Hallöchen meine Lieben.



Warum hier nix mehr los ist, werde ich oft per PN gefragt, hier oder privat im Gesichtsbuch. Ob ich die neuen Folgen der ProViehs gar nicht gesehen habe und/oder nicht kommentieren möchte?

Einfache Antwort: Nein.
Möchte ich nicht und kann ich schlichtweg gar nicht. Ein jeder, der seine Brötchen mit Vierbeinern verdient, weiß, welch ereignisreiche Zeit der Frühling ist.
Die Zeit in der fohlen geboren werden, die Zeit in der wir die Stuten wieder belegen, die Zeit für die ersten „Draußen“ Starts der jungen Pferde, die Zeit in der wir die Pferde anweiden etc. pp.

Es ist für mich in diesem Jahr schlichtweg eine Zeit, in der ich wenig Lust habe, Samstags meinen Blutdruck bis ins Unendliche schnellen zu lassen, denn seien wir mal ehrlich, ob ich mich aufrege oder Peng. Es läuft doch, zumindestens in meiner beschränkten subjektiven Wahrnehmung, immer nach dem gleichen Schema. Die bei VOX finden Pferde mit mini Problemen, die hauptursächlich von den anhängenden Zweibeinern begründet sind, und schicken ihre beiden charismatischen Protagonisten los um die Welt zu retten.

Hackl Bernhard erklärt den werten Besitzern dass sie zu dösig sind, läd die Zampel zum Intensivtraining zum Ex Azubi Alex ein, letzterer hockt sich druff und alles ist tutti. Danach kann zwar Uschi Unscheinbar immer noch nicht reiten und schon gar nicht ihren eigenen Zampel aber alle freuen sich wie Bolle.

PrümaGollum Schneider dem ihr sein Sandra vergießt ein paar Krokodilstränen weil das arme Hießi ihr so leid tut, robbt vor dem Galopper über den Platz und quakt die Viecher schwindelig, selbstverständlich stationär auf dem Rosenhof. Trifft sie mal auf einen echten Problemfall versucht sie monatelang dran herum und entscheidet zum Ende hin spontan, dass der Problemesel einfach mal noch nicht so weit ist. Weil nämlich wegen ist so.

Auf dem Weg dahin verzapfen beide hanebüchenen Unsinn, fabrizieren sich selbst und die ihnen anvertrauten Patienten in lebensgefährliche Situationen und vor dem Bildschirm raufen sich Leute, die auch nur ein wenig Ahnung haben die letzten verbliebenen Zotteln auf dem Kopp. Mindestens einer der vierbeinigen Protagonisten humpelt immer und das liegt ausschließlich daran, dass es Gangpferde sind, oder Traber, oder Kaltblüter, oder alte Pferde, oder ich halt einfach blöd bin.

Same story, every f***ing Saturday. Hab ich am Anfang noch drüber lachen können, finde ich es inzwischen traurig. Keiner dieser beiden selbsternannten Helden aus dem Erdbeerfeld kann auch nur den Strohhalm einer Qualifikation nachweisen, bis auf eine Top Figur (Sandra) und eine lustige Frisur(Bernd). Und unterhaltsam in die Kamera quatschen, das können beide ganz hervorragend. Beide sind Teil einer überbordenden Welle von Autodidakten, die das Rad der Pferdeausbildung neu erfunden haben wollen und mit einem hübschen Namen versehen gewinnbringend vermarkten. Im Internet tummeln die Vögel sich zu tausenden. Sei es die Propagierung der Verfütterung von Kartoffeln und Porree an Pferde, die Erklärung wie man sich mit aufgesetzten Pferdeohren besser verständlich macht oder die Weisheit, dass es für das Reiten am besten ist, wenn man sich einfach stundenlang zu seinem Pferd auf die Wiese setzt und eben einfach gar nicht auf das Pferd. Jeder Hamster schreibt ein Buch und, tatarata, verdient mit dem Klumpatsch auch noch Geld. Kann der Hamster nicht schreiben, hat aber eine halbwegs massentaugliche Visage, nimmt er eben YuuuTuuub Videos auf und lässt seine Fans hautnah teilhaben an den bahnbrechenden Erkenntnissen.

Ich hab da keinen Bock mehr drauf. Ich habe keinen Bock mehr auf Menschen, die glauben man müsse nur ein bisschen hier zuppeln und da wedeln, dann bildet sich ein Pferd schon von alleine aus. Ich habe keinen Bock mehr auf Leute, die so unfassbar pferdefreundlich sind, dass sie ihren Vierbeinern die Füße bis zur körperlichen Unbeweglichkeit bearbeiten, sie totkrank füttern, ganzheitlich mit Geistheilern therapieren und so natürlich mit weggedrücktem Buckel reiten, dass man die Hufrolle durch den Fernseher schreien hört.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen, ist ja OK, aber muss man mit dem Scheiß denn noch tausende von leichtgläubigen Infizieren? Frei nach dem Motto: Wer sich am geschicktesten verkauft hat am meisten Recht?

Aktuell machen unsere beiden ProViehs und noch ein paar andere Internetzberühmtheiten bei einer ganz tollen Schällänsch mit. Mustang Makeover heisst das Gerümpel. In Amiland gibt’s das ja schon lange, da werden die unvermittelbaren Wildlinge aus den Kennels gefangen und medienwirksam von ein paar Trainern zurechtgebogen um sie nachher durchaus gewinnbringend zu veräußern.
Feine Sache, sollen sie doch meinetwegen tun.

Hier in Deutschland ficht mich der Unfug auch nicht an. Sollen sie doch den rosazuckerwattepupsenden Wendygörls erzählen, dass die aaaarmen wilden Mustangs mit diesem Spektakel gerettet werden sollen. Und dass das alles zwar erstens total pferdegerecht ist, weil ja keiner was beweisen muss und zweitens total das mega Wunder, weil die Wildpferde in so kurzer Zeit voll die zahmen Vertrauensbomben werden.

Sollen sie das doch erzählen, ich glaub denen kein Wort. Die „Trainer“ für dieses Event wurden mit Bedacht ausgesucht. Alle sind in den sozialen Medien vertreten und vermarkten sich hauptsächlich selber. Alle dieser „Trainer“ (Na ok, die meisten) verdienen hauptsächlich Geld damit, dass andere Leute dabei zusehen, wenn sie so tun, als würden sie etwas tun (an diesem Satz habe ich im Übrigen lange gefeilt), und nicht mit der harten täglichen Arbeit am und mit dem Pferd.
Diese wiiilden Wildpferde sind seit über eineinhalb Jahren in Menschenhand. Sie sind halfterführig, lassen sich anfassen, sie ließen sich willig in einen Transportcontainer verladen um nach good old Germany verschifft zu werden. Nix mit Wildwestromantik, wer Spirit erwartet, wird leider nur eine lahme Ente bekommen.
Pferdefreundlich wie man ist, wird nach 90 Tagen auch eine gerittene Aufgabe vor Publikum, quasi unter Turnierbedingungen als Pflichtaufgabe verlangt. Voll harmonisch natürlich und wenn’s nicht geht, geht’s halt nicht, aber dann ist der Trainer halt kacke.

Der Quark da ist erstens nicht pferdefreundlich gedacht, zweitens Volksverarsche und drittens nur zu einem einzigen Zweck erdacht: Geld verdienen. An allen Ecken und Enden. Ist ja auch überhaupt nicht schlimm, aber warum das Kind denn nicht beim Namen nennen?

Importiert wurden ja ausschließlich MustangSTUTEN. Die „Erfinder“ des Makeover besitzen einen Hengst dieser feurigen „Rasse“ den sie selber und eigenhändig importiert, gezähmt und zur Zucht zugelassen haben. Ein hoch auf das neue Zuchtbuch Mussmandringendhaben e.V.
Man erwartet sich einen großen Andrang zum Finale, Tickets können selbstverständlich käuflich erworben werden. Die Mustangs werden im Anschluss ans Finale verauktioniert. Teuer natürlich, kostet doch der Import von den Biestern schon knapp 7 Schleifen. Und ich mein, die sind berühmt, die sind im Internet. Da kauft man quasi Fury und Black Beauty in Personalunion.
Die „Trainer“ erfahren extrem gesteigertes Medieninteresse. Jedes ihrer Fotos und Videos wird im Internet auseinandergepflückt und tausendfach geteilt. Von „Ach du heiliger Bimbam, wie kann man nur so dämlich sein…“ bis zu “Oh guck mal, sie kann ihr Zöpfchen flechten und Gertrud rennt nicht weg, welch unfassbare Vertrauensarbeit“ sind alle Reaktionen vertreten. Und jede einzelne Reaktion bringt Klicks, bringt Werbung, erhöht den Bekanntheitsgrad dieser innovativen Berühmtheiten und macht so letztendlich deren Taschen voll.

Letztlich las ich auf Facebook einen interessanten Dialog:
„Warum macht da eigentlich keiner der wirklich guten Ausbilder mit?“
„Da sind doch x und y und z dabei, die sind doch super, wer sollte denn da sonst mitmachen?“
„Na, z.B. Ingrid Klimke, Michi Jung, Uta Gräf, Markus Ehning oder im anderen Lager meinetwegen Grischa Ludwig, Nico Hörmann, sowas in der Art?“
„Wer soll das denn sein und warum sollte man die da mitmachen lassen, die kennt doch keiner?“

Läuft in der Pferdeszene, würde ich sagen. Stars und Sternchen aus dem Internetz haben eine deutlich größere Präsenz erreicht als diejenigen, die sich tagtäglich ihren Allerwertesten plattreiten und dabei wirklich was bewirken. Die selbsternannten PferdeproViehs mit Klangschale und Farbtherapie nebst Fotobesäuselung erreichen jeden vergessenen Gaul in Nachbars Garage und vermitteln derartig viel falsches Wissen, dass das arme Versuchskaninchen vermutlich ob der Innovationen seines Besitzermädels die Hufe über dem Kopf zusammenschlägt und um Gnade winselt.

Ich will euch mal was sagen: Ein halfterführiges junges Pferd in drei Monaten reit- und handlebar zu machen ist kein Hexenwerk. Das ist das tägliche Brot von tausenden von Bereitern im Land. Die machen das mit dem kleinen Finger nebenbei. Die schaffen es tatsächlich auch überdurchschnittlich häufig, die Biester dabei nicht zu traumatisieren und so hinzubasteln, dass Susi Sorgenfrei und Hänschen Harmlos danach mit dem Vierbeiner umgehen können, ohne sich in Lebensgefahr zu bringen, so sie denn bereit sind mit und vom Pferd und vor allem von anderen Pferdemenschen zu lernen.
Die guten Bereiter, die sowas machen um damit ihr Geld zu verdienen, haben nur leider keine Zeit, Videos zu drehen, mit dramatischer Musik zu unterlegen (Ohne Witz, Topkommentar unter einem Mustang VerlaufsVideo: „Die Musik passt so gut zu euch, total harmonisch, mir kommen hier voll die Tränen“) und ins Internet zu stellen. Genausowenig, wie gute Reitlehrer Zeit haben, ihre Einheiten zu filmen und als Lehrmaterial online zu verkaufen. Die allermeisten guten unserer Zunft arbeiten hart, vor Ort und unermüdlich. Sie werden nicht reich von dem was sie tun, das stört sie aber wenig. Die „echten“ Pferdemenschen müssen und wollen sich auch gar nicht anbiedern, die sind froh, wenn sie im Kleinen etwas bewirken.

In diesem Sinne, seid bitte nicht allzu traurig oder gar böse, dass ich im Moment keinen Kopf für lustiges über diese unsägliche Fernsehshow habe. Ich melde mich wieder, wenn ich wieder Land sehe, versprochen. Bis dahin, haltet die Ohren steif und die Augen offen und lasst euch nicht für dumm verkaufen von Menschen, die behaupten, sie allein hätten die Lösung für die Probleme aller Pferde und für nur schlappe 79 Euro 83 dürft ihr an diesem grandiosen System teilhaben.
Das funktioniert doch schon beim abnehmen mit diesen „Mach dich whatever“ Gdönskirchens nicht, könnt ihr mir wirklich glauben, ich bin nämlich immer noch zu dick…
Bis dahin geh ich noch ein paar weitere Fohlen auf die Welt holen und freu mich vorerst an meiner eigenen kleinen heilen Pferdewelt, ganz ohne Problemviecher und ProViehs.

(Quelle: https://www.facebook.com/PferdeprofisAnDerBande/posts/1888332478076381)

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