Wofür habe ich diese Seite eigentlich…..



…..damals noch mal ins Leben gerufen? Ach ja, richtig, da war doch noch was mit so nem komischen Help-Format beim Fernsehsender mit der roten Kugel! Die PferdeProviehs ProViehen wieder ein paar Samstage lang mit sensationellen neuen Folgen. Und da man mit liebgewonnenen alten Traditionen ja nicht brechen soll, hier mein Senf zu den Brötchen, die gestern abend lang und qualvoll gebacken wurden.

Damit es auch der letzte Horst Kevin versteht: Ich weiss, dass es sich um eine Fernsehsendung handelt, aber die haben ja hoffentlich in vollem Bewusstsein ihre Kösel in die Kamera gehalten, also werden sie damit leben müssen, wenn ich mich hier darüber lustig mache. Kurz: Ich darf das!

Der Tragödie dritter Teil, dessen erster Akt:

Der geflügelte Stangenallergiker

Frau Prüma hat eine neue Haaarfarbe und einen neuen Fall. Erstere ist ein schönes dunkles Leuchtekirschrot und zweites ein 7jähriges Warmblöd, was sich weigert, am Boden liegende Stangen zu überwinden. Im Einspieler erfahren wir, dass es nicht etwa Springpferd werden soll, sondern aufgrund einer Rekonvaleszenz einer Verletzung vom Tierarzt Stangenarbeit zum Muskelaufbau verordnet bekam. Pegasus, so heißt das etwas dickliche Fuchstier, wird von seiner Besitzerin Sonja vorgeführt. An der Longe, unter dem Sattel und geführt will das Ross partout nicht über die bunten Dinger watscheln. Der geneigte Zuschauer mutmaßt schon in dieser Einstellung, das es eventuell daran liegen könnte, dass Sonja an der Longe permanent vor dem Pferd läuft, mit der Energie und Überzeugungskraft eines durchschnittlichen Kartoffelsackes im Sattel sitzt, und beim „Führen“ direkt vor dem Pferd steht und es frontal anvisiert, während sie an der im Gebiss eingehakten Longe zerrt.

Das ist auch an Sandra nicht ganz unbemerkt vorübergegangen, erklärt sie uns doch während der Autofahrt, dass Pferde, die etwas nicht wollen, nicht unbedingt immer einen Grund haben müssen um etwas nicht zu wollen. Manchmal sind sie nämlich auch einfach nur stur. Um rauszufinden, ob das eine oder andere im Flügelfall zutrifft, schaut sie sich das gleiche Programm wie im Einspieler nochmal live an. Vorher bekommen Sandra und der geneigte Zuschauer aber noch erläutert, dass das Pferd beim Transport nach Kauf durch eine Vollbremsung ein paar Wirbel aus der Reihe hüpfen hatte. Das wurde wohl behoben, allerdings ist der Vogel immer noch ganz schief in der Schulter. Sandra betrahtet das Pferd von hinten und ist auch volle Granate entsetzt, dass die Schulter echt schief ist. (Ich war nicht so entsetzt, bei einem Pferd, dass vorne offen steht, sind die Schultern NIE auf einer Höhe, sonst sollte man sich nämlich wirklich Sorgen machen….Aber was tut man nicht für eine gute Story). Deswegen findet auch Sandra, dass Stangentraining jetzt ganz furchtbar wichtig für die rote Gefahr wäre, weil dabei nämlich die Füße des Pferdes unter den Bauch und der Rücken nach oben kommen. Damit könnte der unfassbar atrophische Schulterzustand in Mirnichts Dirnichts behoben werden, ohne aber auf keinen Fall und würde mindestens tödlich enden, oder schlimmer.

Der rote Zampel geht an der Longe zwar ganz kurz artig über die Stange, nachdem seine Sonja aber wieder vorwegrast und innovative Handbewegungen an der Langleine einbaut hat er dann doch keine Lust mehr. Unter dem Sattel versucht er auch nochmal sein Glück, als jedoch seine (O.-Ton kluger Kommentator) „sichere Reiterin“ ihn Zielsicher mit fahrigen Armbewegungen mit dem Vorderhuf genau AUF die Stange dirigiert (so ein Auge muss man auch erstmal haben….) hat er wieder keine Lust mehr. Komisch aber auch, bringt das erzeugte metallische Geräusch den geneigten Betrachter doch auf eine Idee. Die „Stangen“ in Pegasus‘ Heimatstall sind nämlich angemalte Rohre. Rohre! Aus Metall! Nach drei Mal Lattenkontakt wurde da von meinen auch keiner mehr drüber gehen, von der minimal erhöhten Gefährdungslage ganz zu schweigen… Sandra kriegt am Boden schon fast einen mitleidigen Nervenzusammenbruch, und gollumt den armen Schaaaaatz an, weil der im Gesicht so traurig aussieht. Da der dicke Fuchs inzwischen auf leichte Anfrage des Sonjaschen Sporens seine Vorderpfötchen drei Zentimeter in die Luft hebt und dieses „Steigen“ laut klugem Kommentator voll die gefährliche Geschichte ist, wird Sonja vom Pferd montiert und dieses zum letzten Test gebeten. Dafür wird der geflügelte warme an der Hallenbande mit ein paar Stangen umzingelt und soll nun selber sehen, wie er da wieder rauskommt. Da der Pegasus zwar blond ist, aber nicht blöd, schiebt er eine Stange zur Seite und geht zu den Leckerliespendern in der Hallenmitte. Die freuen sich einen Keks, weil der Süße so unfassbar clever ist und quieken den Schaaaatz um die Wette an.

So ein schwerwiegendes Problem ist natürlich nicht ambulant zu therapieren, außerdem muss der Rosenhof ja erstens beworben werden und zweitens die Boxen voll haben, deswegen wird Pegasus alsbald in Prümasche Gefilde transportiert. Dass es an diesem Tag ein wenig windig ist, spielt Sandra optimal in die Karten, sie hat nämlich einen kompletten Sperrmüllcontainer auf dem Reitplatz ausgebreitet, um zu sehen, ob Pegasus nur nicht über Stangen geht oder generell vielleicht ein bisschen bodenscheu ist. Sonja hat ihm inzwischen einen schlecht verschnallten Kappzaum verpasst und versucht also, den schläfrigen Fuchs zum übertreten von Duschvorhängen, Gummimatten und gelben Säcken zu motivieren. Da sie sich jedes Mal mitten vor das Pferd stellt, funktioniert das logischerweise nicht. Als eine Windböe dann die Plane in Richtung des Fuchses weht, hat der tatsächlich kurz einen wachen Moment, die Nase voll und nimmt Reißaus. Er schläft zwar nach fünf Metern direkt wieder ein, aber Sandra hat das Problem nun eindeutig und umfassend analysiert: Pegasus vertraut seiner Mutti einfach mal nicht für drei Cent (Ach, krass, und das, obwohl die so unfassbar sicher mit ihm umgeht! Sachen gibt’s….) Um das zu ändern scheucht sie den roten von hinten, während Sonja ihn über die Gummimatte führt. Weil das Vertrauen sogleich gestärkt ist, klappt das beim dritten Mal ganz ohne Scheuchen. Mit diesem unfassbaren Erfolgserlebnis geht es gestärt ins stationäre Intensivtraining.




Nach einer Woche wird die ortsansässige Physiotherapeutin zu Rate gezogen (die übrigens neu ist, vielleicht hat die alte ein Kind gekriegt oder keine Lust mehr auf Fernsehen) und um Therapie des Feurigen Schnarchhahns gebeten. Diese erkennt sogleich eine wirbelsäulenbedingte Schweifschiefhaltung und zieht dem Pegasus gepflegt die Ohren lang. Also nein, sie hält die Ohren nur fest, während Pegasus zieht. Deswegen ist direkt danach der Schweif zwar objektiv genauso schief wie vorher, aber laut Physio fast schon wieder gut. An der Longe zeigt sich der große Rote auch genauso steif und unmotiviert wie vorher und traloppiert im Vierschlag in der Runde, aber Sandra freut sich einen Keks, während sie hinter Pegasus mit dem Longenende wedelnd herhechelt und ihm dabei den immer noch bescheiden sitzenden Kappzaum ins rechte Auge zieht. Der geflügelte Lumpi ist wiederhergestellt, jetzt kann’s so richtig losgehen mit der Therapie.

Nach knapp zwei Wochen kommt Sonja dann auch mal gucken, ob der dicke Rote inzwischen Trainingsfortschritte macht. So richtig kann sie sich das nicht vorstellen, weil sie inzwischen ja schon seit eineinhalb Jahren mit ihm übt und er ganz genau gar nichts verstanden hat. (Ja, das ist in der Tat komisch, ein etwas lebendigerer Kandidat hätte ihr inzwischen sieben Mal die Schulter ausgekugelt und sie bis an die Beregnungsanlage katapultiert…) und staunt dann auch justamente Bauklötze. Sandra hat nämlich den Tütenstock rausgeholt und kann den roten im Zuckelschrab über Duschvorhänge zentrifugieren. Sahnemotten, was für ein Erfolg, da kann man ja schon mal ein imaginäres Rad schlagen. Das Prümasche Hochgefühl soll Sonja jetzt auch bitte erleben, deswegen darf sie in Leggins und Ballerinas auch mal mit dem Tütenstock wedeln. Da sie direkt mal wieder vor dem Pferd wedelt, ist Pegasus kurz wieder irritiert, dieses Problem wird aber mit Sandras Adlerauge erspäht und korrigiert. Glück gehabt, danach läuft’s wie ein Länderspiel bei San Marino.

Nach insgesamt neun Wochen krasser Intensivtherapie soll ein Abschlussritt am Rosenhof das Gelernte festigen. Die schon wieder bespornte Sonja schwingt sich auf ihr geflügeltes Ross und dieses latscht über alles im Weg befindliche Gerümpel als wäre es schon vierzehn Tage tot und nur zu faul um umzufallen. Dem geneigten Zuschauer fällt es nun wie Schuppen von den Augen. Man konnte zwar von der „Therapie“ nicht so richtig viel verfolgen, aber jetzt sehen wir des Pudels Kern. Der rote Riese ist inzwischen nämlich anständig mit Westernpritsche und passendem Zaum ausgestattet. Dann muss es ja laufen! Sonja hockt zwar immer noch im Sattel wie ein Eichhörnchen mit Diarhhoe und hat ihre Hände nicht so richtig unter Kontrolle, dem Pegasus ist das aber einfach mal total egal. Problem gelöst, alle sind glücklich. Mal wieder hat Sandra die Equine Welt gerettet, Applaus Applaus.

Jetzt mal ehrlich: Sandra hat jetzt nicht so richtig viel falsch gemacht. Eher so gar nichts. Konnte sie auch nicht, denn sogar meine aller anfänglichsten Reitanfänger hätten das Problem in drei Minuten analysiert und tatsächlich auch behoben. Wirklich interessant bei der gestrigen Sendung fand ich zwei Sachen: Erstens die gnadenlose Selbstüberschätzung mancher Pferdemenschen (Zumindest kam das in der Sendung so rüber). Jemand der sich radebrecht im Sattel halten kann, ist weder erfahren noch sicher und sollte ganz ganz dringend die Sporen im Spind lassen. Jemand der solch elementare Fehler im Grundumgang mit einem natursedierten Zwockel macht, dass der bei solchem Pillepalle die Bremse zieht, tut sicher gut daran, sich Hilfe zu holen. Wenn derjenige dann aber im Internet angibt, Dressur auf L-Niveau zu reiten und Unterricht bis A-Niveau zu geben, erzeugt das bei mir ungläubiges Staunen gepaart mit einem leichten Brechreiz. L-Niveau heißt nämlich nicht „Lächerlich“ und A-Niveau steht nicht für „Abgekackt“. Ganz ehrlich: Wann genau ist das eigentlich passiert, dass jeder Depp sich Ausbilder schimpfen kann und so ein PillePalle als Problem angesehen wird? Ist es nicht mehr En Vogue, besser reitende Stallkollegen zu bitten, sich des Problemchens anzunehmen, wenn man doch so offensichtlich ein blutiger Anfänger ist? Und warum hat mir eigentlich keiner gesagt, dass es so einfach ist, mit „Problemfährden“ seine Brötchen zu verdienen? Ich hab den Scheiß ja drangegeben, weil ich meinen Hals nicht mehr riskieren wollte, aber wenn man nur halbtote geradeaus pilotieren muss, würde ich ernsthaft darüber nachdenken, den Job nochmal zu wechseln.
Witzig auch mal wieder die Zeitangaben: Wer ein Pferd neun Wochen in Beritt nimmt um über drei Stangen zu reiten, der ist entweder selber blutiger Amateur oder verdammt geschäftstüchtig. Oder beides. Kann ich aber nicht beurteilen, bin ja auch kein ProVieh.

(Quelle: https://www.facebook.com/PferdeprofisAnDerBande/posts/1831007807142182)

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