Mal was nebenbei



Aufgrund einiger hitziger Diskussionen (nicht hier, aber trotzdem von mir erspäht) fühle ich mich genötigt, mal über den Tellerrand hinauszublicken und nicht nur diese Comedysendung, sondern die gesamte restliche Reiterwelt aufs Korn zu nehmen.

In der Folge möchte ich mich zu den verschiedenen Reitweisen äußern, die sich derzeit hitzig debattierend gegenüber stehen. Ich warne direkt vor: Wessen Ironiedetektor chronisch defekt ist und wer generell zum Lachen gerne in den Kller geht, der möge hier bereits das Leden einstellen, wenn mans nicht lustig findet, ist die Zeit, die man beim Lesen verschwendet viel zu kostbar.

Reitweisen sind die Religionen der Pferdeleute. Prinzipiell haben wir alle den gleichen Gott, aber verschiedene Propheten, Heilige, spirituelle Führer, Ordensleute, Geistliche und Glaubensbrüder- und Schwestern.

Erstens:
Dressurreiter
Dressurreiter sind steife Gestalten, die generell sehr wenig Spaß verstehen. Ihr reiterliches Leben verläuft in geregelten Bahnen, genauer gesagt in Bahnfiguren. Sie haben ihr Universum in einem genau definierten viereckigen Sandkasten abgesteckt und zur besseren Orientierung am Rand Buchstaben drangeklebt. Durch genau definiertes Abreiten der verschiedenen Buchstaben kreieren sie lustige Kringel und Reitfiguren, die wahlweise in Schritt, Trab, Galopp mit jeweils vielen Geschwindigkeitsstufen und auch vorwärts, rückwärts oder seitwärts ausgeführt werden. Manche Buchstaben befinden sich in der Mitte des Sandkastens und sind deswegen für das Auge des Zuschauers nicht sichtbar, der Dressurreiter an sich glaubt aber fest an deren Existenz.

Dressurreiter sind meistens weiblich, wenn sie nicht weiblich sind, sind sie schwul, oder sie sind schwul und wissen es noch nicht, oder sie sind Ausnahmen.

Dressurpferde werden als solche geboren, sie werden sogar extra darauf gezüchtet, in Figuren geritten werden zu können. Sie tragen klangvolle Namen wie Don Hitmeyer oder Bel Sandrodiamond und verfügen über einen Stammbaum, der bis ins späte neunzehnte Jahrhundert zurückreicht. Dressurpferde sind edel und furchtbar sensibel. Sie neigen zur hochbeinigkeit, die sich manchmal dadurch verstärkt, dass sie die Balance auf den hinteren zwei Pfötchen üben, weil sie sich durch etwas erschreckt fühlen. Dressurpferde sind recht leicht zu erschrecken, da sie außer ihres Viereckuniversums nicht viel zu sehen bekommen.
Dressurpferde und vor allem Dressurreiter haben häufig viele Allergien. Sie reagieren hoch allergisch auf freie Natur, auf Weidegang, auf Ausritte im Allgemeinen und auf jeden Fremdreiter, der kein Dressurreiter ist. Besonders allergisch sind sowohl Dressurpferde als auch –Reiter auf Springreiter, Freizeitreiter, Westernreiter und auf Ponies. Bei letzteren sind vor allem weiße und gefleckte Exemplare besonders gefürchtet.

Dressurreiter fürchten sich vor Untergrundveränderungen, deswegen möchten sie, dass in ihrem Viereckuniversum der Boden stets ebenmäßig ist. Man hat schon Dressurreiter vor in der Bahn liegenden Strohhalmen ‚Sprung frei‘ rufen hören, meistens haben die Dressurpferde aber verweigert.
Dressurpferde sind grundätzlich nur für die Dauer der Dressuraufgabe auf dem Turnier in der Lage, auf ihre Füße selbst aufzupassen, denn eine Regelung in den internationalen Statuten sorgt dafür, dass sich kjeinerlei Textilie an den Dressurpferdebeinen befinden darf, sobald es den heiligen Sand betritt. Zum Abreiten, zum trainieren zu Hause und in der Box wird es aber eingewickelt mit diversen Stall und Arbeitsbandagen und –gamaschen, die sowohl wärmender als auch stützende, schützender oder kühlender Natur sein können.

Das Dressurpferd an sich wird nach behüteter Aufzucht bereits in seiner frühesten Jugend an die ihm bevorstehende Aufgabe herangeführt. Mit ca. 3 Jahren wird es eingeritten, das bedeutet, dass es lernt, den Kopf auf die Brut zu klemmen und Zerren am Zügel, Sporengeprokel am Bauch und Gertengeklatsche am Hintern in sinnvolle Kommunikation umzudeuten.
Wenn es das geschafft hat, wird es häufig vom Dressurreiter auf eine Reihe von Veranstaltungen geschleppt, auf denen es sich mit seinen Altersgenossen um Schleifen streiten muss. Hier wird beurteilt, wie hoch es seine Beine werfen und wie tief es seinen Kopf dabei halten kann. Durch die altbekannten Allergien herrscht auf solchen Veranstaltungen gespenstische Stille, Reden oder Gelächter im Publikum sind mit furchtbaren Strafen belegt.

Die meisten Dressurpferde sterben sehr jung oder müssen in Frührente, da sie aufgrund der erlittenen Qualen an Burn-Out-Syndromen leiden oder sich der allgemeinen Dressurpferderevolution anschließen und ‚sauer‘ werden. Wenn sie aber das magische Alter von sieben Lenzen überschreiten, bekommen Dressurpferde lustige Gebisskonstruktionen mit vier Zügeln ins Maul geschnallt und zu dem ganzen Lenktionswirrwar gesellen sich zwei weitere Dimensionen dazu. Neben Vorwärts, Rückwärts und Seitwärts müssen sich die sogenannten ‚volljährigen‘ Dressurpferde nun auch auf der Stelle und nach oben bewegen können. Da sich aus der Kombination der ganzen Bewegungsrichtungen sonst ein lustiges Durcheinander ergeben würde, gibt es für die ganz ‚Dicke Piste‘ nur noch drei Dressuraufgaben, die sich Pferd und Reiter für den Wettkampf merken müssen. Wenn Dressurreiter wirklich gut im Merken und Ausführen der ganzen Lektionen und Figuren sind, können sie ihr Land sogar auf internationalen Meisterschaften bis zur Olympiade vertreten. Das schaffen aber in jedem Jahr nur vier aus jedem Land, deswegen ist der Konkurrenzkampf unter den Dressurreitern sehr groß.




Wegen dem Konkurrenzkampf möchte auch jede Dressurreiterin doller glitzern als ihre Nachbarin. An jede Stelle des Reitoutfits werden Svarowski-kristalle gebastelt, das Pferd wird ebenfalls über und über mit solchen verziert. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass man gestürzte Dressurreiter aufgrund des hellen Funkelns im Sand direkt wiederfindet. Dressurreiter sind sehr eitel und meistens blond. Diese Haarfarbe passt am besten zum Turnieroutfit, welches alter Traditionen wegen in schwarz oder dunbkelblau, maximal in dunklem braun gehalten ist. Dressurreiter sind recht arrogant und haben deshalb wenige Freunde. Mit den wenigen, die sie haben lästern sie aber furchtbar gerne über andere Dressurreiter, andere Reiter im Allgemeinen oder auch über die Welt an sich. Allerdings behaupten sie stets, sie würden nicht lästern, sondern lediglich etwas feststellen.

Was sie feststellen? –Richtig, das allein Dressurreiten etwas taugt, und alle anderen Reitweisen definitiv schädlich, dumm und höchst verwerflich sind.

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