, dass sie das hübsche Fleckentier (Porzellanschecken sind wirklich schöööön…) mit drei Jahren aus Privathand erworben hat. Also fast Privat, eher so der Zwischenhändlertyp von Privathand. Da weiss der ZöpfchenBenrd auch gleich Bescheid: Die Shiva war zugedröhnt, als Nadine sie erworben hat, weiß doch jeder, dass die Zwischenhändler wissen, wie man einen Wildesel eine Zeit lang zum Verkauf dastehen lässt wie ein braves Muli! Am Anfang war sie bei Nadine auch noch das Träumchen vom eigenen Pferd, das sie sich so lange so sehnlichst gewünscht hatte, Schwierigkeiten ergaben sich dann mit der Zeit.

Bernd lässt sich das Pony erstmal vorlongieren, um sich einen besseren Eindruck über die Gesamtsituation verschaffen zu können. Auf dem grasbewachsenen Reitplatz möchte Shiva viel lieber fressen, als öde in der Runde zu watscheln, als ihre Besitzerin genau das sehr zaghaft durch aufmunterndes Rufen von ihr fordert, reicht die Energie gerade so für zwei müde Bocksprünglein, die auch in Zeitlupe nicht dazu führen, dass auch nur eine Millisekunde alle vier Hufe gleichzeitig in der Luft wären. Laut Kommentator sehen wir ein hypernervöses Pferd, das sich von seiner durch üble Rosstäuscher verunsicherten Besitzerin nicht mal mehr ruhig longieren lässt. (Beim allerletzten Teil des Satzes gebe ich ihm Recht, beim Rest, naja…)

Bernd fragt nach dem letzten Besteigungsdatum er Stute, Nadine erklärt es sei vierzehn Tage her, dass sie drauf gesessen habe auf dem wilden Fleckvieh, also sie wäre hoch und nach zwei Minuten wäre die Shiva an die Bande gegangen, also quasi ohne Rücksicht auf Verluste. Bernd kann sich schon genau vorstellen, was Nadine meint, er hat das müde buckelnde Pony glasklar analysiert, eine freche Socke, die nichts besseres zu tun hat, als den netten Menschen, die ihre tägliche Haferration vorbeibringen, so viel Angst zu machen, damit sie gar nicht mehr auf die Idee kommen, den angenehmen Boxenschlaf mit kräftezehrender Arbeit zu stören. (Ist eine Möglichkeit Herr Hackl, Respekt, dass sie nach zwei Runden an der Longe sehen, dass keinesfalls gesundheitliche Ursachen oder schlichtweg reiterliches Unvermögen eine Ursache sein können, sondern schlichtweg die reine Boshaftigkeit des Pferdes.)
Diese Boshaftigkeit gilt es nun zu kurieren, nicht von Nadine, denn die hat Angst, und Angst ist schlecht. Bernd hat aber keine Angst, ZöpfchenPower lautet also die Devise. In gewohnter Manier wird der Sattel entfernt und die Trense gegen ein Knotenhalfter mit Strick getauscht, wegen der verminderten Verletzungsgefahr, so lässt uns der kluge Kommentator wissen. (ich wiederhol mich dauernd, kein Helm, keine Handschuhe…) Bernd schwingt sich wagemutig auf den Rücken des Buckeltieres. Das Buckeltier hat aber zum Buckeln überhaupt keine Lust, der Bernd muss sie gewaltig Piesacken, um ihr eine müde Reaktion zu entlocken, ein, zwei harmlose Galoppsprünge mit Kopf tiefer als Wiederristhöhe mit bedrohlicher Musik müssen heute genügen, um dem Zuschauer die Ernsthaftigkeit des Problems deutlich zu machen.




Nadine kriegt am Rand schon Schnappatmung, die wilde Bockerei hätte sie schließlich niemals ausgesessen, und verfällt sogleich in Tränenkanal-füllende Begeisterung als der Bernd etwas hinkriegt, von dem sie niemals zu träumen gewagt hätte: er galoppiert tatsächlich an!! (Schockschwerenot, wie flippt die den bei Mehrfachübergängen aus…?) Bislang ist nämlich jeder kundige Reiter von der Shiva beim Galoppierversuch kunstvoll in den Sand gelegt worden, auch gute Reiter, und sie selber natürlich. Bernd ist jetzt fertig mit dem Reiten und auch ein bisschen außer Atem, als er Nadine ihr Tierchen wieder übergibt und feststellt, dass Shiva ein wirklich tolles Pferd ist. Buckelt sie doch wirklich vorsichtig, wenn sie buckelt und passt auf, dass die Menschen sich nicht schwerwiegend verletzen, sondern eher nur ein bisschen.
Außerdem hatte die liebe Shiva keine Ambitionen gezeigt, ihm untern Hintern wegzurennen, das hätte sie schließlich auch tun können (oder Steigen, oder sich hinlegen, oder den Bernd am Zaun abstreifen… nur so als Ideensammlung…) Da Bernd die weitere Problemlosung der Nadine aber eher nicht zutraut, weil auch ein vorsichtiger Bocker immer noch ein Bocker ist, schlägt er vor, das Intensivtraining auf die Hacklsche Homebase zu verlegen, so sechs bis acht Wochen werde er schon brauchen um auch das freundlichste Buckeln aus dem Shivatier zu vertreiben. Nadine sieht das ein, denn auch wenn ihre Stute noch so sanft buckelt, spätestens beim dritten Sanftbuckler läge sie im Dreck, erzählt sie uns. Außerdem hätte sie Probleme in ihrem Kopf verankert, deren Lösung sie dem Bernd aber durchaus zutraut.

Also wird der freundlichste aller Rodeobroncos zum HacklBernd verschifft und alle sind verblüfft (also der Kommentator und Nadine) das man dieses unreitbare Ungetüm so brav auf und abladen kann, weil der Anhänger ja eigentlich in der Rangfolge der natürlichen Pferdefeinde recht weit oben zu finden ist.
Direkt nach der Ankunft will der Bernd das vor zwei Wochen Gelernte mit der Shiva im Roundpen überprüfen, schwingt sich also frohgemut auf den blanken Scheckenrücken. Und es passiert…

…nichts. Das Tierchen lässt sich reiten, Lenkung, Gas, Gangschaltung und Bremse sitzen wie frisch justiert. Damit ist Nadine entlassen, von nun an sind Bernd und Flecki auf sich allein gestellt.
Am nächsten Tag werden zur Vergrößerung der Challenge zusätzlich zum Reiter Sattel und Trense auf die Shiva geschnallt. Auch damit funktioniert das Reiten erschreckend gut, die Bravbucklerin lässt sich nicht einmal provozieren, als Bernd ihren Kopf zur besseren Bremsbarkeit ein paar Mal anständig gegen die massive Roundpenumzäunung flitschen lässt.
Also geht es nun auf zum nächsten Schritt, raus aus der behüteten Rundlaufumgebung, rein in die wilde Weite des Reitplatzes. Hier entsinnt sich Shiva noch einmal ihrer wilden Wurzeln und gibt ein paar von ihren freundlichen Buckeltricks zum Besten. Bernd sitzt das locker aus und lacht sich über die Abwurfversuche kaputt. Schließlich und endlich sieht Shiva die Zwecklosigkeit ihres Unterfangens ein und läuft, ganz Kaloriensparmodell, artig in der Runde.

Sechs Wochen später wird Nadine wieder herbeigerufen, vom klugen Kommentator erfahren wir, dass sie in ihrem täglichen Leben als Schornsteinfegerin kein Risiko scheut, ihrem nervösen Kichern entnehmen wir, dass sie das Risiko des Shiva-Reitens eigentlich ganz gerne scheuen würde. Aber es hilft ja nix, man soll sich seinen Ängsten schließlich stellen, der Mensch ist ja kein Fluchttier. Also schwingt sich die behelmte Besitzerin selbst in den Shivaschen Sattel, nachdem Bernd ihr kurz gezeigt hat, dass Shiva wirklich nicht mehr bockt, auch nicht vorsichtig. Nach einigen Erklärungen klappt das mit dem Aufsteigen auch schon fast elegant, im Schritt um den Bernd herumreiten auch.

Dementsprechend soll Nadine jetzt einen Gang höher schalten. Nachdem Die Bravbucklerin erraten hat, was Blondie im Sattel von ihr möchte, trabt sie auch brav an. Weil Blondie sich aber nicht gleichzeitig auf traben, nicht runterfallen und lenken konzentrieren kann, fällt letzteres erstmal flach und Shiva trottet brav über die äußere Schulter weg beinahe in die zur Verstärkung mitgebrachte Reitfreundin hinein. Diese kriegt sich vor Freude über das Gesehene gar nicht wieder ein, ist das fiese Vieh doch tatsächlich reitbar. In Richtung Kamera äußert Bernd bereits erste Bedenken, dass die Ausbildung, die er Shiwa in den letzten Wochen hat angedeihen lassen, diejenige, die Nadine in den letzten Jahren ihren eigenen reiterlichen Fähigkeiten hat zukommen lassen, um ein Vielfaches übersteigt.

Dass er mit der Vermutung richtig liegt sehen wir, als Nadine nach mehrfachen Versuchen und lautstarker ZöpchenPower von unten es nur mühsam schafft, ihr Pferd in den Galopp zu bewegen. Als der Gang dann schließlich erreicht ist, hopst der Nadinesche Pöter im Sattel bei jedem Galoppsrung dreißig Zentimeter hoch und kracht aus gleicher Höhe ungebremst zurück in den Rücken des polnischen Wunderbucklers. Das hat auch Bernd gesehen und nimmt es als Anlass, die Übung sofort zu unterbinden und Nadine vom Pferd herunter zu beordern (Ich bewundere den Mann für seine Nerven, ich wäre wohl nicht so ruhig geblieben)

Er betont noch einmal, was für eine unglaubliche Entwicklung Shiva durchlaufen hat, und dass Nadines Reitkünste unter Umständen den Reittierkünsten ihrer Stute nun ein wenig hinterherhinken. Er bittet sie inständig darum, Reitstunden zu nehmen, also viele Reitstunden, und sich eine gute Reitbeteiligung zu suchen, die dafür sorgt, dass dem Pferdchen der Spaß am Reiten nicht direkt wieder abhanden kommt. Nadine sagt zu allem Ja und Amen, dass sie nicht wirklich verstanden hat, was ZöpfchenBernd ihr durch die Blume sagen wollte, wbeweis sie eine Minute später. Sie wolle intensiv mit ihrem Pferd zuhause weiterarbeiten, nachdem der Bernd ja so toll angefangen habe, sagt sie glücklich lächelnd in die Kamera (Ich gebe ihr drei Wochen, bis sie wieder freundlich gebeten wird, den Sattel zu verlassen, wer bietet mehr…?). Bernd will die Shiva natürlich nicht nach Hause gehen lassen mit dem letzten Eindruck eines in ihren Rücken krachenden Reiters, aber das kann er vor Nadine und der Kamera natürlich so nicht sagen. Deswegen bietet er den blonden Ladies an, ihnen kurz zu zeigen, dass die polnische Flecki inzwischen auch geländegängig ist. Als beide zustimmen, sitzt er erleichtert auf und macht der Ex-Buckel-Tante beim bergauf galoppieren noch einmal so richtig Qualm auf die Kiste, damit sie zuhause wenigstens an den ersten paar Tagen Nehmerqualitäten beweist.

Ich behaupte ja, nach dieser Folge waren ausnahmsweise mal nicht alle glücklich. Bernd wird sich in den Allerwertesten gebissen haben, dass er Nadines Reitkünste nicht vor der Annahme seines Berittpferdes überprüft hat, kann er sich doch an den Fingern einer Hand abzählen, wie lange es dauert, bis seine Arbeit wieder zunichte gemacht wird.

Shiva wird sich sehr kurz gefreut haben, dass endlich mal jemand in ihrem Sattel sass, der ein wenig Ahnung von dem hat, was er da tut. Danach wird sie vermutlich in Depression verfallen sein, nachdem sie sich in Nadines liebevoller Fürsorge wiederfand.

Nadine scheint sich wenn überhaupt auch nur sehr kurz gefreut zu haben, das Pferd wurde nämlich kurz nach Ausstrahlung der Sendung verkauft.

Gefreut haben dürfte sich VOX, die Rechnung: Wildpferd wird von Profi im Handumdrehung kuriert, ging zur vollen Zufriedenheit auf…

Ich habe im Übrigen etwas wirklich Wichtiges gelernt:
Ich werde in meinem ganzen Leben nie wieder ein junges Pferd an jemanden verkaufen, dem ich das Reiten Desselbigen nicht zutraue. Wenn man Pech hat, versuchen diese Schrottvögel ja anscheinend, alles selbst zu machen, verunglimpfen einen dann als böööösen Händler und bezichtigen einen der Rosstäuschung mittels Betäubungsmittel. Und das Ganze dann noch im Fernsehen; nein Danke!!!!!

Und Leuten wie Nadine rate ich: Spart das Geld, was ihr für euren fleischgewordenenen Wendytraum vom eigenen Barbiepferd ausgeben wolltet und investiert es lieber in Reitstunden. Nach einer angemessenen Anzahl letzterer und dem unabhängigen OK von mehreren Leuten, die wissen, wovon sie reden, könnt ihr euch meinetwegen kaufen was ihr wollt…
Ganz ehrlich, sowas gibt’s auch nur bei Tieren, ich kenne niemanden, der losgezogen wäre um sich einen Ferrari zu kaufen, bevor er den Führerschein in der Tasche hatte. Und ganz im Gegensatz zum Ferrari kommt es hier bei menschlichem Versagen nicht nur zum teuren Blechschaden, ein Pferd ist ein Lebewesen, das (vor allem in jungen Jahren) durch solche Reitnullen ganz, ganz schnell zum Problempferd wird.

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