…Und weiter geht’s!!!



Sehnsüchtig erwartet, vor allem von mir; der Tragödie vierter Teil
Frau Prüma tat am Samstag eine gute Tat, sie ging mit einer blinden Reiterin ins Gelände, mit der trotz innigstem Flehen sonst niemand die heimischen vier Reithallenwände verlassen wollte.
Apropos Prüüma, wo ist es hin? Eine Stunde lang habe ich verzweifelt darauf gewartet, genauestens hingeschaut und gelauscht, sogar den Ton an der Flimmerkiste hochgedreht, bis die Zimmerpflanzen anfingen, im Ton der Hintergrundmusik rhytmisch mit ihren Plastikblättern zu wackeln, aber: NICHTS!
Kein einziges PRÜÜMA für meine fiesen Kritikerohren, allenfalls ein winzigkleines, leises „priima“, dahingehaucht in feinstem Sopran.
Ich kam nicht umhin, mich zu fragen: „ Ist es ihr etwa wie Schuppen von den Augen gefallen, als sie meine Kritik gelesen hat????“
Sehr arrogant, ich weiß, deswegen habe ich diesen Gedanken auch bald wieder verworfen. Auch die Idee, sie könne sich vielleicht selbst im TV bewundert haben und daraufhin geschworen, nie wieder ein lebendiges Wesen anzuröhren wie ein Grizzlybär mit Nikotinproblemen, kam mir relativ bald relativ abwegig vor.
Aber warum dann? Fand sie das, was sich vor ihren Augen abspielte am Ende gar nicht PRÜÜÜMA?
Das würde mich doch schwer wundern, habe ich doch am Samstag tatsächlich zum allerersten Mal in diesem Format einen echten Pferdeprofi gesehen!
Laut Definition erwartet man von einem Profi im Allgemeinen, dass er in seinem Bereich eine bessere Leistung abliefert, als ein Amateur oder Dilettant.
Laut VOX gibt es allerdings eine neue Definition: Leute die Probleme schaffen ,wo noch keine waren, alte Probleme schlimmer machen und beide gar nicht oder minimal bis zu einem lachhaften Zwischenschritt lösen.
Ich bevorzuge die allgemein anerkannte Variante, deswegen war ich doch relativ überrascht, eben so jemanden am Samstag Abend über den Bildschirm flimmern zu sehen:
Susi, die mit ihrem Haflinger Flausch einfach mal allen Gurus und Profis der gemeinen Pferdewelt zeigt wie es geht. Der allerwichtigste Satz für jeden Pferde- oder Reitertrainer ausgerechnet aus dem Mund einer Klientin der Tante Prüma: „Flausch war angeblich unreitbar, wie es aussieht war das wohl ein Reiterfehler.“
Na da schau an, wahre Worte, verpackt in einem klitzekleinen Nebensatz. Wie wäre es denn, liebe Fäährdeprofis, wenn ihr euch mal ein bisschen weniger auf das therapieren von wehrlosen Tieren und vielmehr auf die Hirnwäsche talentfreier Reiter, streichelwütiger Pferdemuttis, cholerischer Ponyschubser und überkandidelter Tüdeltanten konzentriert?
Würde Frau Prüma auch nicht schlecht zu Gesicht stehen, formuliert sie beim Begutachten der Susi’schen Reitkunst in der heimischen Reitbahn doch endlich mal nachvollziehbare Ansätze.
Susi schafft es nämlich tatsächlich, ihre Flausch fachgerecht zu führen, korrekt mit ordentlich sitzendem Sattel und gut verschnallter Trense fürs Reiten fertigzumachen und schließlich und endlich tatsächlich MIT HELM auf dem Kopf mit gutem Grundsitz ein an den Hilfen stehendes Pferd durch die Reitbahn zu pilotieren. Richtiggehend erfrischend bei dem ganzen Gerümpel, was einem diese Sendung sonst so als Reitkunst und Pferdeverstand auftischen möchte…
Das findet auch Sandra ganz toll (ne, eben nicht Prüma) denn 98 % der Reiter die sie sonst so kennt können das nämlich nicht, vor allem nicht beim Reiten nach vorne gucken. (Huiuiui, wenn in ihrem Umfeld schlechtes Reiten klein machen würde, müssten wohl so einige mit dem Fallschirm von der Teppichkante springen)
Aber der Reihe nach. Frau Prüma (entschuldigt, dass ich sie weiterhin so nenne, mir fällt nichts besseres ein) fährt zu Susi und ihrem Pony (Moment mal, Haferschlinger sind keine Ponys, sie sind KleinPFERDE, liebevoll vielleicht noch Alpenferraris, Weisswurstgalopper, oder Rennsemmeln, aber keine PONIES!), hält auf halber Strecke an, um ihr wallendes Langhaar im Wind fliegen zu lassen, und der wissbegierigen Weltöffentlichkeit kurz ihren Fall zu schildern.
Angekommen, bewundert sie erst einmal ausgiebig die örtlichen Gegebenheiten, befragt Susi, nach der Rührseligen Anschaffungsgeschichte des Flauscheponies, ist vollkommen entgeistert, dass Susis Mann zwar den Sattel tragen aber nicht reiten will, und rennt wie eine angepiekste durch die Bahn, um Susi mitzuteilen, wo sich die Wechselpunkte befinden. Susi spielt das Spielchen mit, schafft es aber auch ohne Kommentar, einen wunderhübsch runden Zirkel in den Sandkasten zu zaubern. Nun ja, man muss sich halt ans Drehbuch halten.
Sandra hat schließlich genug gesehen und ist sich sicher, dass Susi sich nicht mit Selbstmordabsichten auf einen Geländeritt begeben will; sie bringt demnächst ihren eigenen Hafi mit und dann soll‘s raus gehen in die wilde Natur. Eine Sache beschäftigt sie allerdings: Hat das Flauschepony Angst vor irgendwas? Hunde,Kühe, grüne Pferdemonster? Susi überlegt verzeifelt, große Wasserpfützen könnten Flausch eventuell aus dem Flow bringen, mittlere und kleinere eher nicht. Ihr macht allerdings Sorgen, dass der Mitreiter sie vor einen tiefhängenden Ast reiten lassen könnte und sie sich aufgrund der Hebelwirkung von ihrem Haferschlinger trennt. Diese Befürchtung tut Tante Prüma mit einem kleinen Lachen ab.
Nebensächliche Nachfragen, zum Beispiel nach der generellen Geländeerfahrung von Reiter und Pferd, gerne auch unabhängig voneinander findet die Regie wohl zu lahm und schneidet sie weg…
Deswegen rauscht im nächsten Moment der Transporter mit der Sandra ihrem Alpenferrari „Leon“ an. Der Leon ist ein alter Hase und freut sich auf die blonde Freundin, deswegen kann Sandra auch ohne Helm und ohne die Zügel aufzunehmen von einem Zaun aus ganz und gar galant in den Sattel flutschen. Dann kann’s ja losgehen, wenigstens Ausreitplaketten haben die beiden Buschblondis am Vordergeschirr, gut so, wenn man schon gegen jede Regel des Pferdeverstands verstößt, muss man ja nicht auch noch die Steuer bescheißen!
Die Hühner sind gesattelt, es kann losgehen. Susi hatte den Wunsch geäußert, sich rechts hinter Sandra aufhalten zu dürfen, das sei ihr am sichersten (Hä, ich dachte, sie war noch nie im Gelände? Drehbuch, ick hör dir trapsen…) Sandra ist das aber zu langweilig, als sich ein Feld auftut, reitet sie zwanzig Meter entfernt auf Susis rechte Seite, schaut dieser dabei zu, wie sie auch ohne Führungsperson ihr Pferd wirklich gut geregelt bekommt und ruft ihr zu: „Ich bin Liiinks von dir…“ …Wie nett…
Nun ja, hier sollte ich vielleicht wirklich nicht lästern, ich Weiß, dass mein linkes Ohr mehr absteht als mein rechtes, das macht die Orientierung einfacher, Frau Prüma hat wohl gleichmäßige Ohren, da ist das eben nicht so einfach.
Auch das kann Susi aber niocht erschüttern, weiter geht’s auf den Waldwegen, ihre bange Frage nach den Ästen kommt wieder auf, Prüma kann sie aber beruhigen, keine Äste voraus, der Weg ist geebnet.
Im Einspieler teilt uns die Sandra mit, wie aufgeregt sie war, weil sie zum ersten Mal im Leben für jemand anderen denken musste. Jap. Glaub ich gerne.
Außerdem sagt sie, dass sie teilweise ganz vergessen hat, dass sie in Begleitung einer behinderten Reiterin unterwegs war. Nicht schlimm, sie ist ja auch engagiert worden, um beim Rumreiten in der Westfälischen Urwaldnatur mit Wallemähne möglichst sexy auszusehen.
Egal, Susi hilft sich selber, nach Rückkehr auf den heimischen Hof (bei der Frau Prüma sie freundlicherweise nur beinahe gegen einen gemeinerweise aufgeschütteten Steinhaufen lenkt) bedankt sie sich auch artig für die Hilfe und hofft, dass Sandra und Leon bald wieder kommen und es erneut hoch zu Ross in die Wildnis geht.
Sandra wendet sich mit herzzerreissendem Aufruf an die Zuschauer, sie kann garantieren, dass Susi weder gefährdet noch gefährlich ist, und hofft, dass sich jemand findet, der demnächst mit ihr ausreitet. Das „Pferdeprofi“ Prüfsiegel wäre auch noch eine Innovation. Das gibt’s demnächst wie bei diesen Küchenschabenentfernungsshows, an die Tür geklebt. Bei Reitschulen zum Beispiel, oder an Boxentüren…
Ich hoffe allerdings mit der Sandra mit, das sich jemand findet, denn Susi war für mich vor allem eins: eindeutig PRÜÜÜÜMA!

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