Die Pferdeprofis, 02.04.2016



Der kalte Blüter

Kurz vor Toresschluss, also vor der nächsten Sendung hier noch eben die Zusammenfassung des zweiten Teils von letztem Samstag. Ja, tatsächlich eine lupenreine Zusammenfassung, denn hier mein Fazit gerne vorab: Bernd Hackl hat sich absolut mit Ruhm bekleckert. Er hat absolut logisch nachvollziehbare Tipps gegeben, die Situation meiner bescheidenen Meinung nach vollkommen richtig analysiert und relativ deutliche Worte der Vermittlung gefunden. Chapeau, Herr Hackl bitte gerne weiter so. Die Zusammenfassung wird aufgrund meiner eklatanten Zeitknappheit recht knapp ausfallen, ich bitte die Leser, mir das nachzusehen, mal schauen, was ich in der nächsten halben Stunde so in die Tasten gezimmert bekomme.

Der Tragödie zweiter Akt, dessen vierzehnter Teil: Liesl im Streik

Zöppl-Berni ist mal wieder unterwegs, zu Liesl und Ruth geht es heute, erstere eine vierjährige Kaltblutstute mit schwarzem Langhaar, zweitere deren blond belanghaarte Besitzerin. Ruth hat die Liesl selber angeritten, weil sie als erfahrene Reiterin, so erklärt uns der kluge Kommentator schon nach eigener Angabe viele als im Gelände unreitbar deklarierte Pferde zu im Gelände reitbaren Pferden gemacht hat. Bei Liesl ist sie allerdings mit ihrem erfahrene-Reiter-Latein am Ende, denn richtig Reiten hat sie der Liesl nicht beibringen können. Draufsitzen geht vom allerfeinsten, dann geht aber nix mehr. Buchstäblich, nicht mal die Liesl geht, keine zehn Zentimeter. Das will sich der Profi mal aus der Nähe ansehen und fragt Ruth nach dem allgemeinen Betragen der kalten Lady. Das sei geradezu Musterschüler-verdächtig erläutert und die drahtige Blondine, im Umgang und so gebe es wirklich überhaupt keine Probleme mit der jungen Dame. Bernd kennt seine Pappenheimer und will diese Aussage nicht ungeprüft dastehen lassen. Dementsprechend mäöchte er sich ein Bild von der Tadellosigkeit des Lieselschen Benehmens machen. Ruth stratzt auch mit stolzgeschwellter Brust los und will ihr dickes Doppelpony in einen Laufstallbox verfrachten. Liesl sieht das leider gar nicht ein und rammt ihre Klodeckelhufe in den Betonboden. Ruth zieht und zerrt was die Ärmchen hergeben, Liesl zieht den Joker und steht das gekonnt aus. Daraufhin bugsiert die stolze Reiterin das edle Ross eine Box weiter, und siehe da, diese scheint der Dame des Tages besser zu gefallen, dort marschiert sie problemlos hinein. Zöppl kommen leise Zweifel an der Problemlosigkeit des Umgangs, das lässt er mit amüsanter Wortwahl auch die Ruth wissen und bittet darum, das Streitross doch einmal in Richtung Reithalle zu bugsieren.

Der Weg dorthin verläuft auch beinahe ohne Zwischenfälle, die dreizehn Mal an denen Liesl sie entweder über den Haufen rummst, spontan die Richtung wechselt, anhält, oder um sie herumkreiselt, lächelt die erfahrene Reiterin tapfer weg. In der Reithalle angekommen, soll der Blondschopf den Schwarzschopf satteln und Trensen. Beides geht mit viel Glück ohne nennenswerte Flurschäden an Zehen und Fingern des Zweibeiners von Statten und Ruth schwingt sich alsbald behände in den Sattel. Und dann tut Liesl wieder, was Liesl eben so am liebsten tut: Nichts. Ruth kann ruckeln, treten und ziehen wie auf einem Plastikpferd im Kirmeskarussell, Liesl stiert gelangweilt Löcher in die Hallenwände und bewegt sich keinen Millimeter. Bernd heißt Ruth denn auch, abzusteigen und nimmt sich die Problembesitzerin erst mal zur Brust. Ignorant und schlecht erzogen findet er das Zugschnitzel, erklärt er der baff erstaunten Ruth und dem geneigten Zuschauer, keinerlei Respekt habe die dicke Dame vor ihrem Möhrchengeber. Um diese Worte zu unterstreichen und dem Lieselchen eine mit dem Zaunpfahl zu verplästern, nimmt er auch sogleich das Führseil in die Hand und beginnt mit dem Respektstraining. Rückt die Dicke ihm auf die Pelle haut er mit dem Seil um sich, dass es nur so pfeift und klatscht. Ruth ist relativ erschrocken, plädiert sie doch für den gewaltfreien Umgang mit Pferden und kriegt bei dem ganzen Geklatsche und Gepfeife den Unterkiefer fast nicht mehr aus dem Hallensand gekratzt. Da es Liesl aber vollkommen selbstüberlassen bleibt, ob sie sich im Einzugsbereich des fliegenden Seilendes aufhalten will, oder lieber Abstand halten und sie sich als durchaus clever erweist, sind keine nennenswerten Treffer zu verzeichnen, dafür aber ein bemerkenswerter Kurzfristerfolg. Liesl hält Abstand und läuft in Tempo nach Wahl in Richtung nach Wahl. Also Bernds Wahl, nicht Liesls. Ruth ist baff erstaunt ob der Verwandlung ihres Arbeitsverweigerers und ist sich nunmehr sicher, einen echten Profi bei der Arbeit bewundern zu dürfen. Bernd weiß aber dass Respekt vor Bernd nicht gleichbedeutend mit Respekt vor Ruth ist, also soll Ruth die Übung mit dem Tempo und der Richtung wiederholen. Dafür wirft er einige Tennisbälle im Abstand von ca. 2 Metern auf eine imaginäre Linie und bittet Ruth, ihre Stute mit Hilfe der Körpersprache in jeweiligen Halbkreisen um ihren Fuß, der auf dem jeweiligen Tennisball steht, herumzubugsieren. Da Ruths Körpersprache aber in etwa so eindeutig ist, wie eine Nachricht auf einem maschinengewaschenen Taschentuch, ist die eigentlich motivierte Kalte alsbald recht desorientiert und verfällt in altbekannte Verhaltensmuster. Bernd nimmt folgerichtig alle Tennisbälle bis auf zwei aus der Bahn und fordert Wiederholung. Das klappt, Bernd ist zufrieden, die Baumrückelfe kann ins Bett und Ruth soll ihre Hausaufgaben machen.




Drei Wochen später reist Bernd wieder an um die Erledigung selbiger zu überprüfen. Er traut Aug und Ohren nicht, als er eine hektische Ruth vorfindet, die zwar ihre Körpersprache genauso desolat einsetzt wie beim ersten Versuch, dafür ihre orale Sprache umso deutlicher. Sie kreischt und hickst wie ein Kakadu, der einen Feuermelder imitiert und Liesl versteht ganz offensichtlich die Welt nicht mehr. Teilerfolg: Sie läuft, leider nur nicht in Richtung und Tempo, die Ruth sich so vorgestellt hatte. Bernd schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und erdet die hysterische Kombo erstmal wieder auf Normalnull. Mit freundlichen Worten erläutert er Ruth, dass Bestimmtheit nichts mit Hektik zu tun at, und Durchsetzen nichts mit Rumkreischen. Diese ist komplett verwirrt, wähnte sie sich doch vollkommen auf dem rechten Weg der Aus- und Weiterbildung. Bernd installiert ein neues Trainingsspiel. Um die blondbelockte wird ein U aus Stangen gelegt, um welches Liesl erst traben und innerhalb welchem Liesel dann Schritt gehen soll, und zwar um die mit einem Bein an den Boden zementierte Ruth. Nach Vormachen und diversen Erklärungen kann Ruth die Liesl auch einigermaßen auf Kurs halten, damit wird Liesl entlassen, Bernd und Ruth gehen Kaffee trinken (Ich an Bernds Stelle hätte da wirklich viel Irish in meinem Coffee gebraucht, aber der Kollege ist anscheinend wirklich hart im Nehmen…)

Bernd ist bei der nächsten Visite zufrieden und plant den nächsten Schritt. Liesl soll lernen, Führung auch hinter sich zu akzeptieren. Auf Höhe der Schulter erklärt er erst Liesl, dass man links und rechts abbiegen kann, ohne wie ein stures Langohr die Beine in den Sand zu rammen und danach Ruth, wie sie ihrem Pferd ohne Ziehen und zerren begreiflich machen kann, wo sie eigentlich hinmöchte. Nachdem diese Navigationsfunktion installiert ist, wird Blondlöckchen ins kalte Wasser, pardon, auf den kalten Blüter geworfen und darf ein Ründchen reiten. Und siehe da: Schritt funktioniert wie aus dem Ei gepellt, Traben zuerst nur stockend. Nachdem Bernd mit treffender Wortwahl deutlich macht, dass Zügel eher zum Lenken und Bremsen als zum festhalten gedacht sind, kann Liesl auch eine anatomische Kopfhaltung einnehmen und trabt entspannt ihre Runden. Der Trainer merkt die überlangen Bügel des Reiterleins an, (welches in meiner Wahrnehmung im Übrigen im Sattel ähnlich sitzt, wie ich auf einem Gynakologenstuhl, Anm. der Chronistin), dieses will seine Komfortzone aber nicht verlassen und hoppelt in der Anmut eines festgebundenen Rosenstocks auf der geduldigen Liesl glückselig in der Runde. Ein Löchlein könnte man die Beinstabilisatoren eventuell verkürzen, aber grundsätzlich fühle sie sich schon ganz wohl. Außerdem hat sie augenscheinlich eh grad keine Zeit sich über Ausrüstungsgegenstände Gedanken zu machen, sie grinst nämlich wie ein Honigkuchenpferd, weil sie zum ersten Mal auf Liesl trabt.

DA Bernd anscheinend ähnlich knapp an Zeit ist, wie meine Wenigkeit, schafft er es erst sechs Wochen später einen erneuten Hausbesuch in seinem Terminplan unterzubringen. Zu diesem kommt er auch noch zu spät und sucht sich zuerst im Stall und dann in der Halle umsonst einen ab. Liesl und Ruth sind nirgends zu sehen, tauchen dann aber am Horizont aus dem Gelände auf. Zusammen, also Ruth auf der Liesel obendrauf. Das freut den ProVieh natürlich ungemein, allerdings gibt er sich mit dem ersten Eindruck natürlich nicht zufrieden, solche Bilder können ja auch täuschen. Deswegen juckelt die inzwischen deutlich kurzbügligere Ruth die zufrieden wirkende Tante auf den Platz und juckelt entspannt in allen drei Grundgangarten um den Bernd herum. Dieser ist folgerichtig hellauf begeistert. Weil so eine Profifolge natürlich nicht ohne ein gewisses Maß an Aktion vonstattengehen darf, wird Liesl kurzerhand eine Phobie vor Lastkraftwagen angedichtet und genau so einer kommt natürlich gerade angefahren. Untermalt mit dramatischer Musik, sehen wir, dass absolut nichts passiert. Die schwatte Kalte schnarcht vor sich hin und am Ende sind mal wieder alle glücklich. Bernd, weil er mit relativ wenig Aufwand ein optimales Ergebnis erzielen konnte und seine deutliche Manöverkritik in bemerkenswert lockere und lustige Worte verpacken konnte (nochmal: Hut ab…) und Ruth, weil sie die inzwischen eingesehene eigene Unzulänglichkeit erfolgreich gegen Zulänglichkeit eintauschen konnte. Liesl ist am allerglücklichsten, faszinierender weise freuen sich die meisten Pferde, etwas tun zu können, wenn man ihnen denn einfach nur verständlich mitteilt, was sie tun sollen.

Damit sollte eigentlich Ende sein, denn mein Fazit gab’s bereits zum Anfang. Nur eines noch: Man soll ja immer positiv verstärken, erwünschtes Verhalten belohnen und so… Verhält sich ja vielleicht mit trashigen Unterhaltungs-Help-Formaten auch so wie mit Pfrden, Hunden oder Männern:

In dieser Folge hat kein einziger Patient gehumpelt. PRÜÜÜÜMA, Proviehs, weiter so!!!!!!!

Der Link zum Video auf TVNow (ehmals VoxNow):
http://www.tvnow.de/vox/die-pferdeprofis/list/staffel-4/stute-liesel-pferdepaar-harry-und-kathlene

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