Heiter weiter mit de ProViehs



Die Sendung hat ja noch einen weiteren Protagonisten, den lustigen Bernd, der als Entertainer immer eine gute Figur abgibt.

Auch dieser kann in Echt ganz ein toller Hecht sein und voll der nette Typ und mega der super Pferde-wieder-heile-Macher. Kann ich nicht beurteilen, hab immer noch keinen Kaffee mit ihm gesüppelt, auf der Mattscheibe kommt er für mein amateurhaftes, subjektives Auge minimaldilettantisch rüber. Zum Glück muss ich fast sagen, sonst wären meine Beiträge ja auch ziemlich kurz und vor allem langweilig, was sie hoffentlich nicht sind, wobei mir das auch egal ist, ist ja meine Seite, es Lebe die Diktatur im kleinen Rahmen, hehe.

Der Tragödie dritter Akt, dessen zweiter Teil:

Schattenbocken für Fortgeschrittene

Bernd hat immer noch ein Zöpfchen, immer noch keine eigene Ranch und deswegen immer noch die Ex-Azubi Alexsche Heimstatt als Arbeitsplatz, aber immerhin einen neuen Fall. Einen sehr schwierigen sogar. Der wird uns im altbekannten Einspieler vorab schon mal präsentiert. Shääädooooh heisst das wilde Gerät, vermutlich eher Shadow, aber im breiten Ruhrpottslang von Besitzerin Veronika, die übrigens seit frühester Kindheit vollkommen sicher im Sattel saß (wie auch sonst, gab es schon mal unsichere Reiter bei den Pferdeprofis?) kann man das nicht so richtig identifizieren. Dat Schattengewächs ist optisch irgendwas barockes, zumindest hat es Federn an den Füßen, einen schönen Halsaufsatz und langes Wallewallehaar. Und es ist schwarzbraun. Und wild. Sehr wild, wie wir vom klugen Kommentator erfahren. Aber erst seit einiger Zeit, genauer gesagt, seit seiner Kastration. Als Hengst vorher war er nämlich quasi ein Lämmchen. Aber weil sie ihm mit den Eiern auch seinen männlichen Stolz geraubt haben, hat er das Bocken angefangen, jedesmal wenn die Vroni auf ihm reiten will, genauer gesagt in den dritten Gang schalten.
Eindrucksvoll bekommen wir dann auch demonstriert, wie Veronika mit Gummistiefeln an einer monströsen Westernpritsche festgeklammert, die im Übrigen über einen lustig flatternden Flankengurt verfügt und wackelt wie ein Schiff in starkem Seegang, versucht, den Schatten einen Gang schneller zu reiten.
Der legt drei lustige Hüpfer ein und dreht sich, weshalb seine Reiterin ihn aus voller Kehle mit seinem Namen anblökt (By the way, das ist ja irgendwie so eine interessante Reiter-Angewohnheit. Ich schrei die Biester auch immer mit Namen an, wenn sie Mist bauen, aber was erwarten wir eigentlich, das mal einer salutiert und „Anwesend“ antwortet?).
Alles Geschrei hilft aber nichts, drei Buckler später steckt der dunkle das Reiterlein formvollendet in den Sand und latscht ganz unfein nochmal nach. Vroni wollte wohl auch schon öfter den Kopf in selbigen stecken, aber zuhause hat sie dann immer sehr weinen müssen, weil der Schatten auch ihr Seelenschatten ist und deswegen ein Leben ohne ihn unvorstellbar. Klarer Fall für einen ProVieh. Für HacklBernd um genau zu sein und da trifft es sich doch gut, dass der grade eine öffentliche Demontage, pardon einen Demotag bei Alex auf der Homebase hat.

Der Schatten wird also ins bajuwarische gekarrt, dort abgeladen und ein paar Ründchen an der durchs Maul gezogenen Führkette zentrifugiert bis er dann also den in der Halle aufgebauten Metallkäfig vor vierhundert Zuschauern betreten darf. In diesem macht Bernd mit launigen Sprüchen sein Publikum schon mal warm (sagte ich schon, dass er ein echt guter Entertainer ist?) Und bittet Veronika und ihren halbfriesischen Bronco in die Bahn. Beide kommen dann auch schnell und irgendwie unharmonisch reingezischt, Bernd greift aber flott ein und nimmt Vroni den Schatten und diesem die Führkette ab. Ein Knotenhalfter mit Bodenarbeitsseil kommt drauf, letzteres wird dem dunklen ein paar Mal um Brust und Ohren gehauen, dass der mal merkt was ne Harke bzw. generell Respekt vor Zweibeinern ist. Bernd findet den Kollegen nämlich einfach mal rotzfrech und muss ihn deswegen auch erst mal ausgiebig zentrifugieren um alle Beine einzeln kontrollieren zu können. Er merkt an, dass es relativ lebensmüde wäre, sich auf den Bronco gleich draufzuklemmen, weil der ja bockt, hat man ja im Video von der Vroni gesehen. Deswegen will er ohne Reiter reiten. Oder eher fahren ohne Kutsche, eigentlich eher Doppellonge machen.

Dafür wird dem Ungetüm das Knotenhalfter gegen eine Trense getauscht und zwei Longen an selbige drangetüdelt und durch die enormen Steigbügel des Sattelmonstrums gefädelt, die mit dem guten alten Strohband am Sattelgurt befestigt wurden. Ausgestattet mit solch großzügigem Hebel tackert Bernd dem barocken Zwockel die Nase abwechselnd an die linke und rechte Schulter und komplett zwischen die Vorderbeine, bis dieser irgendwann aufgibt und auf fast leichtes Riegeln sogar rückwärts watschelt. Damit ist nach einer Stunde Arbeit das Publikum vollends beeindruckt und der total erledigte Schattenbuckler vorerst entlassen.




Nach der Mittagspause soll das Ungetüm nun erklommen werden, jedoch lieber mit einem anderen Sattel behaftet. Dass das Ungetüm von Vroni eher so semioptimal sitzt und dieser Flankengurt nicht so richtig bockverhindernd ist, ist Bernd nämlich auch schon aufgefallen. Die Vroni freut sich, hat der Bernd ja einfach auch viel mehr Erfahrung als sie und kann zum Bleistift sehen, wenn ein Sattel vorne und hinten nicht sitzt. Bernd will aufsteigen, aber ein letztes Fünkchen Rebellion hat der Braune sich wohl über die Mittagsstunde zurückgeatmet und weicht dem hüpfenden Zöpfchen listigerweise einfach aus. Deswegen kraxelt der mal wieder auf den Zaun und macht seine altbewährte von oben auf den Zossen hupfen Nummer. Die zieht immer, bei Pferden und beim Publikum und so ist der Bernd unter Applaus auch schließlich auf dem Fiesen angelangt. Sofortissimo rattert nach beherztem Zügelgriff wieder der Pferdeschädel zu dessen linker Schulter, weil selbst der gelenkigste Gaul nicht Bocken kann, wenn man ihn biegt, sagt der Bernd (Glaubt das im Übrigen bitte nicht liebe Kinder, mit dieser Variante habe ich den schlimmsten Abflug meines Lebens produziert…) Ergo wird jedes Mal, wenn das Schattenmonster sich schneller bewegen will als Bernd ein wenig Hyperflexion betrieben. Aber immer nur mit einem Zügel betont der Bernd, nie mit beiden ziehen, das ist nämlich gemein, oder unsportlich, auf jeden Fall doof, habe ich mir nicht so genau gemerkt.

Nach der nächsten Maus ist ein Tag vergangen und die Madlsche Ranch erstrahlt im Sonnenlicht. Heute ist der Superdoc mal wieder am Start, dem Bernd ist nämlich aufgefallen, dass der Friesockel nicht ganz rund lief. Also schon rund aber so ohne Verbindung von vorne nach hinten. Dass der Vogel die Hinterfüße nur dran hat, damit der Arsch nicht im Sand schleift hat der geneigte Zuschauer tatsächlich aus jeder kleinen Szene in der das wilde Biest im Gangsalat von der Seite gezeigt wurde auch schon analysiert. Für den Doc wird der Shadow ein bisschen über den Reitplatz gejagt (Auf dem übrigens mittig aus unerfindlichen Gründen ein Sattel im Sand liegt, vielleicht um zu demonstrieren, dass es sich um einen Reitplatz handelt und nicht um einen Scheuchplatz…) und des Docs Adlerauge erspäht sofort, dass dat Vieh hinten raus schaufelt. Dem war Bernd ja auch schon so, obwohl die Vroni ihm hoch und heilig versprochen hatte, dass der Schatten komplett gecheckt und total in Ordnung sei. Nach einem Kennergriff in den Schattenrücken geht der Fiese auch direkt mal in die Knie, diverse Meridiane reagieren auch vom allerfiesesten. Nachdem eine Nadel in den barocken Rücken gebohrt wurde, diverse Quaddeln auf die Überwirbelsäulige Haut gespritzt und allerhand manuelle Verrenkungen durchgeführt wurden, ist das mit den Meridianen aber gleich nicht mehr so schlimm und Shadow kann traben wie ein junger Gott. Und Reitpferd sein. Und gekonnt auswichsen, wobei das aber vermutlich nicht den Erfolg der Therapie unterstreicht. Bernd ist glücklich, hat doch der Doc mit seinen Wunderhänden schon so manchen Humpler wieder gängig auf allen vier Rädern gemacht.

Das hat bei Bernd seinem Superschulpony Liiirooi irgendwie nicht so geklappt. Auf dem soll nämlich Veronika beim nächsten Besuch im bayrischen erst mal wieder Vertrauen fassen zu Reittieren im Allgemeinen. Bernd kündigt schon mal vorsorglich an, dass der zwar nicht mehr ganz rund läuft, aber total döttenbrav ist. Vroni klammert sich dann auch krampfhaft an alle Verfügbaren Gegenstände (Sattelhorn, Mähne, Zügel…) als Leroy im Schneckentempo loshumpelt als gäbe es kein Morgen. Oder kein Gestern, der ist nämlich so derbe lahm hinten links, dass man Angst hat, dass er eher zusammenkracht, als irgendeinen falschen Tritt zu produzieren. Vroni soll nämlich erst mal ihre Ängste überwinden, dafür ist das Schattentier noch immer nicht ganz gut geeignet. Mit Alex im Sattel (hach, ich find den ja toll, den Alex, der sieht irgendwie immer so nach echtem Reiter aus…) zieht er nämlich lässig seine Runden, mit Bernd oben drauf maracht er aber doch beim angaloppieren ein kleines bisschen los. Das stört letzteren dann doch noch in seiner inneren Harmonie, deswegen verwackelt er dem Schattentier einen beidseitigen Insterburger mit vollem Körpereinsatz ins Mäulchen, dass der geneigte Zuschauer Angst bekommt, dass ihm gleich ein paar friesische Schneidezähne durch die Kamera auf den Couchtisch fliegen. Da der Fiese aber einen Einohrzaum ohne Reithalfter trägt, kann er danach mit Pinselschweif in Biegung weiterhopsen und spuckt zu meinem Erstaunen nicht mal Blut.

Eine undefinierte Zeitspanne später (laut klugem Kommentator sind neun Monate vergangen), soll Vroni ihr Tier dann wieder mitnehmen in den Pott. Vorher wird aber bei einem anspruchsvollen Ausritt in die Berge des bayrischen Waldes die Amateur Tauglichkeit des Schattenbiestes unter Beweis gestellt. Über Stock, Stein und Geröll kann die Vroni den Shadow sogar traben und so döddeln sie dahin, gemeinschaftlich in den Sonnenuntergang. Hach Gott, wie unfassbar ramontisch, hervorragende Aussicht bis nach Tirol genossen, wiedermal ein Fall gelöst.
Alle sind glücklich, Bernd war m al wieder der Retter in der Not, Vroni kann ihre seit Kindesbeinen erlernten Reitkünste endlich wieder am eigenen Tier erproben und Shadow darf nach Hause.

Jaaaa. Da gab es schon einige Ansätze, die ich voll und ganz unterschreiben würde, aber alle ziehen ein dickes fettes ABER nach sich. Bei einem chronischen Bocker mal nach gesundheitlichen Aspekten zu schauen ist ein richtiger Ansatz, ABER das sollte mMn immer vor der allerersten Trainingseinheit erfolgen. Die Besitzer erzählen ja gerne viel wenn der Tag lang ist, tatsächlich erfolgte Untersuchungen von Tierärzten oder Therapeuten jeglicher Couleur frage ich aber grundsätzlich schriftlich ab. Ein paar voll langweilige schulmedizinische Röntgenbilder hätten mir ja auch noch ganz gut gefallen, waren fürs Färnsehen aber wohl nicht sexy genug.

Auch die Arbeit mit der Doppellonge kenne ich gut und wende ich selber gerne und häufig an. Und ja, auch mir passiert es, dass ich die Kräfte an den langen Leinen mal falsch einschätze, aber ich mach das doch bitte nicht vor hunderten Zuschauern und Abertausenden am Fernsehen und erkläre, dass Riegeln aus dem langen Arm gar nicht so wild ist, wenn man immer nur an einer Leine reißt? Auch gegen die körperliche Auslastung eines renitenten Vogels vor Besteigung von selbigem ist nichts einzuwenden, aber ein Pferd mit augenscheinlich wenig Kondition in vollkommen fremder Umgebung zu zwei jeweils einstündigen Trainingseinheiten vor Publikum zu verdonnern ist nicht so richtig die feine englische. Kein Wunder, dass dem Vogel am nächsten Tag noch die Socken qualmten.

Auch die Veronika erst mal auf einem braven Zwockel wieder ihre reiterlichen Fähigkeiten festigen zu lassen ist ein feiner Zug, aber bitte bitte, dafür kann man doch einen nehmen, der nicht humpelt? Mir ist auch vollkommen wumpe, warum der humpelt, und ob er Schmerzen hat oder nicht. Lahme Pferde reitet man nicht. Punkt. Und schon gar nicht in der Öffentlichkeit! Und schon dreizehntausendmal nicht im Fernsehen, Herrgott! Zu Zeiten, in denen unser Sport sich dem Generalverdacht der Tierquälerei ausgesetzt sieht, grinsen wir einen kotzlahmen Zampel mal fröhlich weg mit „ja mei, läuft nimmer ganz rund…“? Ja, da läuft was ganz gewaltig nicht rund, aber nicht nur bei Leroy.

Abschließend kann ich mich einer kleinen Assoziation nicht ganz erwehren. Pferd beißt sich beim Training in die Brust, Pferd humpelt hinten. Alles im Fernsehen. Da war doch was. Ach ja, der schwatte Strampler in Aachen auf der Diagonale!

Das war ja aber was anderes, nämlich Rollkur und Tierquälerei! Das hier, das war Biegung und Therapie und außerdem durchgeführt von einem ProVieh. Da ist das erstens was anders und zweitens voll OK. NICHT. Nur weil man dem Kind einen neuen Namen gibt, ist es nämlich unter Umständen immer noch ein Arschlochkind.

2 Gedanken zu „Heiter weiter mit de ProViehs

  • 14. Januar 2017 um 21:37
    Permalink

    Moinsen,
    ich wollte als nicht FB-User auch mal „Danke“ sagen für dieses Lesevergnügen.
    Ich bin gespannt auf die Zusammenfassung der heutigen Sendung.
    Normal dürftest du jetzt mit Kopfschmerzen und Schwindel auf dem Boden liegen!
    Der Tinker mit Schleppseil nebst Schlaufe zum „mal richtig drin verfangen“ , danach noch mit dem Kommentar „das erste Mal in seinem Leben“ auf die fette Wiese…Anweiden was ist das? 🙈 Na Dr. Aschenbrenner soll auch leben🙊
    Ich trinke mir jetzt einen und warte auf deine Zusammenfassung!🙉
    Grüße aus dem Norden

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