VOX macht Pause



VOX macht Pause, wie gut, dass es das öffentlich rechtliche Fernsehprogramm gibt.
Da ich, wie es sich für einen anständigen deutschen Bürger gehört, immer brav meine Rundfunkgebühren zahle, nehme ich mir Sonntags Abends gerne die Freiheit, die schöne Sendung ‚Tiere suchen ein Zuhause‘ im Westdeutschen Rundfunk als Hintergrund für meinen Wochenend-end-halbschlaf auf mich einrieseln zu lassen. Die haben da immer so putzige Tierchen und rührende Geschichten von Hunden, Katzen, Kaninchen, Ratten und sonstigem Getier, das aus dem Tierheim über die Flimmerkiste schnurstracks in ein neues Zuhause gelaufen ist.

Heute bin ich doch ganz aprupt aus meinem seligen Dämmerschlummer aufgeschreckt, hörte ich doch mein Stichwort: ‚Pferd‘ Um Pferde sollte es also gehen im Zuschauerthema des Tages. Was ich dann sehen und hören musste, hat leider dafür gesorgt, dass ich nicht mehr weiter dämmern konnte und es mir dermaßen in den Fingern juckt, dass ich mal wieder etwas zu Bildschirm bringen muss.
Der Knaller und Aufmacher der TagesTitelThemenStory war die von der allseits bekannten und beliebten Kapitalismusorganisation ‚Peta‘ in den Raum gestellte Forderung, den Reitsport doch bitte abzuschaffen.
Der Rest des Beitrages, der wohl die Petasche Forderung untermauern und Diskussionsanstoß bieten sollte, war eine grandios zusammengebastelte Anhäufung von Vorurteilen, erfrischenderweise so auf fast alle Lager verteilt, dass man beinahe denken könnte, dass in der WDR-Redaktion ein Mensch mit einem gewissen Gerechtigkeitssinn am Schneidepult sitzt. Die wichtigsten Thesen kurz zusammengefasst:
Im Pferdesport geht es um viel Geld, deswegen werden Pferde gequält, deswegen passieren dauernd Unfälle. Alle Sportreiter reiten Rollkur, fast alle Freizeitreiter auch, weil die den Sportreitern das nachmachen, Rollkur macht Pferde kaputt, genauso wie Zügelreißen und schlecht sitzende Sättel, letztere findet man bei 80% der Freizeitreiter. Springpferde werden aufs springen dressiert, deswegen haben sie keine Lust mehr zu springen, wenn man den Springpferden aber die Trense ab- und einen Halsring draufmacht, kann man sie auch ohne Kappe dank neuer Wege und trotz fehlender Rückenmuskulatur wieder super reiten. Dann ist man auf die Körpersprache des Pferdes eingegangen und hat einen neuen Weg beschritten und ist dementsprechend vielleicht doch kein Tierquäler.

Oder aber doch, denn der nette Herr Dr. SoundSo, der im Einspieler in seinem Büro vor einem großen Peta Plakat an seinem Schreibtisch fläzt, erklärt uns, warum Reitsport generell abzulehnen ist. Peta meint nämlich, dass es ein absolutes Unding sei, sich Tiere zur Unterhaltung zu halten. Und damit meint Peta nicht nur den Springsport und die Military, nein nein, auch die Dressur, ganz zu schweigen von der Freizeitreiterei, die ja inzwischen geradezu ekelhafte Ausprägungen gefunden hat. (Western- Distanz- und Gangpferdereiter hat der Herr vergessen, genau wie Kutschefahren und jegliche Form von Rennsport, ich glaub, ich schreib ihm mal ein Memo…)
An dieser Stelle sein einmal kurz darauf hingewiesen, dass das Folgende nicht wirklich ernstgemeint ist, also nur, falls jemand denkt, ich habe wirklich ernsthaft ein Rad ab. Ich hab nämlich maximal zwei bis drei Schrauben locker…
Liebe People for the ethical treatment of animals (kurz Peta), ich bin gerne bereit, auf erure Forderung einzugehen. Pferde zur Unterhaltung werden abgeschafft, kein Problem. Unter einer Bedingung: Wenn shcon denn schon, keine halben Sachen, wenn ich Opfer bringe, seid ihr auch dran, und der Rest der Menschheit gleich mit. Hier meine Forderungen:
Es sollten keine Tiere mehr zur Unterhaltung und Belustigung des Menschen mehr gehalten werden dürfen, das ist nämlich nicht artgerecht. Ich bitte also alle Hundehalter dieses schönen Landes, die Türen zu öffnen und ihre Vierbeiner raus zu jagen in die Natur. Dort können sie artgerecht in losen Rudelverbänden marodierend durch die Dörfer ziehen. Aber bitte alle Hunde, auch die Taschenhündchen von den Promis, die ihr so werbewirksam meistens nackig auf euren großformatigen Werbekampagnen positioniert, liebe Peta. Wie, das geht nicht? Hunde sind domestiziert, die können nicht wild leben? Na dann sollten wir sie lieber alle töten, lieber tot als ein Leben zu Unterhaltungszwecken führen. Und zur Endlösung für Hunde soll eure Mutterorganisation auf der anderen Seite des großen Teichs ja auch schon einige praktikable Vorschläge unterbreitet haben…
Was für Hunde Recht ist, ist für Katzen ebenso billig. Also raus mit den Stubentigern, sollen sie sich ihr Essen selber suchen, diejenigen, die auf eure Empfehlung von ihrem Frauchen auf vegane Ernährung umgestellt wurden, könnewn Gras fressen, für die anderen gibt es ja genug jagdbare Beute.
Jagdbare Beute? Sicher, die ganzen Kleintiere, die ausschließlich zum Amüsement von Kindern und Erwachsenen gehalten werden! Kaninchen, Ratten, Mäuse, Meerschweinchen! Was für ein Leben fristen diese Tiere denn bitte in Deutschlands Wohnzimmern? Sie werden gekuschelt und umsorgt, gefüttert und zum Tierarzt gebracht, wenn ihnen etwas fehlt. Das ist eindeutig nicht artgerecht! Gut, die Meerschweinchen müsste man unter Umständen wieder zurück nach Südamerika verschiffen, aber bei der Menge, die derzeit aus Unterhaltungszwecken in Deutschland in Qualhaltung vor sich hindämmert, kriegen wir so einen Dampfer wohl schnell voll.

Und wenn eh schon ein Schiff in südliche Gefilde geht, kann es auch gleich ein paar Exoten mitnehmen. Tropische Spinnen, Schlangen und ähnliches Getier vor die Haustür zu setzen wäre auch nicht gut, denn unser Schietwetter ist für die bestimmt auch nicht artgerecht.




Die Nutztiere dürfen nach dieser Argumentation natürlich bleiben wo sie sind, Schweine, Rinder und Geflügel dienen ja nicht der Unterhaltung, sondern der Nahrungsaufnahme.
Da ich es ganz genau nehme, muss ich leider anmerken, dass die Haltung von Menschen in geschlossenen Räumen auch wirklich nicht artgerecht ist. Der Urmensch hauste maximal in Höhlen, strohmte durch die Wildnis und ernährte sich von dem, was er fand. Jäger und Sammler, das ist artgerechte Menschenhaltung, nicht eingezwängt durch Kleidung, Supermärkte, elektronischen Schnickschnack und Geld.
Überhaupt das Geld! Das gehört abgeschafft, vor allem bei euch, liebe People for the ethical treatment of animals. Das braucht ihr sowieso nicht mehr, wenn ihr von Höhle zu Höhle wandert, auf der Flucht vor Rudeln von ausgewilderten Haustieren. Gut, dass eure Konten prall gefüllt sind, ich wüsste da einen guten Verwendungszweck: Der Tierschutz kann immer Spenden brauchen, und ich kenne da ein paar Organisationen, bei denen das Geld auch tatsächlich den Tieren zu Gute kommt und nicht in zweifelhafte Werbekampagnen fließt.

Wenn alle diese Punkte erfüllt sind, liebe Vertreter von Peta, aber auch nur dann, werde ich meine Stalltüren öffnen und meine armen zu meiner ureigenen Unterhaltung gepeinigten Pferde frei lassen. Da die artgerecht gehaltenen Menschen ja auch kein Auto fahren, muss ich zumindest keine Angst davor haben, dass sie vollkommen artfremd, einem Verkehrsunfall zum Opfer fallen.

Und dann, in rascher Folge, fang ich mir eins von den freilaufenden Pferden ein, reite es und bewege mich damit schneller fort als alle Anderen. Das darf ich ja wohl, denn ein Fortbewegungsmittel dient ja nicht notwendig meiner Unterhaltung, oder? Und mit über einer Million gleichgesinnter Pferdefreunde werde ich dann doch einen kleinen Vorteil gegenüber den Fußgängern haben. Hach, schöne Utopie, da würde sich das Halten von Tieren zu Unterhaltungszwecken tatsächlich richtig auszahlen…

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