Und wieder ist eine Woche rum…



…deswegen wollen wir mal wieder die Tippfinger schwingen, gab ja einiges zu sehen am Samstag.

Das altbekannte Vorab: Ja, ich bin eine gehässige alte Lästerschwester, entgegen aller Verlautbarungen ist mein Sexualleben ganz subjektiv betrachtet aber im vollkommen grünen Bereich und meine überbordende Freizeit hält sich auch in Grenzen. Ich schreibe hier nicht, um irgendwen zu verunglimpfen, sondern simpel meine ureigene subjektive Nacherzählung meiner Wahrnehmung einer Fernsehsendung. Dementsprechend ist diese Seite eine Plattform für meine eigene, ganz subjektive Meinungsäußerung. Wer eine andere Meinung hat, kann die gerne kundtun, wer ein Problem mit meiner Meinung hat, kann das gerne behalten, es ist ja seins.

Der Tragödie dritter Teil, dessen dritter Akt:

Rette sich oder einen Ferderfuß wer kann, oder nicht kann; egal, rettet einfach irgendwas.

Zöppel-Bernd hat einen neuen Patienten. Thorin so heißt der Puschelfuß (Warum zum Geier müssen es eigentlich immer Tinker sein, Tinker und Haflinger sind an der Problempferdefront irgendwie überrepräsentiert…) und ist panisch. Reell panisch, sogar, sobald ihm ein Mensch zu nahekommt. Deswegen lebt er seit sechs Monaten ausschließlich in einer Paddockbox, so lernen wir im Einspieler. Auf diesen grob 20m² ohne Einstreu fristet er zwar ein gerettetes aber dennoch nicht so richtig glückliches Dasein, berichtet seine Besitzerin Sabrina. Deswegen bittet sie einen ProVieh um Hilfe, genauer gesagt den Bernd. Der soll den Thorin soweit therapieren, dass man ihn zu mindestens anfassen und an der Leine führen kann, oder vielleicht irgendwann sogar reiten. Das wäre quasi der Traum aller Träume.

Bernd macht sich vor Ort ein Bild von der misslichen Lage des Tinkers. Dieser befindet sich vorerst im Paddock seiner Paddockbox, von da aus soll Sabrina ihn kurz reinmanövrieren. Das geht relativ schnell, quasi nur durch das Erschienen der Besitzerin auf der Außenterasse. Bernd geht vor dem Fressgitter der abenteuerlich befriedeten Box (Die Richtlinien sprechen von Abständen KLEINER als fünf und GRÖSSER als 30 Zentimeter zwischen den Holmen, nicht irgendwas zwischen fünf und dreißig, das ist nämlich gefährlich…) in die Hocke, damit der Thorin sich nicht erschreckt, wenn er reinkommt. Drinnen kann Sabrina direkt das Problem demonstrieren, sobald sie nämlich die Hand nach ihrem Vierbeiner ausstreckt geht dieser vor Angst wortwörtlich in die Knie. Auf Nachfrage erklärt Sabrina, dass sie Thorin vom schwarzen Brett eines bekannten Tiergnaden/schutzhofes gerettet hat. Also eigentlich eher vom Händler, der den Winker zum Schlachter tun wollte. Geliefert wurde er frei Halle im Anhänger, das wäre trotz Berührungsphobie nicht das Riesenproblem gewesen.

Bernd zeigt sich mittelmäßig schockiert ob der Panikreaktion des Federfußes und testet direkt selber mal, in wie weit die Angst des Ponies bereits fortgeschritten ist. Bernd kann den Bunten sogar kurz am Hinterende betatschen, bevor dieser die Flucht nach draußen ergreift. Daraufhin ist Sabrina total gerührt, so weit hat sie es im letzten halben Jahr nämlich nicht geschafft. Bernd bricht an dieser Stelle das Experiment ab, hat Thorin sich doch definitiv für eine stationäre Therapie qualifiziert und soll dementsprechend auf dem Alex seine Ränsch verbracht werden.

Weil das mit dem Transport von nicht angreifbaren Viechern aber so eine Sache ist, bewaffnet sich Bernd für den Frontalangriff mit seinem SuperDoc, und letzterer mit einem Blasrohr. Das, so erklärt er dem geneigten Zuschauer, eignet sich bewährt mit einem Betäubungspfeil für wilde Tiere und eben Tinker. Der Puschelfuß kriegt dann auch durch die Zaunlatten einen Pfeil in den Allerwertesten gepustet, die Ladung entfaltet ihre Wirkung. Nachdem Sabrina diverse neue Halfter in den wildesten Farben herbeigeschlört hat, macht sich Bernd auf, dem Wilden nun endlich zu Leibe zu rücken. Nach trotz Dope noch relativ fluxer Verfolgungsjagd durch Box und Paddock, unterlegt mit Zeitlupe und dramatischer Musik, wird der Ponykösel schlussendlich auch in ein neongrünes Halfter gestopft. Die Schlacht ist gewonnen, der Krieg noch lange nicht, der Winker macht sich immer noch in die Hose. Deswegen soll der Doc nun eine Braunüle legen, damit kann man nämlich während der Fahrt nachsedieren, sagt der Bernd. Wohin die Braunüle dann gegangen ist, bleibt dem geneigten Zuschauer verborgen, in der nächsten Einstellung wird der Federfuß nämlich freigelassen aus seinem Paddock und rattert folgerichtig mit Bernd am Seil in Richtung ewige Freiheit. Bernd kann ihn grade noch bremsen und der Doc soll doch vor Ort noch ein bisschen Dope nachschießen, um das Gefahrenpotential für alle Beteiligten zu minimieren. Während Bernd das Tinkerauge abschirmt spritzt der Doc irgendwo in der Widerristgegend irgendwas subkutan, derweil blutet der Tinker schon an diversen Körperstellen (die sich alle nicht für das legen einer Braunüle eignen) Es läuft unter dem Mähnenkamm, an der Tinkernase bis zu den Vorderbeinen, aber was solls, inzwischen ist der Flecki so zugedröhnt, dass man ihn auf das bereitgestellte Holz-Plane-Geviert verfrachten kann, das inzwischen mitten auf dem Hof geparkt wurde.




Nach der Werbung trifft der Tinker nach zwei Stunden Fahrt bei Alex ein, dem Vernehmen nach hat er die Fahrt überlebt. Bernd will ihn selber abladen, aus Sicherheitsgründen in der Halle, wo der Tinker direkt versucht, wieder stiften zu gehen. Nur Zöppel Berni seinem unfassbaren Geschick und Einfühlungsvermögen ist es zu verdanken, dass Thorin sich nicht vom Acker machen kann, lässt uns der kluge Kommentator wissen. Deswegen gelingt es dem Willkommenskommando auch den noch leicht beschwipsten Häuptling Federpfote in eine Box zu manövrieren. Hier darf er dann mit gleich zwei langen Stricken am Halfter die Nacht verbringen und über seine Sünden nachdenken.

Am nächsten Morgen finden sich grob 20 Zaungäste ein, die dabei sein wollen, wenn Bernd den Tinker in das abgegatterte Roundpen in der Halle bugsiert. Sie werden in einem Teammeeting eingeschworen, wie und wann sie Spalier zustehen haben, damit der Puschelfuß nicht aus Versehen auskneift. Dank der Langseile an der Tinkerschen Visage kann Bernd ihn auch relativ simpel aus der immer noch nicht eingestreuten Box fischen und dieser rattert auch gleich mit zweibeinigem Anhang in Richtung Halle. Im rettenden Gitterkäfig angelangt, muss Bernd den Dicken auch leider loslassen, findet das aber nicht so schlimm. Der Puschel nutzt die Gunst der Bewegungsfreiheit und wälzt sich erst mal genüsslich, nur minimal behindert von der ganzen Kabellage, die an seinem Kopf baumelt. Bernd holt sich nun erstmal einen Eimer Futter, mit Brot fängt man nämlich Tinker und verstreut ein paar Äppel im Roundpen, damit der Flauschi neugierig wird und vielleicht Kontakt aufnimmt. Nachdem Thorin nach drei Minuten aber immer noch nur die weit entfernten Früchte aufliest ist Bernd allerdings etwas enttäuscht und heißt den Alex an, die Tinker Geheimwaffe zu entfesseln. Jetzt wird nämlich die Schakkeline zum Thorin gesperrt, damit der sieht, dass er nicht alleine auf der Welt ist. Der Puschelfuß ist schier entzückt ob der Anwesenheit einer Dame und Sabrina flippt schier aus vor Freude, weil ihr Winker nun doch noch eine Chance auf Heilung hat.

Schließlich und endlich treffen wir Thorin eine unbestimmte Anzahl von Wochen später (Der Winterplüsch ist runter und irgendwer hat ihn schön geputzt) in seiner immer noch nicht eingestreuten Box wieder und sehen, dass er sich mit nur noch minimaler Gegenwehr von Hackl-Bernd schnappen lässt. Dieser montiert ein Knotenhalfter über das Stallhalfter und schlört ihn hinter Alex und einem fuchsigen Tier her auf die Wiese. Knotenhalfter runter, Thorin jackelt über die Wiese, alle sind glücklich. Tränenreiches finish eines Falles, der, so lässt uns der kluge Kommentator wissen, in der nächsten Woche seine Fortsetzung finden wird. To be continued.

Butter bei die Fische. Ja verdammt, Thorin ist ein echtes Problempferd. Ein Pferd mit einem riesigen Problem, bei dem man nur spekulieren kann, was oder was nicht Menschen mit ihm gemacht haben, sodass er zu diesem Angstgeschöpf wurde, dass dort am Samstag zu sehen war. Und ja, Bernd (oder wer auch immer in der Zeit bis zum Weideaustrieb mit ihm gearbeitet hat) hat ihm wieder Kontakt mit Artgenossen und freie Bewegung ermöglicht.

Trotzdem muss ich kraft meines Amtes als Chronistin ein bisschen motzen: Ich glaube, dass ganz viel der gezeigten „Action“ allein dem Drehbuch und der Dramaturgie geschuldet ist und dem Pferd im Besten Falle nicht geschadet, aber ganz sicher nicht genutzt hat. Man hätte sich nämlich auch vorerst vor Ort mit dem Tier beschäftigen können. Die Ansätze mit Futter und Artgenossen wurden ja nachher auch richtig gezeigt. Und auch wenn dieser Weg aus welchen Gründen auch immer nicht gangbar ist, muss man so einen eigentlich nicht direkt mit dem Blasrohr schießen. Sedieren ja, aber die Dr Med Vets dieser Welt verfügen über ein lustiges Granulat, was man übers Futter oral eingeben kann. Wird gerne gefressen, macht müde und deutlich zugänglicher.
Sediert verladen (auch wenn es strenggenommen in DE nicht erlaubt ist), ok, aber warum muss man das Tier in allen Varianten spritzen, bis es der Kamera taugt (diverse Vorversuche sichtbar durch die entsprechenden Blutungen am Tinker)?
Verladen für den Ortswechsel sehe ich ein, aber warum kann man den Anhänger nicht an die Stallgasse, den Gang hinter den Paddocks oder sonst wo ranfahren, nur damit wir keine heldenhafte Fluchtverhinderung von Bernd zu sehen kriegen?
Strick am Halfter lassen für die bessere Fangbarkeit, jap, erprobte Methode, aber bitte ein kurzes Seil! So kurz, dass das Pferd bei normaler Kopfhaltung nicht drauflatschen kann und sich nicht selbst darin einwickelt wie ein potentieller Houdhini. Ein Genickbruch löst allerdings das Problem sehr schnell, soviel ist sicher.

Und last but not least: WARUM weist in dieser vermaledeiten Fernsehsendung niemand darauf hin, dass es verdammt nochmal nicht OK ist, ein Pferd sechs gottverdammte Monate in einer Box einzusperren??? Auch wenn ein Balkon am Wohnklo ist, und man den armen kleinen vor einem furchtbar schlimmen Schicksal gerettet hat, ist das einfach ein No Go. Auch wenn Sabrina das bestimmt nur gut gemeint hat, und ansonsten nur unbeteiligte Kameraden mit Westernhüten da am Stall hausen, ist das ein Thema, das für mich eindeutig und dringendst angesprochen gehört! Ein ohnehin schon verhaltensauffälliges Pferd auf kleinem Raum ohne Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt einzupferchen ist absolut nicht in Ordnung. Wenn man ihn auf der Weide nicht fangen kann, ist das immer noch besser, als ihn in der Box nicht fangen zu können. Und Mittel und Wege so einen rein und raus zu bugsieren gibt es immer, Herdentrieb, Flatterband und helfende Hände machens möglich.

Und daraus abgeleitet mein nächster Apell: Bitte bitte, liebe tierliebe Fraktion: Rettet keine Pferde, wenn ihr nicht wenigstens wisst, wo bei den Galoppern vorne und hinten ist. Nicht immer kommen VOX und der Bernd um euch und euren armen unglücklichen geretteten Patienten aus der misslichen Lage zu helfen. Ich weiß, retten ist das neue kaufen, hat es keine tränenrührige Geschichte, ist es auch nix wert, aber denkt euch doch die Geschichte einfach aus. Pferde wie Thorin gehören, so traurig das auch ist, entweder in die Hände von echten Profis, oder in eine Zukunft als Brotaufstrich. Sein Pferd zu lieben ist eine tolle Eigenschaft, reicht aber leider nicht aus, um ihm in dieser Situation irgendwie helfen zu können. Nehmt eure Liebe und gebt sie einem Tier, dass eine ordentliche Kinderstube hinter sich hat. Lasst die Problempferde den Problempferdetherapeuten und allen ist geholfen…

(Quelle: https://www.facebook.com/PferdeprofisAnDerBande/posts/1835019796740983)

Ein Gedanke zu „Und wieder ist eine Woche rum…

  • 18. Januar 2017 um 12:37
    Permalink

    Wurde eigentlich über eine der beiden Problempferde-Besitzeinnen ein Status vermittelt?
    Ich meine ansonsten sind doch in dieser Sendung alle immer irgendwie besonders „sichere“ Reiter, oder sehr „erfahrene“ Pferdebegleiter?! Ich habe nix gehört. Das die zugegeben sehr sympathisch rüberkommende Sabrina ihren Thorin nicht anfassen konnte, mag auch an der gespreizten Handhaltung gelegen haben, oder?
    Und dass sie emotional nicht grad ausgeglichen in diese Box gegangen ist?! Für mich gehörte sie während der ersten Phase gar nicht an ein Pferd-heulende, verkrampfte, aufgewühlte Menschen generell nicht!
    Bernds Hand war geschlossen, er war ruhig, er hatte Körperhaltung und Blick im Griff und siehe da, bereits am nächsten Tag in dem Stall von Alex, ging das Tier nicht mehr in die Knie vor Angst. Ich bin mir nicht sicher was da alles gemurkst wird, damit es dramatisch wirkt. Vielleicht will ich auch einfach nicht glauben, dass in einem großen Stall ein Tier 6!!!Monate ohne Freigang lebt. Es wird immer von der großen Wiese gesprochen- muss ja gar nicht gleich, es gibt doch Sandpaddocks- ein nicht angeweidetes Pferd würde ich auch nicht auf ne große Wiese stellen- aber Sandplatz mit Artgenossen wäre doch drin gewesen. Der latschte doch dem anderen Pferd sofort hinterher. Und die Kaltibesitzerin? Hat die außer ihrem Traum irgendeine Erfahrung mit Pferden?
    Warum ersetzt VOX nicht diesen Moderator und streicht das ganze Dramagedöns, dann könnten Menschen ohne Pferdekenntnis was lernen ( z.B. dass es nicht ok ist auf fremde Weiden zu gehen oder fremde Tiere zu füttern )und Pferdemenschen mit dem einen oder anderen kleinen Problem, würden vielleicht angeregt per Trainer zu Hause an sich zu arbeiten, oder einen Voschlag von Stallkollegen vielleicht mal anzunehmen.
    Das wäre doch was! So ist diese Sendung für Menschen ohne Pferd bestenfalls nervig und die anderen regen sich über den Unsinn der Botschaften auf.

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