Die Pferdeprofis 02.04.2016



Angstreiter hoch zwei

Weiter geht’s mit die ProViehs. Leider muss ich wohl sagen, denn irgendwie wird das alles nicht besser, was uns da Samstäglich aus dem Bildschirm so als professionelle Pferdetherapie verkauft wird. Also zumindest meinem subjektivem Empfinden nach. Ich darf das so empfinden und ich darf das auch aufschreiben. Für alle die, denen das nicht gefällt: Dreht euch dreimal um euch selber, klatscht dabei in die Hände und singt ein Kinderlied. Dadurch hör ich zwar nicht auf zu schreiben, aber ihr werdet garantiert für gute Laune sorgen.

Der Tragödie zweiter Akt, dessen dreizehnter Teil: Von einer, die auszog, das Fürchten zu lernen…

Frau Prüma hat heute ein Doppeldate. Eine Paartherapie erzählt sie uns, während sie mal wioeder unangeschnallt durch die rheinische Pampa bügelt. Sie hat nämlich ein Ehepaar ebst reitbaren Untersätzen im Visier, die alle miteinander Probleme haben. Also untereinander, so in der Pferd- Mensch Beziehung. Sonja und Stephan wollten sich ihren Traum erfüllen und mit Tinker Harry und Kaltistute Kathleen Hand in Hand in den Sonnenuntergang reiten. Das funktioniert aufgrund einiger traumatischer Erlebnisse nur im Moment so überhaupt gar nicht mehr. Sonja hat einen braven Tinker, Harry, den eigentlich so gar nix schockt. Nur hat sie leider Angst vor dem reiten, weil Harry sich bei einem Ausritt durch einen Fehltritt so auf die Nase gelegt hat, dass seine Reiterin sich mit dem Kopf auf einen Felsen fallend das Steißbein brach. Seitdem reitet die Angst immer mit, bzw. eher nicht, denn Sonja reitet lieber gar nicht mehr. Stephan hat seine dicke Kathleen von einem belgischen Fahrstall geshoppt und beim reiten genau zwei Anläufe gebraucht um festzustellen, dass seine vierbeinige Partnerin genauso eine Angstpatientin ist, wie seine zweibeinige. Beide Male hat sie ihren Reiter verloren, einmal durch hinlegen und wälzen einmal hat sie sogar ihren Reiter mit Sattel abgesetzt(Das hätte ich im Übrigen gerne als Videobeweis gesehen, Anm. der Chronistin) und ist alleine nach Hause getapert.

Sandra ist sich der Komplexität des phobischen Themas vollkommen bewusst, nimmt sich der kniffligen Aufgabe aber dennoch gerne an. Sonja und Stefan freuen sich auch, als die heilenden Hände schließlich im Offenstallparadis eintreffen und stellen sogleich ihre Vierbeiner vor. Sandra prüümat erst mal die kalte Kathleen an und will sich ansehen, wie diese sich beim Satteln so anstellt. Kathleen legt aber leiber den Rückwärtsgang ein, was bei Sandra Mitleid in allerhöchster Ausprägung auslöst, welches sie durch eine breite Geräuschpalette zum Ausdruck bringt. Als die Stute schließlich mit verkniffenem Gesicht stehen bleibt und das Westernsattelmonstrum auf ihrem Rücken duldet ist sich der ProVieh sicher: Im alten Zuhause ist etwas Schreckliches vorgefallen, der Kalti ist extremst traumatisiert. Man weiß ja schließlich nie, was die Ausländer mit den Pferden so machen, vor allem die Kutschefahrer (Vielleicht ist sie auch traumatisiert weil ihr jetziger Reiter zwei Mal runtergekippt ist, vielleicht war sie auch einfach vorher gefahren, aber nicht so richtig geritten, das ist aber genauso Spekulation wie die angebliche Traumatisierung durch die vermaledeiten Belgier, Anm. der Chronistin) Sandra fühlt irrsinnig mit der Stute mit und freut sich, dass Kathleen sie nicht über den Haufen rumpelt, Sonja tut vor allem ihr Mann leid, der hat sich schließlich so viel Mühe mit der Tante gegeben und selbige gibt ja nun so gar nichts wieder. Da so akut nichts unternommen werden kann, wendet sich Sandra der nächsten Patientin zu. In Seelenruhe hört sie sich Sonjas Leidensgeschichte an und schlussfolgert eiskalt, dass sich alle Probleme und Ängste nur im Kopf des Menschen abspielen. Weil es aber einen Adrenalinaustausch zwischen Reiter und Pferd gibt (Himmel, ich reite nie wieder eine tragende Stute, wenn die Hormone sich durch den Sattel übertragen, schießt mir nachher noch die Milch ein!) muss man aufpassen, dass die Angst der Reiterin nicht auf das Pferd übertragen wird. Deswegen redet sie Sonja gut zu, sich nach langer Zeit mal wieder auf den Puschel zu setzen, der mehr oder weniger gelangweilt in der Gegend rum steht. Sonja will auch eigentlich wohl, hat aber Angst vor Wind, vor Büschen und vor allem vor der Interaktion von beiden. Das findet Sandra ziemlich witzig und lacht herzhaft, weil der Harry schließlich kein Problem mit Windbüschen hat und alle Löwenzahntiger, die Sonja verschrecken von der ritterlichen Sandra umgehend beseitigt werden. Sie redet auf die ängstliche Sonja ein und schleift sie auf ihrem Harry mit sich einmal um die Weide. Dabei betont sie immer wieder, dass nichts passieren könne, dafür ist ein ProVieh am Kopf ja schließlich da (Mich würde mal interessieren, wie sie im Falle eines Falles eingreifen will, wenn sie weder Strick noch Longe am Pferd hat, aber gut, vielleicht hat so ein Profi ja Gummiarme…) Sonja ist nach er Runde schwer erleichtert, vor allem weil sie vorbei ist und steigt dementsprechend gerne ab. Sandra hat die Situation analysiert und ist sich sicher, dass die vier Hübschen eindeutig stationär therapiert gehören, also werden sie auf den Rosenhof beordert.




Da treffen wir das Dreamteam auch nach dem nächsten Schritt. In der Reithalle zeigen die Zweibeiner den Vierbeinern erst einmal an der Hand alle Facetten des neuen Spielplatzes. Sandra erkennt an Kathleens Gesichtsausdruck und ihrem Verhalten, dass die kalte Tante erst einmal eine Seelentherapie braucht, bevor es sich überhaupt lohnt, auch nur über Bodenarbeit nachzudenken. Für Sonja wird es aber hier und heute doch noch Ernst. In den Sattel soll sie, denn schließlich kann man Ängste nur durch Konfrontation abbauen. Da Sonja aber so viel Angst hat, dass es vorerst keinen Sinn macht, sich ihr zu stellen, will Sandra ihr erst einmal bildhaft deutlich machen, dass man sich vor dem Reiten von Harry nun definitiv nicht fürchten muss. Sie erklärt dem geneigten Zuschauer, dass es einem Angstreiter helfen kann, wenn erst einmal ein Profi in den Sattel steigt. Dann sieht der Phobiker nämlich, dass das Pferd so einfach zu bedienen ist, wie ein Matchboxauto und alle Angst fliegt vonhinnen. Weil mit dieser einfachsten aller Lösungen die Sendezeit aber vermutlich ein wenig verkürzt hätte werden müssen, schwingt Sandra sich zwar auf den TinkerWinker, klammert sich aber gleich dermaßen mit dem Bein an Harrys Bauch und mit der Hand an Harrys Zügel, dass dieser wohl denkt, seine neue Reiterin hätte noch viel mehr Manschetten als die alte. Deswegen zieht er den Allerwertesten ein und watschelt in einer Gangart durch die Hallte, die ein wenig an eine übergewichtige chinesische Laufente erinnert. Sandra betätigt weiterhin Gas und Bremse gleichzeitig und fängt an, Stephan erst amüsiert und dann hysterisch anzukrakeelen, er möge bitte mit der Kathleen mitkommen, der Tinker würde halt schon gewaltig kleben und die Sicherheit seiner Stallkameradin würde die Situation eventuell ein bisschen entschärfen. (äääh, wenn der denn so klebt, warum war es Zuhause kein Problem die ängstliche Sonja auf seinem Rücken von Zuhause weg und an Pferdeweiden vorbei zu führen, oder hab ich da das Kleben vor lauter Pattex auf den Augen übersehen? Anm. der Chronistin) Der Tinker spannt den Rücken gewaltig und sieht aus wie eine gefleckte Raketenabschussrampe kurz vor Freigabe des Spaceshuttles. Nach nur drei Prüüma Runden kann Sandra sich dann aber auch mal fast entspannt hinsetzen und freut sich einen Keks, dass sie Sonja zeigen konnte, dass der Harry doch wirklich ein braver Puschel ist. Deswegen soll die endlich auch mal rauf auf die Reitkuh, auch wenn sie vor lauter tiefsitzenden Ängsten von wahren Weinkrämpfen geschüttelt wird. Sie soll sich ruhig Zeit lassen, aber drauf müsse sie halt schon, wenn sie reiten wolle. Schließlich fasst Sonja sich ein Herz und reitet unter Sandras Führung drei Runden durch die Halle führen. Da sie weder im Maul ruppt noch in den Rippen bohrt ist Harry auch wieder der entspannteste Winker der Welt. Stefan freut sich, weil seine frau unter der Anleitung eines absolut professionellen Pferdetrainers natürlich viel eher glaubt, dass sie das kann was sie da tut. Das ist das Ende der Folge aber nicht des Falles erklärt uns Sandra, es sei halt ganz besonders wichtig, dass beim Wiedererlangen des Selbstbewusstseins keinerlei Missgeschicke passieren. So sehen wir im Einspieler, wie sich Sandra in Embryonalhaltung von einem Jausentisch auf die Kalte ohne Sattel gleiten lässt und Harry mit Frau Prüüma im Sattel einen wilden Fluchtversuch vor einem Fahrradfahrer hinlegt. Weiter geht es mit den beiden schweren Problemfällen aber erst nach der nächsten Maus.

Mein privat persönliches Fazit: Hatte ich noch ein bisschen Achtung vor Frau Schneider, habe ich sie hiermit vollendet komplett und ganz verloren. Der gezeigte Umgang mit einer Angstreiterin war nicht nur pädagogisch nicht wertvoll sondern grob fahrlässig (Wie ist das eigentlich vrsicherungstechnisch, wenn Pferd und Reiter bei einem sicherungslos geführten Ausritt zu Schaden kommen? Bei VOX reitet man vermutlich auf eigene Gefahr, könnte ich mir vorstellen). Wie kommt man außerdem eigentlich auf die Idee, eine Person mit Angst vor dem Reiten nach eigenen Angaben „therapieren“ zu wollen, wenn man sich so eben auf dem Pferd halten (Entschuldigung, ich kann auch nicht reiten, aber gegen Frau Prüma seh ich aus wie ein Naturtalent…) kann und mehr Schiss als Vaterlandsliebe ausstrahlt, sobald sich der Untersatz bewegt? Es gibt jede Menge Dinge die man tun kann, um traumatisierten Menschen zu helfen, mit ihren Ängsten umzugehen. Dazu zählen Atemtechniken, Entspannungsübungen und andere psychologische Ansätze. „Da musste halt jetzt mal durch“ ist aber definitiv keiner dieser Ansätze. Muss Frau Prüma aber auch nicht wissen, bislang hat sie ihre Therapiewut ja Gottseidank nur auf Pferde und nicht auf Menschen losgelassen. Ich bin ja mal gespannt, wie das nächste Woche weitergeht, bis dahin versuche ich, meinen Blutdruck wieder in einen Normalbereich herunterzuschrauben.

 

Der Link zum Video auf TVNow (ehmals VoxNow):
http://www.tvnow.de/vox/die-pferdeprofis/list/staffel-4/stute-liesel-pferdepaar-harry-und-kathlene

Schreibe einen Kommentar

Facebook