Frau Prüma in der Live-Show



Am 24.04.2016 hatten wir Gelegenheit den „Problempferde Demotag“ mit Sandra Schneider zu besuchen und uns live vor Ort einmal anzuschauen, wie Sandra Schneider ihr Pferdetraining gestaltet wenn die Kameras von VOX nicht zugegen sind. So starteten wir am frühen Morgen aus der Pfalz und machten uns auf den Weg ins Saarland, zum Gestüt Wiesenhof in Saarlouis. Der vierten Station von Sandra Schneiders Problempferdetour quer durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Sandra Schneider und die Pferdeprofis

Sandra Schneider ist leidenschaftliche Westernreiterin und arbeitet bereits seit 2004 als selbstständige Pferdetrainerin in Deutschland. Um sich dieses Ziel verwirklichen zu können, hat die zertifizierte Pferdekommunikationstrainerin Deutschland im Jahr 2003 verlassen um in New Mexiko (USA) auf der Tumbleweed-Ranch ihre Ausbildung zum Trainer zu absolvieren.
Seit 2012 steht sie in Deutschland regelmäßig für das VOX-Format „Die Pferdeprofis“ vor der Kamera und therapiert dort Pferde mit Menschenproblemen, wobei sie bei den Zuschauern besonders für überschwängliches Lob und ein fast schon legendäres „Prüüüüma“ bekannt geworden ist. Wer die Sendung der Pferdeprofis regelmäßig verfolgt, wird sich sicher sofort erinnern. Haben wir auch… und so starteten wir mit einem bestimmten Bild von Sandra Schneider und ihrem Pferdetraining nach Saarlouis…

…und sollten überrascht werden.

Problempferde-Demotag – Alles prüüüma, oder doch nicht?

Auf dem Wiesenhof empfängt uns ein einzelnes Plakat auf einer Aufstelltafel, welches uns den Weg zur Reithalle weißt. Einige Leute stehen bereits vor der Halle und warten mehr oder weniger Geduldig darauf, dass sich die Tore zur heiligen Halle öffnen um eingelassen zu werden. Beim unterhalten und zuhören lässt sich recht schnell feststellen, dass die meisten Leuten recht ähnliche Erwartungen an die Veranstaltung haben und einige Sandra Schneider und ihrem eher sanften Pferdetraining gegenüber durchaus skeptisch eingestellt sind. Es wird sich (auch über) Prüüüma unterhalten und die Stimmung ist super.
Nach dem Einlass füllt sich die Tribüne um 10.00 Uhr dann allerdings in beeindruckender Geschwindigkeit. In wenigen Minuten ist die Halle bis auf den letzten Platz belegt und Mina Entertainment baut schnell noch ein paar zusätzliche Bänke und Tische auf, damit jeder der über 200 Besucher ein Plätzchen findet. Schnell noch ein Kaffee und dann soll es auch schon losgehen.

Es folgt eine kurze Ansage durch die Lautsprecher, in der die Verhaltensregeln für das Publikum während der Show erklärt werden. Wer jetzt an Verbote denkt, sitzt allerdings auf dem Holzpferd. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen dass Foto- und Videoaufnahmen zu jederzeit gestattet und gewünscht sind. Allerdings unter der Voraussetzung, die Aufnahmen ohne Blitz vorzunehmen, was in der hellen Veranstaltungshalle problemlos möglich ist.




Dann betritt Sandra Schneider, pünktlich um 11 Uhr, bestens gelaunt die Reithalle.
Noch bevor Sie mit ihren Ausführungen zum Demotag und den Pferden beginnt, lädt sie das Publikum dazu ein, während der Veranstaltung Fragen zu stellen und auch Kritik zu üben, falls sie aus Sicht des Publikums angebracht sein sollte.
Sie berichtet über die Motivation für ihre Demotour und stellt direkt zu Beginn des Tages klar, dass sie keins dieser Pferde, in der hier zur Verfügung stehenden Zeit, dauerhaft korrigieren wird. Das Veranstaltungsziel sei nicht die Spontanheilung von Problemen, die sich in den Pferden über viele Jahre hinweg gefestigt haben, sondern eine Begutachtung des Verhaltens, die Ursachensuche und die Chance den Pferdebesitzern einen Lösungsweg für ihre Probleme an die Hand zu geben. Diese Schilderung rückt den, doch etwas seltsam anmutenden Veranstaltungsnamen „Problempferde-Demotag“, in einen realistischen Rahmen mit klarer Zielsetzung. Nach dieser sehr sympathischen Geste startet der eigentliche Vortag.

Von spanischen Männern und einem Wallach als Chef

Das erste Pferd, das laut wiehernd die Halle betritt ist ein 22 Jahre alter Spanier. Kurz hinter dem Pferd, folgt seine Besitzerin, womit man das große Hauptproblem auf schon beschrieben hätte, denn der sympathische Wallach mit dem leichten Gewichtsproblem ist sich ganz sicher wer in dieser Pferd-Mensch Beziehung die Richtung vorgibt. Leider ist das nicht seine Besitzerin.

Sandra Schneider lässt sich von der Besitzerin ausführlich die Probleme mit ihrem Pferd schildern. Zusammengefasst kann man sagen, der Wallach drängelt, schubst und bewegt seine Besitzerin recht zielsicher in die von ihm gewünschte Richtung, indem er sie einfach über den Haufen panzert. Dieses Verhalten zeigt er mit Vorliebe bei Frauen, was Sandra Schneider u.a. auf seine Ausbildung in Spanien zurückführt. Die spanischen Methoden der meist männlichen Bereiter, sind von unserer deutschen „Verwöhnkultur“ fürs Pferd ja nun doch ein gutes Stück entfernt und ein Pferd, das harte spanische Schule durchlaufen hat und noch dazu sehr spät gelegt wurde, wittert bei einem unsicheren Besitzer dann oftmals die Chance sich zu behaupten.
Dies wird auch während der Unterhaltung mehr als deutlich. Der Wallach steht nicht still, dreht Kreise um seine Besitzerin und die Tatsache alleine in der geschlossenen Halle zu sein, gänzlich ohne andere Pferde, animiert ihn zusätzlich seine Besitzerin zunehmend zu bedrängen. An der Art, wie die Besitzerin den Wallach führt erkennt man klar, dass sie mit der Situation eigentlich überfordert ist. Der Arm ist steif weit vom Körper gestreckt, der Strick sehr kurz gegriffen und es wird Dauerzug ausgeübt um den kräftigen Wallach wenigstens ansatzweise in die gewünschte Richtung manövrieren zu können.

Dann übernimmt Sandra Schneider, die ebenfalls prompt über den Haufen gepanzert wird – oder auch nicht, denn die zierlich Frau schmeißt sich mit angewinkelten Armen in die Brust, macht sich überraschend groß und weicht keinen Schritt. Dafür gibt es mit dem Bodenarbeitsseil direkt einen ordentlichen Schuss vor die breite braune Brust.
Gänzlich ohne Stress, Gezeter oder Aggression weißt Sandra Schneider den Braunen immer wieder konsequent in seine Schranken und prüüüma ist, trotz sofortiger Belohnung für korrektes Verhalten, erst einmal gar nichts. Sandra Schneider überrascht mit ihrer klaren Art und der extremen Konsequenz, die ihrer, manchmal als „Wattebällchentraining“ bezeichneten, Fernsehpräsenz oftmals etwas fehlt.

Es folgt ein konsequentes Führtraining, dabei wird Wert auf einen langen Strick gelegt auf dem kein Zug zu Stande kommt. Dann werden Übergänge aus dem Schritt in den Stand und schnelle Richtungswechsel geübt. Der anfangs extrem büffelig anmutende Spanier, mit den Serretanarben auf der Nase, testet ausgiebig Sandras Konsequenz. Immer wieder folgt beim anhalten ein Ausfallschritt. Der spanische Wallach möchte das letzte Wort behaupten und wird immer wieder aufs Neue korrigiert, zurück geschickt und für korrektes Verhalten schlussendlich gelobt. Sandra Schneider erklärt dabei ausführlich, wie wichtig vor allem eine klare Körpersprache in der Kommunikation mit solchen Pferden ist. Sie erklärt der Besitzerin ihr Vorgehen und verdeutlicht ihr, wie man den Körper einsetzen kann um Pferde auf Abstand zu halten, oder zu sich einzuladen und wie wichtig es ist, die eigene Position zu behaupten.

Der braune Wallach ist, trotz stolzer 22 Lebensjahre, überraschend schnell bereit auf Sandra Schneider einzugehen und beginnt nach ca. 15 Minuten von alleine den Kopf abzusenken und zu kauen. Kurze Zeit später folgt er Sandra am durchhängenden Strick beim Kaninchenzickzack durch die Halle.
Natürlich ist damit noch lange nicht alles gewonnen und der Wallach testet immer wieder einmal, ob er nicht doch noch einen Schritt weiter gehen könnte, aber es zeigt sich schnell ein deutlich geändertes Verhalten, für das er immer wieder sofort ausführlich, aber nicht übertrieben, belohnt wird.

Dann ist die Besitzerin selbst an der Reihe. Am durch hängenden Strick folgt der Wallach seiner Besitzerin, bleibt auf Kommando stehen und orientiert sich an ihr in den Richtungswechseln. Während Sandra sich nun nach dem aktuellen Training und dem Sattel des Wallach erkundigt und auf die schlechte Rückenmuskulatur hinweist, versucht der Wallach wieder seine Besitzerin aus dem Weg zu schieben und sie fällt sofort in ihre alten Verhaltensweisen zurück, sie schiebt gegen den kräftigen Wallach und verliert – natürlich. Mehrfach versucht der Wallach sofort wieder sein bisher gelebtes Verhalten umzusetzen, schlägt mit dem Kopf und rempelt. Sandra weißt die Besitzerin, geduldig aber konsequent, immer wieder auf ihre eigenen Fehler hin. Mangelnde Körperspannung, das Ausweichen vor dem Wallach und ihre eigene Unaufmerksamkeit sind der Schlüsselreiz für den Wallach seine Grenzen zu testen. Sandra lässt sie den Wallach, unterstützt von einer kurzen Gerte mit Flatterband, zur Verstärkung ihrer Körpersigninale, immer wieder aufs Neue anführen und wieder anhalten. Mit der richtigen Körperspannung und selbstbewusstem Auftreten gelingt es der Besitzerin dann auch wieder den Wallach korrekt zum Stehen zu bringen.

Auch unter dem Sattel gibt es Probleme. Der 22-jährige Wallach wird zur Zeit nicht geritten, weil die Besitzerin einen gehörigen Respekt vor ihm hat und der Wallach bevorzugt im Galopp zum buckeln neigt.
Bei Sandra Schneider an der Longe (hier Bodenarbeitsseil) wird auch sehr schnell deutlich, wo die Probleme liegen. Der Wallach hat nicht nur zu wenig Respekt vor dem Menschen und lässt auch schon einmal die Hufe in Richtung Longenführer fliegen, er hat auch große Probleme seine Füße zu sortieren. Gleichgewicht und Balance fehlen gänzlich und er zeigt auf dem Zirkel eine deutliche Außenstellung und fällt immer wieder in Kreuzgalopp. Wenn zu diesen Voraussetzungen noch ein unsicheres Reitergewicht hinzukommt, ist die Frage nach dem Buckeln eigentlich schon beantwortet. Deswegen gibt Sandra Schneider der Besitzerin Tipps für den korrekten Aufbau der Rückenmuskulatur und Balanceförderung an die Hand.

Dann wird es Zeit, das Training mit dem ersten Pferd zu beenden und der Wallach darf mit seiner Besitzerin die Halle verlassen. Sobald sich das Hallentor öffnet zieht der Wallach in hinaus zum Tor und wieder fällt die Besitzerin zuerst in ihr altes Verhalten zurück und versucht den Braunen mit Gegenhalten zum Stehen zu bewegen. Sandra korrigiert sie auch hier und lässt sie den Wallach eindrehen, so dass er sich vom Tor abwenden und stehen muss. Dann folgt der nächste Versuch und wieder das gleiche Spiel – eindrehen, anhalten, zurückschicken, wieder wenden und erneut anführen. Solange bis der Wallach am durchhängenden Strick entspannt die Halle verlässt.
Auf die Besitzerin des braunen Schlitzohrs wird noch ein gutes Stück Arbeit zukommen und Sandra betont immer wieder, dass jeder Umgang mit dem Wallach zum Training dazugehört und die Alltagskonsequenz gegeben sein muss, damit eine Besserung des Verhaltens dauerhaft eintreten kann. Zudem rät sie zu abwechslungsreicher Trainingsgestaltung, damit der Wallach im Kopf beschäftigt wird.

Der charmante Wallach hat jedenfalls gezeigt, dass er durchaus Dialogbereit ist – jetzt wird die Zeit zeigen ob die Besitzerin mit den Tipps von Sandra dauerhaft eine Verhaltensänderung erzielen kann.

Fragen? Fragen!
Nach der ersten Session folgt eine anschließende Fragerunde und Sandra Schneider fordert das Publikum noch einmal auf an das gereichte Mikrofon heranzutreten und Fragen zum Training zu stellen. Diese Möglichkeit wird ausgiebig wahrgenommen – die Zuschauer stellen Fragen zu ihren eigenen Pferden, die teilweise ähnliche Verhaltensstrukturen aufweisen wie der braune Wallach der die Halle so eben verlassen hat. Sandra Schneider gibt Trainingsideen an die Hand und beantwortet alle Fragen ausführlich.
Dabei geht sie, auf Wunsch der Zuschauer, auch auf generelle Ausbildungsfragen ein. Als Befürworter der gebisslosen Zäumung im Jungpferdealter, erläutert sie beispielsweise wann es sinnvoll sein kann ein Jungpferd gebisslos anzureiten, welche Zäumungen sich dafür besonders eignen und in welchen Situationen oder Problemen man mit einem Gebiss evtl. besser beraten wäre.
Nachdem auch die letzte Frage aus dem Publikum beantwortet ist und sich niemand mehr das Mikrofon anreichen lässt, beginnt Teil II der Pferdedemo.

Aus alt mach roh

Das zweite Pferde des Problempferde-Demotags ist ein netter, leider ebenfalls deutlich übergewichtiger Haflinger, der zu seiner Besitzerin auf den ersten Blick ein recht gutes Verhältnis hat. Entspannt betritt der frisch polierte Haflinger mit seiner Besitzerin die Halle und schmeißt sich schon beim Vorgespräch erst einmal mit großer Begeisterung in den Hallensand.

Die Besitzerin erläutert ausführlich ihr Problem und den Werdegang ihres Wallachs.
Kurz zusammengefasst: Sie hat den Wallach als 2 Jährigen gekauft und ihn am Boden selbst ausgebildet. Mit 4,5 Jahren wurde er dann zum Anreiten in einen Ausbildungsstall gegeben. Nach dem Beritt zog der Wallach wieder in ihren Stall und kurze Zeit später zeigten sich die ersten Abwehrreaktionen unter dem Sattel. Der Wallach buckelt oder stellt wahlweise komplett auf Durchzug – „Du darfst dich gerne draufsetzen, aber ich gehe dann keinen Schritt vorwärts“. Laut ihrer eigenen Aussage bekam sie, obwohl sie nie vom Pferd gefallen ist, Angst vor den Buckelattacken und entschied sich daraufhin den Wallach erneut in Korrekturberitt zu geben.
Diesen Schritt bereut sie bis heute. Von Anfang an fühlte sie sich im Berittstall zu wenig mit einbezogen und als sie nach einiger Zeit im Stall vorbeischaute, wurde sie Zeuge von eher unschönen Trainingsmaßen an ihrem Wallach. Das Pferd wurde postwendend auf den Hänger geladen und man arrangierte sich ab sofort zu Hause mit der Angstsituation und stieg auf ausführliche Bodenarbeit um. Dies macht sich auch im Umgang am Boden bemerkbar, der Wallach ist sehr auf seine Besitzerin fixiert und hat sichtlich Spaß an der gemeinsamen Bodenarbeit. Aber auch Fremden gegenüber ist er trotz der negativen Erfahrungen recht aufgeschlossen. Ebenso liegt ein aktueller, kompletter Gesundheitscheck des Pferdes vor um körperliche Gründe für die Problematik sicher ausschließen zu können.

Sandra Schneider lässt den Wallach die ungewohnte Tribüne mit den vielen Zuschauern ausführlich begutachten, damit beim späteren satteln, keine vermeidbare Stresssituation durch die Zuschauermenge entsteht.

Danach beginnt Sandra Schneider, unterstützt durch eine Praktikantin des Rosenhofes, den Wallach zu satteln.
Sie weißt dabei sehr humorvoll darauf hin „dass wir hier nicht bei Monty Roberts sind und kein Pferd in 30 Minuten zureiten werden.“ Und dieses erst recht nicht, denn der Plan der Pferdetrainerin beginnt mit einem Ausbildungsreset. Ihr Plan für den Wallach: Behandele ihn wie ein Jungpferd, fange von vorne an und setze dabei einen Ausbildungsfuß vor den anderen.
So beginnt sie nach einem Ausrüstungscheck, dem Wallach seine Satteldecke zu zeigen, lässt ihn die Decke beschnuppern und reibt ihn mit der Satteldecke an Hals und Körper in Ruhe ab, bevor sie die Decke auf den – noch – sehr entspannten Wallach legt. Dann folgt der Sattel, der ebenfalls erst ausführlich begutachtet werden darf, bevor er auf dem optisch widerristlosen Pferderücken landet.

Nun wird der Wallach am Bodenarbeitsseil longiert und zeigt dabei, dass sein Abwehrverhalten unter dem Reiter nicht dem Sattel als solchem gilt. Entspannt dreht der Haflinger seine Runden und zeigt auf beiden Händen eine gute Balance. Hier merkt man deutlich, dass der Wallach, im Gegensatz zu dem braunen Spanier aus Session eins, am Boden gut gearbeitet wird.

Die Besitzerin hat ihren Wallach mit Hackamore angritten. Als bekennender Fan der gebisslosen Reiterei stößt dies durchaus auf die Zustimmung von Sandra Schneider, allerdings wird am Sitz der Hackamore direkt eine deutliche Korrektur vorgenommen. Sandra Schneider erklärt der Besitzerin und dem Publikum, warum es wichtig ist, solche Zäumungen und auch Knotenhalfter nicht auf in Höhe der Atemwege zu verschnallen, sondern auf dem harten Knochen aufliegen zu lassen. Auf passende Ausrüstung wird hier während der gesamten Veranstaltung Wert gelegt und Mängel werden klar besprochen.

Dann beginnt das Aufstiegstraining. So wie man es von einem Jungpferd kennt, beginnt Sandra Schneider damit den Wallach zu führen und stellt immer mal wieder einen Fuß in den Bügel um ein wenig Gewicht auf den Sattel zu geben. Aufgrund der massiv unsportlichen und komplett widerristlosen Sattellage gestaltet sich das nicht all zu einfach, da der eigentlich gut liegende Sattel auf dem runden Pferderücken, bei einseitiger Belastung, doch ins Rutschen gerät. Sandra Schneider weist ausdrücklich darauf hin, dass hier zum Aufsteigen ohne Aufstiegshilfe gar nichts getan werden sollte um den Pferderücken zu entlasten und das Verrutschen des Sattels zu vermeiden.
Sandra Schneider bugsiert die Aufstiegshilfe in die Hallenmitte, während ihre Praktikantin den Wallach in die passende Position führt um einmal zu testen, wie das Pferd auf Bewegungen über ihm reagiert. Zuerst wird der Sattel abgeklopft und nachdem der Wallach sich entspannt, legt Sandra Schneider den Arm über den Pferderücken.

Es folgen mehrere kleine Arbeitsschritte, bei denen Sandra Schneider sehr genau auf die Reaktionen des Wallachs achtet. Dabei erklärt sie ausführlich, wie wichtig es ist, hier an der Basis, auch später im Training zu Hause nichts zu überstürzen und jeden Schritt von Grund auf so lange zu trainieren, bis der Wallach ihn vollkommen entspannt akzeptiert. Zeigt der Wallach Verspannungen geht es einen Schritt zurück, solange bis sich die Situation entspannt gefestigt hat. Sandra Schneider lässt den Wallach für die Vorbereitung zum Aufsteigen von beiden Seiten an das Podest heranführen und wiederholt die Übungen. Sie legt das Bein über den Sattel und legt es beabsichtigt auch auf der Kruppe des Wallachs ab um zu testen ob es sich bei der unbeabsichtigten Berührung durch das Reiterbein beim Aufsteigen evtl um einen Auslöser für die Buckelattacken handeln kann. Der Wallach reagiert zunächst skeptisch – entspannt sich aber unmittelbar und lässt Sandra Schneider kurze Zeit später auch recht entspannt komplett aufsteigen.

Der Wallach lässt sich bereitwillig anführen und Sandra Schneider erklärt der Besitzerin ausführlich das Vorgehen. Sie rät dazu, die Arbeit mit dem Wallach zum aktuellen Zeitpunkt immer nur zu zweit vorzunehmen. Eine kompetente und vertraute Person soll dem Wallach am Boden Sicherheit geben. Wichtig sei bei diesem Vorgehen, dass die Hilfen, auf die der Wallach reagieren soll, immer zuerst vom Reiter gegeben werden und dann von der Person am Boden gespiegelt werden, damit das Pferd die Reiterhilfen umsetzt und nicht nur der Führperson hinterherlatscht. Grundsätzlich legt Sandra Schneider einen kleinen Rahmen fest, die Trainingseinheiten mit Reiter sollen anfangs maximal 5 – 10 Minuten dauern und erst mit der Zeit langsam gesteigert werden. Ebenso soll die Anwesenheit der Führperson langsam zurückgefahren werden, wenn die einzelnen Ausbildungsschritte gefestigt sind – solange bis die Hilfsperson nur noch dekorativ in der Ecke des Reitplatzes steht, während der Wallach geritten wird.
Sie sieht gute Chancen, dass sich der Wallach trotz seiner bisherigen Karriere als Arbeitsverweigerer zu einem zuverlässigen Reitpferd ausbilden lässt. Der entspannte Ausdruck des Wallachs nach der Session lässt vermuten, dass diese Prognose bei guter Umsetzung und mit etwas Geduld durchaus realistisch ist.

Wie geht’s weiter?

Sandra Schneider hat den Pferdebesitzern einen ausführlichen und realistischen „Trainingsfahrplan“ für die künftige Arbeit mit ihren Pferden an die Hand gegeben und hat auch immer wieder darauf verwiesen, dass sie auch nach dem Demotag bei aufkommenden Problemen weiterhin jederzeit gerne als Ansprechpartner für die Pferdebesitzer zur Verfügung steht. Auch eine Berittübernahme des Haflingers wurde angeboten, bevor Pferd Nummer drei die Halle betritt.
Während des Tages hat sich Sandra Schneider immer wieder bemüht den Besitzern Hilfestellungen an die Hand zu geben, nicht nur zum akuten Problem, auch allgemeine Aspekte der Pferdehaltung wurden thematisiert. Es wurde auf fällige Hufbearbeitung hingewiesen und immer wieder angeregt die Ausrüstung während des künftig kommenden Trainings in regelmäßigen Abständen fachmännisch auf die korrekte Passform überprüfen zu lassen.

Sandra Schneider – alles prüüüma? Ein fast schon überraschendes Fazit

Wir haben die Veranstaltung nach den ersten beiden Pferden langsam verlassen – konnten von einem folgenden Problemkandidaten aber noch ein Foto erhaschen, bevor wir uns auf den Heimweg gemacht haben und unsere Gedanken Revue passieren ließen.

Mit großer Skepsis und einer sehr klaren Vorstellung von Sandra Schneider und ihrer Arbeit sind wir nach Saarlouis gestartet und wurden positiv überrascht. Erwartet hatten wir eine etwas zu sensible und teils konfliktscheue Pferdetrainerin mit einem Hang zu überschwänglich Lob. Getroffen haben wir eine klare, konsequente Trainerin mit sehr deutlicher, ruhiger Körpersprache und klar abgegrenzten Korrekturen, bei denen sie nicht nur mit Wattebällchen wirft. Sandra Schneider ist ohne Frage ein sehr kommunikativer, aber unglaublich sympathischer Typ und wirkt sehr bodenständig. Gesprochen wurde viel, allerdings muss man bedenken, dass die ausführlichen Erläuterungen natürlich auch von den Zuschauern und der Veranstaltungsintention gefordert werden.
Trotz der Arbeit mit positiver Bestärkung haben wir das berühmte Prüüma aus den Pferdeprofis tatsächlich fast schon vermisst. Statt übertriebenem Prima, Prüüüma, PRÜÜÜÜÜÜÜMA, lobte Sandra Schneider auf sehr ruhige und angenehme Weise, nebenbei fließend im Trainingsgeschehen. „Ja, fein Schatz …“ und weiter im Text.

Auf die zwei folgenden Pferde zu verzichten, war fast schon schade.
Es würde uns gut gefallen, mehr von Sandra Schneider zu sehen, so wie sie Pferde im Arbeitsalltag trainiert und weniger so, wie es das Drehbuch der Pferdeprofis vorzugaukeln scheint.

Wer Sandra Schneider gerne selbst einmal live erleben möchte, kann sich auf http://www.sandra-schneider-live.de/ die aktuellen Veranstaltungstermine anschauen und wir würden uns freuen, wenn ihr dann ggf. von euren Eindrücken berichtet.

Alle Bilder vom Problempferde-Demotag gibt es auch auf unserer Pferd.de Facebookseite.

Quelle: BlackAmir auf http://www.pferd.de/content/205-problempferde-demotag-unterwegs-mit-sandra-schneider

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