Was lange währt, wird endlich gut, oder nicht?



Aufgrund anderweitiger Verpflichtungen der fleissigen Chronistin, hat die Sendung diese quasi überholt und wir befinden uns einen Beitrag im Rückstand.
Das geht natürlich nicht, deswegen muss das Tempo nun gesteigert werden. Diese Woche gibt es also drei neue Beiträge zu den Fäährdeprofiies.
Wie immer handelt es sich bei diesem Bericht um einen reinen Gedächtnisbericht, man möge mir also verzeihen, wenn ich an der ein oder anderen Stelle etwas weglasse oder dazu dichte, ebenso sind Breitseiten gegen im Film dargestellte Personen nicht absichtlich gewählt, wohl aber nicht zu vermeiden. Der Hauptadressat meiner so zu verstehenden Kritik ist und bleibt aber das Sendeformat, das durch Drehbuch, schnitt und Redaktion die gute fachliche Praxis eines Jeden, der mit der Arbeit mit und am Pferd sein Geld verdient, ad absurdum führt.
Der Tragödie achter Teil:
Das trypanophobische Terrorpony
Der Bernd hat heute richtig gute Laune, denn er darf sich eines Problemes annehmen, dessen Ursprung er vollkommen und absolut nachempfinden kann. Auf geht’s zum Pony Sammy, welches aufgrund einer Rasenden Angst vor Spritzen in seinen letzten Lebensjahren keinen Tierarzt an sich ran, sondern ziemlich viele davon an seinen Hufen riechen ließ.
Im Einspieler erfahren wir, dass der sechsjährige Sammy ansonsten super das brave Zwockelpony ist und mit seiner jungen Besitzerin Anna-Lena ein spitzenmäßiges Dreamteam bildet. Geht’s dem kleinen Kerl allerdings mit einer Nadel an den Kragen, hört die Ponyliebe auf und der wuschelige Kerl mutiert zur Bestie. Anna-Lena erklärt uns, dass das Pony wegen der ganzen Spritzenaversion nicht nur nicht geimpft werden kann, sondern sogar keinen einzigen Zahnarztbesuch absolviert hat.
Anna-Lenas Mutter erläutert nochmal die Dringlichkeit der Situation, weist auf diverse wild fluchend und aus Kriegsverletzungen blutend vom Hof gefahrenen Veterinäre hin, die das Wuscheltier schon auf dem Gewissen hat, und erklärt, dass sie als letzten Ausweg die Leute von VOX angerufen hat. Richtig so, sollen die sich doch mit dem Quatsch rumschlagen.
Bernd ist auf jeden Fall voll doll aufgeregt und hat wirkliches Mitgefühl mit dem Pony, hat er doch selber Angst vor Spritzen und Ärzten im Allgemeinen (Ich fühle im Übrigen auch mit, zum Arzt gehen kommt nicht in Frage, da geht’s nur in der Horizontalen hin…)
Vorort angekommen begrüsst der Bernd die Anna-Lena, die ihren Sammy fürs Fernsehen hübsch herausgeputzt hat und ihn repräsentativ direkt an der Hofeinfahrt am Griff des Scheunentores angebunden hat. Gottseidank ist der Sammy kein generelles Problempferd, solche sind ja Fluchttiere und erschrecken sich manchmal und legen dann den Rückwärtsgang ein. (Naja, Wenn das Pony unter dem Scheunentor begraben worden wäre, hätte der HacklBernd wenigstens mal was Richtiges zum therapieren; Scheunentorphobie, gebrochene Beine, Tod, oder ähnliches)
Bernd hat die unglückliche Anbindung bestimmt gesehen, will aber nicht von vornherein unfreundlich rüberkommen, deswegen bittet er Anna-Lena, einmal mit ihrem Sammy auf und ab zu gehen. Anna-Lena tut brav, wie ihr geheißen und watschelt los, der Zwockel hinterher. Nach zehn Nanosekunden hat Bernd eiskalt analysiert, dass in der Mädchen-Pony-Paarung ein Dominanzproblem vorherrscht, hat der Sammy doch tatsächlich die Huzpe bewiesen, auf dem Weg eine Distel anzuschauen. (Respekt Herr Hackl, mir ist das mit dem Dominanzproblem erst eine Einstellung später aufgefallen, deswegen sind aber ja wahrscheinlich Sie im Fernsehen und nicht ich)
In der folgenden Einstellung übernimmt nämlich der Bernd das Ruder und versucht dem PonyBoy auf den Zahn zu fühlen, pardon, auf die Vene. Das findet Sammy aber gar nicht deluxe und versucht den lästigen Zweibeiner mit ein wenig Vorderfußgewinke abzuwehren.
Anna-Lena freut sich, dass das Pony sein Trauma so offen darlegt und erzählt uns unter fröhlichem Gelächter, dass bereits ein Tierarzt am Kopf geblutet hat und einer aus dem Mund. Wirklich witzig sei das aber nicht gewesen, lacht sie weiter.
Der Bernd hat das auch gehört und lacht ein bisschen mit (gute Laune und so) und schlägt bei dem Patienten eine Helmpflicht für Tierärzte vor (Guter Vorschlag!! Wie wär‘s denn, wenn einfach alle Teilnehmer der Sendung einen Helm aufsetzen würden, außer den beiden Profis, dann erkennt man die beiden auch noch besser…?)Dann will er dem Pony aber schnell erklären, dass er nicht zu winken hat (By the way, wie klein sind eigentlich die bayuvarischen Veterinärmediziner, dass sie von einem winkenden Pony dauernd oberhalb der Kauleiste getroffen werden? Oder bücken die sich immerzu?), dazu braucht man aber weichen Untergrund und selbstverständlich ein Knotenhalfter. Der Sammy wird weiter am Hals betatscht um die Vene zu suchen, und man soll erst damit aufhören, wenn der Sammy sich nicht mehr wehrt. Das sagt Bernd zumindest, in Echt hört er aber nicht auf, er tatscht solange weiter, bis Sammy erneut anfängt sein Missfallen auszurücken.
Vielleicht lag aber genau das in der Hacklschen Absicht, der Bernd hat nämlich noch einen Trick auf Lager. Der Witz ist nämlich, so erläutert uns der Guru, dass man die Hinterbeine wegjagen muss, wenn man von den Vorderbeinen nicht getroffen werden will. Dafür faucht man und haut mit dem Strick in Ponyarschrichtung (nicht drauf, wir sind hier schließlich im Fernsehen), bis dieser sich von der Führperson wegbewegt. Wenn der Rest vom Pony, der am Hintern nunmal dranhängt, sich auch wegbewegt, dann ruckt man am Knotenhalfter, damit halt nur der Hintern geht und nicht das komplette Pony. Sammy hat das System nicht ganz verstanden und pfeffert in bester Fiutschamanier mit beiden Hinterbeinen nach dem bayerischen Guru aus. Da Sammy aber ein Pony ist und kürzere Beine hat als ein gemeines Warmblöd, verfehlt er den Bernd um einige Zentimeter.
Die Lektion hat gesessen, zumindest beim Longenführer, er übergibt die Leine an Anna-Lena, damit sie auch mal lernt, wie man fachkundig am drei-Meter Seil sein Pony in Höchstgeschwindigkeit zentrifugiert, pardon, longiert muss das ja heißen. Dann hat sie wenigstens was zu tun, wenn der Bernd wieder weg ist.
Damit ist die Dominanz wohl erstmal wieder geradegerückt, denn als nächstes geht’s an die Überwindung der Spritzenpanik. Dafür hat der Bernd schon mal was vorbereitet, eine ganze Hand voll Schaschlikspießen zaubert er aus seiner Tasche. Damit will er den Sammy auf den Ernst des Lebens als Tierarztpatient vorbereiten. In die Kamera erklärt er, dass man bloß nicht mit echten Kanülen üben soll, weil es dafür schließlich Tierärzte gibt. Laien sollten nicht mit Spritzen hantieren, das kann ins Auge bzw. durch die Vene gehen. (Mein Satz des Abends, endlich mal ein vernünftiger Apell!!!!!)
Also lieber Holzspieße, die sind an einem Ende spitz und an einem flach. Zuerst nimmt der Bernd die flache Seite und kratzt damit die Drosselvene entlang. Das findet Sammy nicht witzig, schlägt mit dem Hals und winkt mit den Hüfchen, dass es eine Freude ist. Das findet wiederum Bernd nicht witzig und hält kämpferisch dagegen. Kratzen mit dem stumpfen Ende, kratzen mit dem spitzen Ende, der Zwockel scheint sich in sein Schicksal ergeben zu haben. (Sehr beruhigend, schlägt so ein Ponyhals mal mit Schmackes gegen einen Schaschlikspieß soll das ja auch nette Verletzungen verursachen können…)
Also sind sich alle Beteiligten einig, einen Schritt weitergehen zu können und nun wird die koimplette Spritzerei geübt. Fachmännisch wird Wasser in der Spritze aufgezogen, mit dem Finger dagegen geklopft, die Vene gesucht, mit dem Spießchen gedrückt und schließlich das Wasser (laut Bernd am besten Mineralwasser, weil das kribbelt auf der Haut…) über den Hals laufen gelassen. Das Pony ist augenscheinlich ein schlaues Pony; denn bereits jetzt hat er festgestellt, dass keiner der Betieligten je ein Studium der Verterinärmedizin abgeschlossen hat und deswegen seinem Hals auch nicht gefährlich werden kann.
Alle sind wieder einmal glücklich, Bernd kann nach Hause fahren, Anna-Lena soll weiterhin an der Dominanz (mit longieren, weisste Bescheid) und der Schaschlik-Mineralwasser-Halsbearbeitungserziehung arbeiten. Aber lieber nicht alleine, das Pony ist zwar schon braver, aber immer noch wild. Anna-Lenas Mutter erklärt sich bereit, ihrer Tochter zur Seite zu stehen, erscheint selbiger aber nicht besonders hilfreich und wird weggescheucht, weil sie permanent vor dem Winkepony steht (kluges Kind!)
Zwei Wochen später steht der Hackl wieder ins Haus, diesmal aber nicht alleine, er hat den altbekannten Doc an Bord. Gemeinsam wollen sie überprüfen, ob die Hacklsche Therapie gefruchtet und die Anna-Lena mit dem Pony gut gearbeitet hat und zur Krönung des ganzen am Ende des Tages einem gespritzten Pony die Zähne hübsch machen.
Der Doc erklärt dem Bernd, das Pferde an sich sehr schreckhafte Tiere sind und holt seinen schwarzen Koffer aus dem Auto, der die Folterwerkzeuge zur Zahnbehandlung beinhaltet. Weil Pferde nunmal schreckhaft sind, sollte der Tierarzt an sich vermeiden, Signalfarben zu verwenden, ein roter Koffer zum Beispiel, wäre eine wirklich dumme Idee. (hmmm, ich habe mal gelernt, dass Pferde die Farbe Rot überhaupt nicht erkennen können, aber ich bin ja auch wirklich keine Koryphäe und schon gar nicht im Fernsehen)
Gemeinsam und mit dem schwarzen Koffer machen sie sich auf zum Patienten. Anna-Lena wird begrüßt und erst mal nach dem Verwendungszweck des Zwockels befragt (Nein, nicht diese langweilige Schlachttier/ Nichtschlachttiernummer, mit der sie uns in den Kliniken immer auf den Pinsel gehen oder gar mit einer Frage nach dem Pferdepass…) Sollte der Sammy nämlich bald aufs Turnier, dürfe er das nicht, weil die Sedierung nämlich Doping ist. Anna-Lena versichert, dass sie garantiert nicht vorhat, sich mit dem Zwockel irgendeinem öffentlichen Wettkampf zustellen.
Das finde ich sehr beruhigend, würde ein ungeimpftes Pferd doch auch postwendend wieder nach Hause geschickt…
Alle Klarheiten beseitigt; Bernd hält den Zwockel am Kopf, der Doc versucht, diesem die Spritze in die Vene zu jagen und…

…haut prompt daneben weil der Sammy macht was der Sammy schon immer getan hat, Hals schütteln und winken.
Dann gibt es einen Schnitt und der kluge Kommentator zeigt uns den dritten Spritzversuch, der schließlich hinhaut.(So zerwühlt wie der Boden ist, können es auch 12 bis 27 Versuche mehr gewesen sein, aber wir wollen ja mal nicht kleinlich wirken) Der Doc haut die Spritze in den Hals und ist sich anscheinend sicher die Vene erwischt zu haben, denn aspirieren tut er die Spritze nicht… Der Erfolg zeigt sich aber sogleich, der Sammy lässt die Ohren hängen. Damit er auch gleich lernt, wie das mit dem Spritzen funktioniert und weil ziemlich viel von der Sedationszeit mit Gequatsche vertan wurde, jagt der Doc gleich noch ne Drönung hinterher. Jetzt hängen nicht nur die Ohren, sondern der ganze Ponykopf, deswegen muss der Bernd sich unter selbigen drunter stellen, damit der Doc mit seinem Foltergerät an die Ponyzähne rankommt. In nichtmal einer halben Stunde (danke kluger Kommentator) hat der Sammy die Zähne wieder schick und muss nur noch aufwachen. Dazu soll er in den Stall, weil er aber noch so schwankt, soll Bernd sich an den Schweif dranhängen um das Pony geradezuziehen. Auch das funktioniert wie Bolle, Pony hat die Zähne schön und morgen einen Kater, keiner blutet aus irgendwelchen Gesichtsregionen. Perfekt, Problem gelöst, Pferd therapiert.
Was haben wir heute gelernt?
1. Wenn dein Pferd Tierärzte nicht witzig findet, dann hat es ein Dominanzproblem und eine Phobie, die es zu therapieren gilt.
2. Nasenbremsen zur Lebensrettung von handelnden Personen oder zur Stressminimierung bei Pferden sind grundsätzlich abzulehnen, bzw. nicht einmal als Option in Erwägung zu ziehen.
3. Schaschlikspieße und Mineralwasser im Haus sind dagegen unabdingbar für das tägliche medical Training.
4. Grundsätzlich ist eine vernünftige Zahnbehandling für Pferde quasi eminent lebenserhaltend wichtig. Impfungen sind dagegen ein Fliegenschiss, die braucht kein Mensch, pardon Pferd.
5. Wenn das ganze Rumgehampel mit Dominanz, Therapie und Gewöhnung kein Ergebnis hat, such dir einfach einen mutigen Tierarzt….
Ich persönlich würde Punkt fünf ja vor Punkt eins stellen und könnte Punkt eins bis vier von der Agenda streichen, aber wer fragt mich schon nach meiner Meinung…

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