Die Pferdeprofis 19.03.2016 Der Norweger mit Geschmack



An dieser Stelle sei trotz gebetsmühlenartiger Widerholung meinerseits nocheinmal darauf hingewiesen: Ich finde die Sendung „Die Pferdeprofis“ auf VOX einfach kacke. Dieser meine Empfindung verleihe ich in Form einer überspitzten Nacherzählung in (für mich) recht amüsanten Stil Ausdruck. Glaubt mir, ich darf das, weil diese Fernsehsendung öffentlich über den Äther ausgestrahlt wird und die Akteure somit auch öffentlich kommentiert werden dürfen. Ich bin genauso wenig dazu angehalten, mich zuerst an die eigene Nase zu fassen, wie Tipps für besseres Training zu erteilen. Ihr dürft gerne mein Geschriebsel genauso überflüssig finden, wie ich diese Sendung, es lebe die Meinungsfreiheit. Negative Kommentare finden hier genauso ihren Platz wie positive oder Erfahrungsberichte mit den Profis aus dem wahren Leben. Ich habe ausdrücklich keine persönlichen Aversionen gegen irgendeinen der Mitwirkenden, mich macht einfach das Ergebnis auf dem Fernsehbildschirm fassungslos bis wütend. Woran das liegt, weiß ich nicht, kann ich auch nicht beurteilen.

In diesem Sinne:

Der Tragödie zweiter Akt, dessen zehnter Teil: F wie Falko, F wie Fett, F wie Frech, V wie Verzogen.

Der Bernd hat heute einen skandinavischen Patienten. Falko, ein vollkommen verfetteter fünfjähriger Norweger lebt bei seiner Besitzerin Melanie in einem Offenstallparadis in der Nähe von Regensburg. Im Einspieler sehen wir Melanies Bewerbungsvideo. Sie demostriert uns eindrucksvoll, dass Falko sich gebärdet wie eine Schnappschildkröte, sobald sie ihn zu irgendeiner Art von Arbeit überreden möchte. Während sie leicht debil in die Kamera erzählt, dass sie eigentlich keinen Norweger wollte, sich aber über das Kleinbanzeigenportal eines Internetauktionshauses direkt in den flotten Falko reinverliebt hätte, kaut dieser auf der Führkette rum und wedelt damit lustig durch die Luft. Weil Führketten auf Dauer aber wenig Nährwert enthalten, beisst er mit großer Vorliebe auch in seine niedliche jugendliche Besitzerin. Sie erklärt uns grinsend, dass ihr Oberarm bereits in seinem Monstermaul verschwunden und einer ihrer Finger schon einmal ‚fast ab‘ war. Danach versucht sie, dem frechen Pony ein Stangengebiss auf dem innovativ eingezäunten Reitplatz in die Schnauze zu organisieren, leider ohne Erfolg. Als Falko sowohl das Zaumzeug als auch Halfter mit Führkette erfolgreich in den Dreck getreten hat, zuckt sie ernüchtert die Schultern und teilt uns mit, dass sie ihre Bemühungen jetzt einstellt und aufgibt.

Nur weil Melanie die Flinte ins Korn wirft, tut Zöppel-Berni das noch lange nicht. Bewaffnet mit Knotenhalfter und Zentrifugierstrick kommt er hochmotiviert bei Melanie und Frettchen-Fjordi an. Diese stiefelt auch gleich los, um den lustigen Gelben zum Arbeiten abzuholen. Das klappt auch hervorragend, aber als das Gespann auf den Reitplatz abbiegt, macht Bernd wohlweislich schnell den Draht zu. Besser ist es, stellt sich schnell heraus, den Falko dreht der ganzen Situation den Allerwertesten zu und ist dann mal weg. Melanie tut ihr Möglichstes um den sturen Lumpi am Ausreissen zu hindern, ist aber gegen 500 kg geballte Ponypower machtlos. Und das gleich zwei Mal hintereinander. Deshalb wird kurzerhand das Halfter vom Ponykopf montiert und Melanie scheucht den gelben Skandinavier mit einer Peitsche medium motiviert über den Reitplatz. Falko bockt auch recht lustig durch die Gegend, nach der Bodenarbeit, die uns der kluge Kommentator angekündigt hat, sieht das aber nicht so wirklich aus. Deswegen wird das Tierchen wieder zur Besitzerin beordert, mit Westernpritsche gesattelt und trotz heftiger Gegenwehr getrenst. Da diese das Equipment erst holen muss, bietet sich Bernd an, Falko solange zu arretieren. Da er aber in bester ProVieh-Manier mal wieder keine Handschuhe trägt, lässt er selbigen beim ersten Fluchtversuch freiwillig stiften gehen, weil ihm sonst das Führseil die Finger verbrennen würde (Ja, das haben diese verdammten Stricke so an sich). Beim Besteigungsversuch von Melanie versteht es der dicke Norweger, sich mit heftigem Hufgescharre und geschickten Drehmanövern vor der Verwendung als Reitpony zu entziehen. Diese wendet Trick Siebzehn an und versucht den norwegischen Brocken von der rechten Seite zu erklimmen. Hier bei behält Falko zwar die Position, beißt bedingt durch mangelnde Kontrolle des linken Zügels seiner Reiterin zur Motivation beim Aufsteigen aber noch einmal kurz ins Bein. Bernd fragt nach, ob der Falko nur kaut oder auch schluckt und unterbindet weitere Reitversuche aus Sicherheitsgründen.

Als Nächstes stülpt er sein mitgebrachtes Knotenhalfter auf den Ponyschädel und zentrifugiert das dicke Tier von längs nach quer über den weitläufigen Platz. Dieses scheint sich zunächst in sein Schicksal zu fügen, bei der kleinsten Unachtsamkeit auf Zöppels Seite sucht es aber sofort wieder sein Heil in der Flucht. Bernd ist um seine unbehandschuhten Hände bedacht und lässt den Kollegen ziehen, nimmt diese Aktion aber zum Anlass, eine stationäre Therapie zu empfehlen. Damit ist der Falko von der Arbeit entlassen und grinst sich Einen ob seines klaren Siegs nach Punkten und Knock Out.
Auf der MRanch von Ex-Azubi Alex angekommen werden Falko und Melanie in das löcherig bebretterte RoundPen verfrachtet. Hier scheucht erst Bernd das explodierte Sofakissen mit einem Tütenstock in der Runde und übergibt letzteren als Staffelstab alsbald weiter an Melanie. Diese soll ihrem dicken Pony mit der Raschelpitsche ordentlich Zunder unterm Hintern machen, aber sobald Falko mit einem Ohr zu ihr hinsieht damit aufhören und zurückweichen. Als Krönung darf sie zu ihm hingehen und ihm über den Schädel streicheln, damit er danach hinter ihr herwatschelt. Dieses Spiel haben beide Hauptakteure auch ziemlich schnell ziemlich gut verstanden, deswegen wird nun der Schwierigkeitsgrad erhöht. Das Halfter wird wieder um den Kopf geknotet und nun ist die Melanie selber dran mit dem Zentrifugeneinsatz. Nachdem dieser sie mal wieder gekonnt ignoriert und lässt das Führseil fliegen und ihm mit dem Raschelstock ordentlich die Hausordnung vorzulesen. Einer glücklichen Fügung ist es zu verdanken, dass das Pony nur aufgrund von suboptimalen Bodenverhältnissen ein bisschen stolpert und nicht aus vollem Go auf das Seil tritt um sich das Knotenhalfter in den Kopf zu donnern, sich das Nasenbein zu brechen, oder einen Salto vorwärts zu schlagen. Mit etwas Nachhilfe vom Bernd hat die dauergrinsende Melanie dann auch alsbald die Kontrolle über des Falkos Hinterkiste erlangt und kann ihn zu spontanen Handwechseln überreden. Damit soll die Trainingseinheit für heute beendet sein und Bernd ist mit seiner Schülerin zufrieden. Melanie ist auch zufrieden und findet richtig gut, was sie da tut.




In der nächsten Einstellung finden wir uns in der Reithalle wieder. Bernd hat den Falko mit dem Knotenhalfter an einem Metalpanel festgebunden (Beides keine guten Ideen, Anm. der Chronistin) und will den Norweger satteln, damit aus dem Bodenarbeits- mal wieder ein Reitpony wird. Beim Satteln fällt es Melanie wie Schuppen von den Augen, es könnte schon sein, dass sie zu nett zum fetten Pony gewesen ist, und ihm einfach auch mal nicht gesagt hat, wann es sich falsch verhalten hat. Das liegt aber vor allem daran, dass sie keinen Freund hat. Wenn man in Zukunft zusammen reiten könne, also sie und das Pony, dann würde das die Beziehung aber sicher festigen, freut sie sich wie ein Grinsekeks. Bernd hat dem Fjordi ein Bosal verpasst und will nun in den Sattel. Jegliche Form der Arbeitsverweigerung, ob drehen oder beißen wird sofort und konsequent geahndet, sodass der Gelbe in Rekordzeit erklommen ist. Nachdem Bernd den kurzhalsigen Skandinavier von längs nach Quer so richtig durchgestellt hat und wieder einmal diverse Bremsmanöver mit dem Pferdekopf gegen die Bande durchgeführt hat, traut er sich ein kleines Galöppchen zu. Falko schmeißt auch nur einmal kurz den Arsch hoch und benimmt sich danach tatsächlich wie ein Reitpferd. Deswegen darf Melanie dann auch noch einmal drauf. Sie soll zwar im Kreis um Bernd herumreiten und die Lenkung ein wenig testen, eiert aber in Schlangenlinien ganze Bahn, die ein bisschen so wirken als hätte ein Teil des Reiter Pferd Duos ein bis zwölf über den Durst getrunken. Falko versucht aber brav der doch minimal widersprüchlichen Hilfengebung seines Reiterleins zu folgen und darf deswegen dann auch ins Bett.

Einige Monate später kommt dann der ultimative Test. Falko soll mit Melanie durch den Trailparcours, zunächst geführt und dann geritten. Er stampft durch Das Geäst als hätte er nie etwas anderes gemacht, deswegen schnappt sich Zöppl jetzt auch ein Pony und man reitet gemeinschaftlich in die bayerische Prärie. Bergan empfiehlt Bernd Melanie, die hinter ihm reitet, ihrem Pony am Gebiss ein bisschen zu helfen, damit es nicht stolpert. Das hätte er gar nicht zu sagen brauchen, hängt Melanie dem Tierchen doch sowieso permanent in der Schnauze. Beim abschließenden Trab fällt es dem geneigten Zuschauer wie Schuppen von den Augen: Die Melanie sitzt nicht nur zum ersten Mal auf ihrem eigenen Pferd, sondern zum ersten Mal überhaupt. Sie fliegt bei jedem zaghaften Ponyschritt einen halben Meter aus dem Sattel, kommt in Rücklage und versucht diese am Zügel ziehend wieder auszugleichen. Zurück auf der Ranch ist Bernd sich sicher, dass Falko jetzt Nehmerqualitäten genug entwickelt hat und Melanie gut mit ihm zurecht kommen wird. Und wenn nicht, grinst sie nach wie vor leicht verwirrt dreinschauend in die Kamera, dann weiß sie ja, wo es kompetente Hilfe gibt.

Mal im Ernst: An der Arbeit von Bernd gibt es von der Herangehensweise her nichts auszusetzen. Ein Blinder mit dem Krückstock konnte sehen, dass dieses Mistbiest frech und unerzogen war und man um eine deutliche Ansage niemals drum herum gekommen wäre. Mich stören aber nach wie vor die Sicherheitsaspekte. Wenn Bernd keinen Helm und keine Handschuhe tragen will, sein Kopf, seine Hände, sein Bier. Aber ein Pferd am Knotenhalfter an einem beweglichen Panel anzubinden ist grob fahrlässig. Genauso einer Schülerin zu empfehlen, die am Knotenhalfter fix befestigte Leine einfach wegzuwerfen und von hinten ordentlich Qualm zu machen. Wenn er so einen Schwachsinn in Zukunft einfach unterlassen könnte, würde ich mit meinem Urteil vermutlich deutlich gnädiger werden. Was das Gebremse gegen die Wand und die übertriebene Biegung des Halses soll, ist mir als Vertreter der klassischen Reitweise nach wie vor ein Rätsel, bei uns macht man so vor allem eins: Pferde mit Ansage kaputt. Wenn das im Westernreiten aber ein gängiges Prozedere ist, dann soll mich das nicht weiter stören.

Die Grundaussage dieser Sendung dagegen ist mir eindeutig zu kurz gekommen: Liebe Kinder, auch wenn ihr keinen Freund habt und auch wenn ihr schon mal ein Pony gestreichelt habt in eurem Leben. Bitte, bitte, kauft euch nicht einfach ein junges Pferd, auch wenn es euch noch so kulleräugig vom Bildschirm anglotzt! Wenn ihr unbedingt ein Pferd haben wollt, dann kauft euch eins, was zu euren Fähigkeiten passt, sucht euch einen guten Reitlehrer und lernt verdammich noch eins, wie man mit Pferden umgeht und wie man sie reitet! Alternativ gibt es auch Reitschulen oder Reitbeteiligungen, um zumindest die Grundbegriffe zu festigen, bevor man sich in das Abenteuer eigenes Pferd stürzt. Ich wage zu prognostizieren, dass die von Melanie so gewünschten Ausritte mit ihrem Falko in Eigenregie nicht lange so locker flockig funktionieren werden. Solche Pferde sind oft Dauerpatienten, die nach dem dritten Rückfall irgendwann einfach nicht mehr korrigierbar sind. Diese sind dann schön günstig bei den Kleinanzeigen als Problempferd zu erwerben und warten auf den nächsten an Selbstüberschätzung leidenden Selfmade-Profi, der gerne mal was retten möchte.

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